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Irgendwann Meister über das Leben
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Das Geb?e der inder-und Jugendpsychatrie Fotos (2): Sandra Ziegler Dr. Clemens Keutler

Von Sandra Ziegler Sie scheint die Welt mit ihren Augen nicht zu sehen. Der Film, der vor ihrem inneren Auge abläuft, versperrt ihr den Blick. Ruft da jemand" Was spricht er" Lara hat keine Worte für das, was sie erlebt. Was das ist, darüber schweigt sie. Das Buch mit dem Märchen von "Dornröschen", das sie abends vor dem Schlafen an ihren Bauch drückt, kann sie nicht lesen. Nach drei Worten fällt sie in ein Loch. In der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie des St. Elisabethen-Krankenhauses Lörrach will man dem Mädchen helfen. "Wir behandeln hier Kinder mit verschiedenen Problemen. Sie haben Zwangs-, Angst- und Essstörungen, leiden am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, an selbst verletzendem Verhalten, Autismus oder an schizophrenen Psychosen," sagt Dr. Clemens Keutler, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie des St.-Elisabethen-Krankenhauses Lörrach. Das 2006 in der Markus-Pflüger-Straße eröffnete Areal der Kinder- und Jugendpsychiatrie, auf dem die Kinderstation, die Jugendstation, das Therapiegebäude und das Haus Gabriel mit Tagesklinik stehen, soll im Treiben des städtischen Lebens eine Oase bieten. Ob der Wahnsinn in der Welt zunimmt oder krankhafte Störungen kann Dr. Keutler nicht sagen. Fakt ist: Die Psychiatrie verzeichnet eine Zunahme von Menschen, deren Krankheit es ihnen vorübergehend oder gar für immer unmöglich macht, ihr Leben zu gestalten. Für die Aufnahme in die Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es lange Wartelisten. Meist sind die Kinder- und Jugendlichen, deren Eltern sich über ihren Kinder- oder Hausarzt an Keutler wenden, in der Schule auffällig geworden. Sie verhielten sich aggressiv, waren hyperaktiv oder unkonzentriert. Viele konnten dem Unterricht nicht folgen. Manche gingen überhaupt nicht mehr zur Schule. Andere zogen sich immer mehr in sich zurück oder begingen einen Suizidversuch. Viele haben Essstörungen. Die Verweildauer in der Kinder-und Jugendpsychiatrie beträgt durchschnittlich 35 bis 40 Tage. Ziel ist, die Kinder- und Jugendlichen wieder in die Lage zu versetzen, in ihrem Alltag bestehen zu können. Dazu gehört das Erarbeiten von Strukturen, die einen geregelten Tagesablauf ermöglichen und die Bewältigung von Problemen. "Wir fragen uns: Was braucht dieses Kind"", so Dr. Keutler. Durch multimodale Therapie, durch Musik-, Reit- und Arbeitstherapie, durch Sport, Ergo- und Psychotherapie und den Besuch der klinikeigenen Erich-Kästner-Schule, sollen die Kinder und Jugendlichen erkennen, dass sie Herr ihres Lebens sind und eines Tages hoffentlich Meister darüber werden. "Wir erleben heute einen Verlust an Erziehungskompetenzen", sagt Dr. Keutler. "Viele Eltern scheinen nicht hinreichend auf die Erziehung ihrer Kinder vorbereitet und verunsichert. Nicht selten ist die Geburt eines Kindes für die Eltern wie ein Sprung ins kalte Wasser". Eigentlich müsste im Informationszeitalter kein Kind still vor sich hinleiden. Wenn Frühförderung, Kindergarten, Schule, Jugendhilfe, Ärzte- und Kliniken sowie Polizei Hand in Hand arbeiten, könnten Teilleistungsstörungen von Kindern und Verhaltensauffälligkeiten besser erkannt und früher therapiert werden. Die Polizei trifft immer wieder auf psychisch auffällige "Streuner" und Ausreißer, die angeben, aufgrund von familiären Problemen nicht mehr nach Hause zu können, berichtet Andreas Nagy von der Polizeidirektion Lörrach. Auch das Jugendamt und die psychologische Beratungsstelle des Landkreises Lörrach sind Anlaufstellen für Familien und Jugendliche mit Problemen. Deren Leiter Dietmar Fulde meint: "Manche Eltern stellen irgendwann plötzlich fest, dass mit ihren Kindern etwas nicht in Ordnung ist." "Kinder und Jugendliche müssen heute früh erwachsen werden. Dabei fehlt es ihnen oft an Orientierung", sagt Dr. Keutler. Manche Kinder und Jugendliche müssen als Notfall in die Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgenommen werden. Sie zeigen oft wortlos, dass sie dem Lebensdruck nicht mehr standhalten. Bricht man das Schweigen, könnte eine Atmosphäre geschaffen werden, die es Kinder und Jugendlichen erlaubt, Verletzungen zu artikulieren und über erlittene Gewalt oder Verwahrlosung in der Familie zu sprechen. Mit 20 stationären Plätzen und zwölf in der Tagesklinik ist die Kapazität der Kinder- und Jugendpsychiatrie Lörrach ausgelastet. Unter anderem in Waldshut sollen eine weitere Ambulanz und Tagesklinik des Eli errichtet werden. Weitere Informationen: Kontakt:""""""""""""""" St. Elisabethen-Krankenhaus, Abteilung für Kinder- und Jugendpsychatrie,""""""" Markus-Pflüger-Str.""10"-12, Tel. 07621/171-4805

 
Nachricht vom 22.03.2012
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