Kandern-Wollbach (jut). Wie immer war sie am Ende viel zu klein, die Tanzfläche beim 17. Kandertertal-Country vor der Bühne in der Kandertalhalle in Wollbach. Western-Fans aus dem ganzen Südwesten tanzten und sangen was das Zeug hielt - kurz vor 23 Uhr kochte die Stimmung, angeheizt vom Top-Act des Abends, den "Silverados", fast über. Die Fans schwenkten amerikanische Flaggen, klatschten, pfiffen anerkennend zu jedem Titel, gaben lautstark witzige Kommentare zu den trockenen Sprüchen der Bandmitglieder ab. Bereits zuvor hatte die Vorgruppe, "Southern Train" und hier vor allem deren amerikanische Sängerin April Lee Mc Manus, so beeindruckt, dass die Tänzer die Tanzfläche nicht verlassen wollten und Zugaben forderten. "Southern Train" hatte die Aufgabe, die vielen ankommenden Fans, bei denen mindestens der Western-Hut, meist aber auch das übrige Outfit stilecht dem Abend angepasst war, erst mal in Stimmung zu bringen. Klasse war die Instrumentierung mit echten Western-Instrumenten wie Dobro, Mandoline und Harp. Schmuse-Hits wie Bonnie Tylers "It's a heartache" waren bei den Älteren gefragt, fetzige Titel wie "Hello Mr. Heartache", "No, no, never" von Texas Lightning , und "Valery" lockte das jüngere Publikum an die Bühne. Bei dem Zugabe-Evergreen von Janis Joplin, "Me and Bobby McGee", sang gleich die ganze Kandertalhalle mit. Vor der Bühne sorgten die Tänzer der "South West Line Dancers" aus Freiburg für Begeisterung. Spätestens ab 21 Uhr hatten sie so viele Mitmach-Fans gefunden, dass sich in einer Ecke der Halle vor der Bar eine zweite Formation aufbaute, die Haltung und Tanzschritte gekonnt nachahmte. An den Tischen hatten die Fans besonderen Spaß, für die das Kandertal-Country der unverzichtbare Termin im Frühjahr ist: Dazu gehörte Cowboy "Genius" aus Dänemark, natürlich mit Lederfransenjacke und Cowboyhut mit Feder bekleidet, der extra die weite Fahrstrecke aus dem hohen Norden auf sich nahm und am Kandertal-Country-Wochenende bei Freunden in Lörrach übernachtet. Die "Wälderbuben" aus Malsburg-Marzell, Heinz Ernst und Peter Dreher, ganz in edles Cowboy-Schwarz gewandet, mit neuen Boloties (Schnürsenkelkrawatten) um dem Hals, freuten sich, dass sie wieder mal die "Silverados" hören konnten. Und wieder waren sie, obwohl so richtig schick, ohne Damenbegleitung. "Für Frauen hän mir eifach kei Zit", witzelte Heinz. Karl-Ernst Zimmermann vom Schliengener Berg, selbst Country-Fan, wollte "mal hören, wen wir in den kommenden Jahren zu unserem Coun-try-Event einladen können". Die "Silverados" aus Schwaben, Leadgitarrist Chris, Udo an der Rhythmusgitarre, Roman mit Akkordeon und an den Percussions und Keyboarder Harry, holten gleich fröhlich richtig weit aus mit Truckstop-Titeln, Johnny Cash-, Dwight Yoakam- und Hank William-Hits und eigenen deutschsprachigen Songs. Covern können die musikalischen Jungs natürlich auch You-Tube-Neuheiten wie "Is anybody goin to San Antone or Phoenix, Arizona" von den Texas Tornados. Und wenn die Halle stockdunkel wird, auf der Bühne Nebel wallt, Lead-Gitarrist Chris als Skelett in schwarzem Mantel auftritt, und "Ghostriders in the Sky" erklingt, dann kocht die Halle. Für Lachen und Klatschen sorgt dann auch die Luftgitarrennummer mit einem willigen "Opfer" aus dem Publikum, "das immer schon auf der Bühne stehen wollte", so Udo.