Von Sandra Ziegler Rechtsextreme rekrutieren ihren Nachwuchs zunehmend im Internet. Wer die Seiten von jugendschutz.net im "Weltnetz", wie Rechtsradikale das Internet nennen, besucht, wird vor Hasspredigern gewarnt. Rechtsextreme machen Stimmung in Chats, Blogs, auf Facebook und Twitter. In der Szene nennt man diese Art der politischen Agitation zynisch "Verbreitungsholocaust". Jugendschutz.net konstatiert: "Die Fähigkeit zur kritischen Nutzung des Internets wird für Kinder und Jugendliche immer mehr zur Kernkompetenz." "Wir wollen junge Menschen für die Gefahren im Netz sensibel machen", sagt Andreas Nagy, Lörracher Polizei-Pressesprecher. Die Mitarbeiter der Abteilung Prävention der Polizeidirektion Lörrach schulen Schüler, Lehrer und Eltern in ihrer Medienkompetenz. "Man muss erst einmal erfahren, welche Gefahren es im Internet gibt", sagt Nagy. "Politische Extremisten nutzen das Internet zur Propaganda und zur einseitigen Information". Im "International Network Against Cyber Hate" von jugendschutz.net und der Magenta-Stitftung, haben sich Organisationen aus 19 Ländern zum Kampf gegen Hass im Netz zusammengeschlossen. Dietmar Fulde, Leiter der psychologischen Beratungsstelle des Landkreises Lörrach weiß: "Im Internet gibt es keine Informationskontrolle. Kinder- und Jugendliche sind neugierig. Sie wollen sich Dinge, vor allem wenn sie tabuisiert werden, anschauen. So kann die Gewaltverherrlichung im Nationalsozialismus bei jungen Menschen Anklang finden und Gewaltphantasien befördern. Ein Mensch, der hasst, fühlt sich erstaunlicherweise dadurch oft stark. Jugendliche, die hassen, fühlen sich nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert". Allein 2010 hat jugendschutz.net über 6000 Beiträge mit rechtsextremem Inhalt gelistet. Die Jugendschutzorganisation fand im Netz 1.708 rechtsextreme Websites, 383 davon verknüpft mit der Ideologie von so genannten "Kameradschaften" und den "Autonomen Nationalisten". Im Hinblick auf die Kameradschaften bedeutete dies gegenüber 2009 eine Zunahme von 20 Prozent. Die Organisation stieß auf 58 Mobilisierungssites, die Gedenktage wie den Weltfriedenstag, den "Tag der deutschen Zukunft" oder Gedenkveranstaltungen für den Reichsminister Rudolf Heß dafür nutzen, User durch Propagierung ihrer Themen " das Schüren von Angst vor der Globalisierung, vor Arbeitslosigkeit und von Fremdenhass " für ihre Ziele " Fortführung der NS-Herrschaft, Wiederherstellung der Grenzen Deutschlands von 1937 und Vollbeschäftigung " zu begeistern. 2010 registrierte jugendschutz.net 3500 Videos mit rechtsextremen Inhalt und 600 verbotene Filme. Im Netz gelöscht wurden etliche Propaganda-Videos wie beispielsweise die der "Jungen Nationaldemokraten Lörrach", einer NPD-nahen rechtsextremen Jugendorganisation. Immer wieder werden wegen des Bereitstellens solcher Videos und Filme Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet, informiert Nicolas von zur Mühlen vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg. Er warnt: "Wer in Deutschland volksverhetzende Videos ins Internet lädt und dadurch verbreitet, macht sich strafbar." Weitere Informationen: www.jugendschutz.net ww.hass-im-netz.dewww.polizei-beratung.de