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Umherspazieren und im Sand baden
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Gl?endes Federkleid, gesunde Neugier: 1400 H?r haben im Haltinger Bioland-Hof Sprich zwei Hektar Auslauf. Judith Sprich mit kleinen, ?rlich gef?ten Eiern von Junghennen. Fotos: Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp Weil am Rhein-Haltingen. Ob die 1400 Hühner des Bioland-Hofs Sprich in Haltingen glücklich sind, sagen sie nicht. A ber sie sehen auf jeden Fall so aus, wenn sie neugierig an den Zaun um ihren großen Auslauf kommen, um zu sehen, wer da die Kamera gezückt hat. Während es die meisten ihrer Kolleginnen beim Regenwetter eher unterm Vordach vor ihrem Stall hält, sind doch etliche ausgeschwärmt, um auf der Wiese Gräser zu picken oder an den Wasserpfützen einen Schnabel voll Regenwasser zu tanken. In drei Altersgruppen aufgeteilt können die Hühner auf zwei Hektar Land umherspazieren, unter ausladenden Weidenbüschen im Sand baden, Würmer picken, scharren, eben all das, was ein Huhn außer Eierlegen noch so tut. Für ihr soziales Wohlbefinden sorgt außerdem ein halbes Dutzend stattlicher Hähne. Das dichte glänzende Federkleid und die naturbelassenen Schnäbel zeigen, dass das Federvieh hier gesund lebt. Das Kupieren der Schnäbel mit einem heißen Messer, eine für die Küken schmerzhafte Prozedur, soll in konventionell betriebenen Großställen verhindern, dass sich die Hennen später durch Picken gegenseitig verletzten, eine Verhaltensweise, die nachweislich auf sozialen Stress zurückzuführen ist. In Bioland-Betrieben ist das verboten. 18 bis 20 Wochen alt sind die Junghennen, wenn sie aus einem Biozuchtbetrieb in den Stall der Sprichs umziehen. Dann dürfen sie sich zwei bis drei Wochen eingewöhnen, bevor sie anfangen Eier zu legen. Die sind zunächst klein, aber genauso fein wie die großen, sagt Bio-Landwirtin Judith Sprich. Jetzt zu Ostern hat sie auch einige davon gekocht, mit Zwiebelschalen dunkelbraun gefärbt und mit Ornamenten aus Blättern verziert, die wie Schablonen beim Färben die entsprechenden Stellen hell lassen. Ein Kleeblatt, ein gezackter Löwenzahn oder zarte Gräser - die kleinen Kunstwerke sind fast zu schade zum Essen. Nach 30 Wochen ist ein Huhn dann erwachsen und legt Eier der Größen M und L, die Judith Sprich auf den Wochenmärkten, über Biomärkte oder auch über ihren eigenen Hofladen verkauft, in Spitzenzeiten bis zu 1000 Stück am Tag. Etwa zweieinhalb Jahre alt wird eine Legehenne. Das Futter für ihre Hühner produzieren die Sprichs auf den eigenen Äckern nach den Richtlinien des Biolandbaus. Für einen lebhaften Absatz sorgt eine treue Stammkundschaft, die auch gerne den hauseigenen Eierlikör, die Nudeln oder auch mal ein Suppenhuhn mitnimmt. Obwohl die Nachfrage immer größer wird, haben die Sprichs nicht vor, den Hühnerhof zu vergrößern. "Das passt irgendwie nicht in unser Konzept", sagt Judith Sprich, die das Hofgut zusammen mit ihrem Mann Hans-Jörg nun schon in der dritten Generation bewirtschaftet und in Spitzenzeiten die Hilfe von Saisonkräften hinzuzieht. Manchmal versorgen auch ihre Eltern das Federvieh. 1990 wurde damit begonnen, die Produktion in Richtung "Bio" umzustellen, mit der Freilandhaltung der Hühner begann man 1996. Zum Hof der Sprichs gehören neben Äckern und Obstanlagen auch Ecovin-Reben. Die Ernte wird in der Haltinger Winzergenossenschaft separat von den konventionell erzeugten Trauben gekeltert und in eigene Flaschen mit dem entsprechenden Etikett abgefüllt.

 
Nachricht vom 07.04.2012
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