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Wie man Hühner zum Fliegen bringt
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Schwester Hedwig wei? wie die Welt tickt: Arnulf Rating in einer seiner sieben Metamorphosen, mit denen er sein neues Programm ?Stresstest Deutschland? bev?rt. Foto: Philipp

Neuenburg am Rhein (do). Mit Deutschland geht's den Bach runter. Und das kann auch lustig sein, wenn so einer wie Arnulf Rating erklärt, warum. Die Markgräfler Gutedelgesellschaft hatte im notorisch ausverkauften Stadthaus wieder einiges zu lachen, als der Tausendsassa aus dem Rheinland sein Stresstest-Panoptikum auspackte und sich in siebenfacher Verwandlung über die Zustände im Land und dessen Politiker hermachte. Zuerst als Schwester Hedwig vom Stresstest-Mobil, ein rotbezopfter Feldwebel in XL-Schwesterntracht mit Häubchen, die im heiteren rheinischen Plaudermodus von den Piraten am Horn von Afrika bis zu des Papstes roten Schuhen in atemberaubendem Tempo und mit scharf geschliffenem bösem Witz durch die aktuellen Schlagzeilen surft. Die schlagfertige Schwester arbeitet mit Dr. Mabuse im Stresstest-Mobil, das herausfinden soll, wie belastbar die Deutschen sind. Und die halten offenbar einiges aus, wenn man dem grummelnden Doktor zuhört, der mit seiner Dummer-August-Frisur und einem diabolischen ?haha? erklärt, dass der Export von dicken Schlitten und Panzern das Rückgrat des deutschen Wohlstandes ist. Und dann kommt ?die älteste deutsche Rating-Agentur?, Rating persönlich, der sich mit Dr. Mabuse (er spricht mit dessen Brille) über grenzwertige Mitarbeiter, die ?Luschen da oben? und nicht ganz dichte Bankster unterhält. In Nullkommanichts steht auf einmal ein ?Motivationstrainer? auf der Bühne und hüpft auf scheinbar aus Gummi bestehenden Beinen auf und nieder, während er beschreibt, wie man Hühner zum Fliegen bringt, selbst die ?Chicken-Wings von der FDP?. Den Proll macht Stressmobil-Fahrer Kalkowski mit Schiebermütze und mächtigem Wanst, der mal als ?Berchmann? angefangen hat und über Opel Eisenach und Handy-Verkauf jetzt hier gelandet ist, und seine Michaela muss als Aushilfs-Altenpflegerin und an einem Kiosk arbeiten, damit's reicht. Das Quartett vom Stresstest-Mobil wird komplett gefeuert, als ein vom Rebellen zum Jungschnösel gemauserter Freak der ?Initiative Deutschland 21? erkannt hat, dass Bertelsmann als Initiator hinter allem steht und aus Deutschland einen Staat macht, ?an dem wir verdienen?. Er wird vom Fleck weg eingestellt. ?Ich bin in Verhandlungen eingetreten? erklärt er den Seitenwechsel, es gelte die Möglichkeiten von Bertelsmann zu nutzen, auch die einer Steuerhinterziehung mittels Stiftung. Ein Manager im Nadelstreif erklärt, warum er die vier entlassen musste, das sei wie bei Verwaltungsfachleuten, die am Stempel ausgebildet wurden und mit den modernen Medien nicht klarkommen. Dass auch die Bildzeitung eine ständige Steilvorlage fürs Kabarett abgibt, konnte das Publikum im zweiten Teil des Programms erleben, als Rating einen Koffer aufmachte, bündelweise Zeitungen herausholte und die Schlagzeilen kommentierte. ?Aus!? - der bündigste Kommentar zum Rücktritt des Präsidenten. Ab und zu eine Käsewerbung in der oberen Ecke oder ?Die Post sagt danke?. Griechen-Bashing, Kreuzfahrtkatastrophe, Nazi-Morde, Keime im Essen, Guttenberg-Häme, alles im Telegrammstil, der mehr entlarvt als lange Episteln. Dann kommt nochmal Schwester Hedwig, die sich über die Zustände in Altenheimen beklagt, wo kasachische Flegel statt braver Zivis arbeiten und bereits ?Pflegeroboter der Gisela-Klasse? eingesetzt werden, mit verstellbaren Stufen von normal über intensiv bis evangelisch. Das Publikum klatschte euphorisch und erhielt am Ende des über zweistündigen Programms noch zwei veritable Zugaben.

 
Nachricht vom 03.03.2012
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