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Mit nüchternem Blick auf das Leben
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Von Sandra Ziegler Es geht gegen Abend zu. Tim, Marc und Paul sitzen in einer Ecke des Lörracher Rathausplatzes. Sie ziehen an einem Joint. Paul inhaliert tief und sagt: "Wow! Das fährt!", als plötzlich zwei Männer in Uniform vor den Jungen stehen und sagen: "Polizei. Was raucht ihr da"". Der Besitz von Cannabis und Marihuana ist strafbar. "Es gehört zur Pubertät, Dinge auszuprobieren", sagt Sabine Lang, Diplom-Pädagogin und Mitarbeiterin der Villa Schöpflin. "Jugendliche wollen Erfahrungen machen. Manche langweilen sich. Manche suchen den Kick. Andere denken, sie könnten mit Drogen Probleme verdrängen. Sie sind der Meinung, dass Drogen sie lockerer und ungehemmter machen. Hinter jedem Drogenkonsum steht eine Botschaft." Tim, Marc und Paul reagieren auf die Polizisten nur langsam, ihr Geist ist vom Rausch der Drogen benebelt, ihre Sprache schwer. Sie lallen. Wem das Stück Peace auf der Mauer gehört, wollen sie nicht sagen. Ulrich Schneider, Jugendsachbearbeiter beim Polizeirevier Lörrach, muss gegen alle drei Jugendlichen Anzeige wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz erstatten. Dies verändert deren Leben entscheidend. Auch wenn das Verfahren wegen Geringfügigkeit oder Eigenkonsum eingestellt wird, erhält die Führerscheinstelle des Landkreises Meldung von dem Vorfall. "Sie kann ein Drogenscreening zur Bedingung für den Erhalt eines Führerscheines fordern", informiert Ulrich Schneider. Das Bestehen der Medizinisch Psychologischen Untersuchung (MPU) wird für die Drogenkonsumenten zur Grundlage für die Erteilung einer Fahrerlaubnis. "Bewerben sie sich um einen Job", so Schneider, "ist ein Gesundheitszeugnis mit Drogenscreening häufig Basis für die Einstellung. Im Auskunftssystem der Polizei (POLAS) sind die Jugendlichen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz bis zur Löschung der Daten registriert", so Schneider. Sie müssen damit rechnen, von der Polizei immer wieder auf Drogenbesitz geprüft zu werden. Jugendliche lassen sich oft aufgrund von Unwissenheit und Unbedarftheit zu Straftaten verführen. Manche haben Sorgen und schreien stumm um Hilfe. Alkohol- und Drogenkonsum, Diebstahl und Mobbing ereignen sich oft nebeneinander. Wer 14 Jahre alt ist, ist strafmündig. Er muss sich für seine Taten verantworten. Seit dem Jahr 2000 stehen im Rahmen der "AG Kids" allen Lörracher Schulen sogenannte "Schulpaten" zur Seite, Polizeibeamte, die Ansprechperson für Lehrer und Schüler sind. Für die Grund- und weiterführenden Schulen werden seit 2002 regelmäßig Präventionsveranstaltungen durchgeführt. Dabei kommen Themen wie Diebstahl, Gewalt, Mobbing, Drogen, Internet- und Handykriminalität zur Sprache. Durch Information sollen die Kinder und Jugendlichen früh über Straftaten und ihre Folgen aufgeklärt werden. Wenn Ulrich Schneider zu den Schülern einer Klasse sagt: "Ihr entscheidet, ob ihr Drogen nehmt oder nicht", versucht er, junge Menschen schon früh auf ihre Eigenverantwortung hinzuweisen und die Freiheit, ihr Leben gestalten zu können. Für Sabine Lang gehört es zur Aufgabe der elterlichen Erziehung, Kindern die Möglichkeit aufzuzeigen, nein zu sagen. Drogen sind riskant. "Es ist heute erwiesen, dass durch den Konsum von Cannabis und Marihuana bleibende Schäden im sich entwickelnden Hirn entstehen", sagt Dr. Clemens Keutler, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie des St.-Elisabethenkrankenhauses Lörrach. "Fast immer entwickeln so genannte Kiffer anhaltende Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, nicht selten vorübergehende wahnhafte Störungen bis hin zu einer schizophrenen Psychose. Manchmal haben sie so genannte Flashbacks. Bei vielen Marihuana- und Cannabiskonsumenten diagnostizieren wir ein amotivationales Syndrom. Die Jugendlichen vernachlässigen ihre mittel- und langfristigen Lebensziele, die Schule, ihre Sozialkontakte, ihre Hygiene." Dr. Keutler sieht einen Grund für Drogenmissbrauch bei Jugendlichen auch in einem Verlust an Struktur und Orientierung beim Erwachsenwerden. Weitere Informationen: Wer Hilfe sucht, wendet sich an Ulrich Schneider beim Polizeirevier Lörrach,Tel. 07621/94098-536 oder an die Villa Schöpflin, Tel.07621/914 90 90 www.villa-schoepflin.dewww.polizei-beratung.de

 
Nachricht vom 08.03.2012
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