Maulburg (hp). Einstimmig hat der Gemeinderat am Montagabend beschlossen, im Rahmen der praxisintegrierten Ausbildung (PIA) von Erzieherinnen und Erziehern in den beiden kommunalen Kindergärten für das Kindergartenjahr 2012/2013 drei neue Ausbildungsplätze zu schaffen. Genehmigt hat das Gremium auch die überplanmäßigen Personalausgaben von rund 10000 Euro in diesem Jahr. Bürgermeister Multner sagte im Gemeinderat, dass es Ziel der praxisintegrierten Ausbildung sei, mehr geeignete Personen für den Erzieherberuf zu gewinnen. Allein in Baden-Württemberg würden 7500 Erzieherinnen und Erzieher fehlen. Ein gewisser Anreiz soll auch durch die Einführung einer entsprechenden Ausbildung mit Ausbildungsvergütung erreicht werden. Dadurch, so Multner, soll eine Steigerung der Attraktivität der Ausbildung, eine intensivere Bindung der Schülerinnen und Schüler an die auszubildende Kindertageseinrichtung sowie eine noch stärkere Identifikation der auszubildenden Kindertageseinrichtung mit der Aufgabe, künftige Fachkräfte auszubilden, erreicht werden. Die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in ihrer bisherigen Form und die neue praxisintegrierte Ausbildung stehen gleichzeitig nebeneinander. Die Zulassung zur Ausbildung erfolgt nicht mehr durch die Fachschule für Sozialpädagogik, sondern durch Abschluss eines Ausbildungsvertrages des Kindergartenträgers mit der oder dem Auszubildenden. Die Fachschule, so Multner, prüfe lediglich, ob die Auszubildenden die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen. Anders als in der traditionellen Erzieherinnen- und Erzieherausbildung können die Schülerinnen und Schülerinnen schon in den ersten beiden Schuljahren auf den Fachkräfteschlüssel angerechnet werden. Bürgermeister Multner vertrat im Gemeinderat jedoch die Ansicht, dass dies nicht geschehen soll. "Wir können nicht nur jammern, wir sollten auch etwas gegen den Fachkräftemangel tun", ermunterte Multner den Gemeinderat, der Sitzungsvorlage zuzustimmen. Christian Leszkowski (SPD) begrüßte die Initiative, mit der dem Fachkräftemangel in den Kindergärten und Kindertagesstätten begegnet werden soll. Inwieweit man auch an die Einstellung von Erziehern denke, erkundigte sich Gunter Halter (FW) mit Blick auf den Männermangel in Kindergärten. Rechnungsamtsleiter Dietmar Heitz sagte, dass unter den Bewerbern auch Männer sind. Allerdings sind es deutlich weniger, weil die Bezahlung in dem Beruf nicht so ist, wie sie gerechtfertigt wäre. Christof Schwald (FW) forderte eine offensive Werbung für die Ausbildungsplätze. In diesem Bereich sei es entscheidend, ob die Auszubildenden 16, 17 oder 18 Jahre alt seien. Die Ausbildung mache nur Sinn, wenn eine gewisse persönliche Reife vorhanden sei. Dazu sagte Dietmar Heitz, dass aus dem Bewerberpool von 71 Personen für die PIA (aus denen die Gemeinde drei auswählen kann) auch Quereinsteiger sind: Tagesmütter und Kinderpfleger etwa. Für Christof Schwald (FW) ist für den Erfolg der Ausbildung entscheidend, wen man kriegt. Viele Kindergartenträger seien noch verunsichert. Wer schnell ist, hat die beste Auswahl. Laut Bürgermeister Multner bewerben sich viele Interessenten direkt bei der Einrichtung " und da habe Maulburg im Kreis sicher keinen schlechten Ruf. Horst Leber (BVM) regte an, die Auszubildenden bereits im zweiten Jahr auf den Stellenschlüssel anzurechnen und verglich die angehenden Erzieherinnen und Erzieher mit anderen Auszubildenden, die in ihrer Lehre praktische Tätigkeiten ausüben. Davon riet Bürgermeister Multner ab. Hier gehe es nicht um Werkstücke, sondern um kleine Menschen. Ebenfalls nicht weiterverfolgt wurde Erwin Puls` (FW) Anregung, zwei Lehrstellen jetzt und eine weitere im Kindergartenjahr 2013/2014 zu schaffen. Dietmar Heitz wies darauf hin, dass die Fachschule nur zustande komme, wenn man 16 Auszubildende habe. Gerhard Philipp (CDU) schlug vor, die Ausbildungsplätze im Amtsblatt auszuschreiben, damit man auch Bewerbungen aus Maulburg bekomme. Die gibt es laut Dietmar Heitz bereits, dennoch soll Philipps Anregung aufgekommen werden.