Von Beatrice Ehrlich Lörrach. "Boogie Woogie ist die heißeste Musik, die je für das Piano erfunden wurde", sagt Axel Zwingenberger. Beobachtet man ihn bei einem Konzert am Klavier, wird klar, dass er das durchaus wörtlich meint. Der Mann mit dem kuriosen Pilz-Haarschnitt vibriert bis in die " in knallgelben Schuhen steckenden " Zehenspitzen; er wird förmlich eins mit dem Klavier, das unter seinem Spiel drei atemlose Stunden hin- und herschwankt wie ein Schiff auf hoher See, angetrieben von den rollenden Drives des Boogie Woogie. Wie im Rausch und doch wie nebenbei bringt er sein hochvirtuoses und faszinierend schnelles Spiel auf die Bühne des Jazztone. Unterbrochen wird das in seiner guten Laune mitreißende mit unzähligen Trillern und Tremoli gespickte Klavierspiel nur hin und wieder durch kurze Ansagen, in denen Zwingenberger aus seinem Leben und dem seines Bruders Axel plaudert. Die beiden besuchten das traditionsreiche Johanneum in Hamburg " dem sie übrigens auch einen der wenigen langsameren, gefühlvolleren Titel an diesem Abend gewidmet haben: "Long lost love", verfielen aber schon in jungen Jahren dem Jazz " Axel am Klavier, Torsten anfangs am Waschbrett. Eine Leidenschaft, die beide nie mehr losgelassen hat und konsequenterweise auch zum Beruf wurde. Auch Torsten Zwingenbergers Spiel ist sehenswert. Er ist ein gefragter Schlagzeuger für Jazz (fast) aller Stilrichtungen und war unter anderem von 2002 bis 2006 Schlagzeuger und Manager von Lyambiko, der erfolgreichen Band um die Sängerin Sandy Müller, die erst kürzlich im Jazztone gastierte. Jetzt war er wieder einmal mit seinem Bruder auf der Bühne zu sehen. Beide haben gemeinsam schon aufsehenerregende Tourneen absolviert, etwa durch Westafrika und den Nahen Osten. Auffallend ist schon seine Position auf einer Art Barhocker, der auch als Cajón zum Einsatz kommt, so wie überhaupt nur allen erdenklichen Percussioninstrumente wie eine Landschaft um ihn herum aufgebaut sind, darunter allein fünf große Becken, so dass er sie im Sitzen mühelos erreichen kann. Mit seiner eigens entwickelten "Drumming 5 point"-Schlagzeugtechnik bedient er bis zu fünf Fußpedale gleichzeitig, ein eindrucksvoller Showeffekt, der aber bisweilen an eine mechanische Musikmaschine erinnert und zur Begleitung des temperamentvollen, dynamischen Klavierspiels seines Bruders nicht unbedingt notwendig ist. Schließlich führt Axel Zwingenberger mit seinem kraftvollen Boogie-Piano an die Wurzeln dieser Spielart des Blues " auch ohne Effekthascherei und Mätzchen. Dennoch ein beeindruckender Abend im Jazztone, der alle Anwesenden durchweg in Atem hielt.