Von Peter Ade Lörrach. "Ich kann Böses nicht ungeschehen machen, aber ich unterscheide zwischen der Tat und der Person und biete mich zum Gespräch an." Werner Häffner sucht und führt es Woche um Woche mit Menschen, die im Gefängnis sitzen und sich vor Gericht verantworten müssen. Der 50-jährige Heidelberger ist seit 1998 evangelischer Pfarrer von Hauingen und ebenso lange Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt an der Bahnhofstraße. Er begleitet Strafgefangene und deren Angehörige und hält Kontakt zum Vollzugspersonal. Häffner und der katholische Pastoralreferent Fidelis Senfle laden zusätzlich zu den wöchentlichen Besuchen die Gefangenen einmal in der Woche zum ökumenischen Gottesdienst in einen kleinen, speziell gestalteten Raum. "Da wird nicht nach Konfession und Glauben gefragt: Alle sind willkommen." Seelsorge im Gefängnis sei keine leichte Aufgabe. Sie verlange weit mehr als religiöse Kompetenz. "Es ist die Gratwanderung zwischen Einfühlungsvermögen ins Innenleben der Gefangenen und dem Wissen, dass das weitere Leben des Inhaftierten schwierig werden wird". Das Eingestehen der eigenen Tat während der Haft ist laut Häffner hilfreich für den Entwicklungsprozess und den Weg der Inhaftierten. Zuhören können und Zeit haben sei für den Pfarrer das Wichtigste. "Nur mit der Bibel unterm Arm auf Gefangene zuzugehen, wäre der falsche Weg", bestätigt Häffner das Wort eines Seelsorger-Kollegen. "In der ersten Zeit zu Beginn der Haft sind das Herausgerissensein aus dem vertrauten Umfeld und den sozialen Beziehungen sowie das bevorstehende Urteil das bestimmende Thema. Gespräche über familiäre Probleme, der drohende Arbeitsplatzverlust, Wohnungssorgen und Zukunftsängste stehen im Vordergrund." Während der Untersuchungshaft sitzen die Inhaftierten in ihrer Zelle wie in einem Wartezimmer und haben viele Stunden am Tag Zeit, über ihr Leben und ihr Vergehen nachzudenken. Sie hoffen auf ein mildes Urteil, damit nicht Jahre ihres eigenständigen Lebens kaputt gehen. Im eigentlichen Strafvollzug - in Lörrach maximal 15 Monate - beginnt meist die Phase, in der die Tat angenommen wird. Die Gefangenen, so Häffner, würden sich ihrer Lage bewusst und entwickelten langsam eine Bereitschaft zur Reue und Offenheit im Gespräch. "Die Arbeit als Gefängnisseelsorger ist niemals Routine. Jedes Einzelschicksal bewegt einen. Besonders die Sorgen der Familien und die Verstörtheit der Kinder von Strafgefangenen gehen unter die Haut." Häffner freut sich, dass er bei seiner Arbeit begleitet wird: Er nennt den guten Kontakt zu den Anstaltsbeamten, zum katholischen, kollegialen Partner und die vielen Unterstützer. Zum Beispiel an Weihnachten der Ökumenische Singkreis, Gemeindemitglieder aus seiner Gemeinde in Hauingen und Menschen, die Geld geben, so dass man den Häftlingen auch mal eine Süßigkeit, Briefmarken, ein Buch, eine Zeitschrift oder anderes bringen kann. Das Fazit des Theologen: "Die Gefängnisseelsorge ist ein lohnender Dienst am Nächsten in der Nachfolge Jesu."