Nagg, nagg, naggig am Baggersee
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Alemannischi Nacht zieht 500 Gäste nach Müllheim / Breiter Querschnitt alemannischer Kleinkunst

Müllheim (jn). Alemannisch isch in, das zeigte die Alemanischi Nacht, zu der die Muettersproch-Gsellschaft als Beitrag zu den Heimattagen nach Müllheim ins Bürgerhaus eingeladen hatte. Das Bürgerhaus war mit über 500 Besuchern ausverkauft, diese kamen aus dem gesamten Markgräflerland, aber auch aus Freiburg und vom Kaiserstuhl.

Alle Akteure sangen zum Finale das De Hans im Schnoogeloch.
Foto: Alexander Anlicker

Chrüz und quer war der Titel, und die Akteure boten einen breiten Querschnitt an alemannischer Bühnenkunst von Musik und Gesang bis Kabarett. Die Alemannen sind ein musikalisches Völkchen und so sang das Publikum gleich eifrig mit, als der Mundart-Barde Frank Dietsche sein Lied über die Wäldermaidle vu Vogelbach intonierte.

Ebenso bei seinen Liedern I ha di gärn oder dem Loblied auf das Dörfli zwüschem blaue Rhii un schwarze Wald.

Als Mundartkomiker bot Martin Schley als Hausmeister Hämmerle viel Wortwitz, zeigte sich aber auch als Musiktalent beim Spielen auf der einsaitigen Gitarre oder als in Mundart rappender Kamikaze-Rudi.

Ein Glanzlicht des Programms war der Auftritt des Duos Goschehobel. Die beiden begeisterten mit alemannischem Folk-Rock. Bob Dylans Knocking on Heavens Door klingt auf alemannisch noch schöner, wenn der ganze Saal Nagg, nagg, naggig am Baggersee mitsingt. Richtig fetzig war auch Fritz du bisch gued (Jonny B. Good). Am Ende gab es laute Nonemol-Rufe (Zugabe). Doch mehr als 20 Minuten pro Künstler waren bei der Fülle der Auftritte nicht drin.

Weiteres Glanzlicht war der Auftritt des Hochschwarzwälder Schauspielers und Kabarettisten Martin Wangler. Als Fidelius Waldvogel oder Lucky Black Forest Bird kredenzte er den Zuschauern frische Schwarzwaldmilch und deckte auch die Tücken des Dialekts im Telefongespräch mit der Bahn-Hotline auf. Statt einer Fahrkarte von Hinterzarten nach Freiburg gibts da schon mal ein Ticket vom Wiener Westbahnhof nach Rom.

Die Vielfalt des alemannischen Liedguts präsentierte der Mundartbarde Wolfgang Miessner mit dem Akkordeon, da durfte auch das Gedicht Hans und Verene von Johann Peter Hebel nicht fehlen.

Mit Akkordeon, Balalaika, Saxophon oder Geige boten Stefan Pflaum und Raimund Sesterhenn einen bunten Querschnitt und feuerten mit einem Rap die Kicker vom SC Freiburg an. Für ein furioses Finale sorgten die Gälfiäßler mit ihren originellen Instrumenten.

Sie entlockten Gießkanne und Gartenschlauch die tollsten Töne. Die Schutterwälder verstehen sich auch als Anwälte des badischen Bibiliskäs.

Franz Schüssele begeisterte das Publikum auch als Solist am Alphorn.

 
Nachricht vom 15.03.2010
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