Lörrach. Lörrachs Innenstadt boomt. Hinter den Kulissen wird über neue Flächen für den Handel auf dem Postareal diskutiert. Wie bewertet der Vorsitzende von Pro Lörrach die Perspektiven der Einkaufsstadt" Bernhard Konrad sprach mit Horst Krämer. Herr Krämer, gerade hat der südbadische Einzelhandel überdurchschnittlich gute Zuwächse im Jahr 2011 bekannt gegeben. Wie lief das erste Quartal 2012 in Lörrach" Die ersten drei Monate waren besser als das erste Quartal 2011. Diese Entwicklung hängt sicher mit dem warmen, sehr guten März zusammen. Er hat der Modebranche einen enormen Schub gegeben. Allerdings dürfte der April schwächer ausfallen. Die Schließung des Fachgeschäfts Bollweg am jetzigen Standort in der Basler Straße zeigt, dass kleinere, inhabergeführte Geschäfte mitunter Schwierigkeiten haben, die Mieten zu zahlen. Ist das eine Gefahr für die Innenstadtentwicklung" Mir tut es sehr leid, dass Bollweg geht. Aber die Miete war vielleicht nicht entscheidend. Ein Fachgeschäft wie Bollweg hat natürlich in unmittelbarer Nähe große Wettbewerber, etwa Karstadt und Müller-Markt mit ihrem umfangreichen Angebot im Küchen- und Porzellan-Segment. Die großen Häuser bieten mittlerweile bei vielen Warengruppen hochwertige Qualität an. Wie können sich die Kleinen unter diesen Voraussetzungen am Markt behaupten" Nur durch bessere Serviceleistungen und eine optimale Sortimentsgestaltung. Gerade für die so genannten Kleinen ist es wichtig, ganz nah am Markt und seinen Trends zu sein. Und: Sie müssen versuchen, auch Nischen im Sortiment zu besetzen. Lörrach wirbt mit Vielfalt. Etliche Stimmen sagen unterdessen, dass die Stadt allmählich sehr textil-lastig wird. Das ist auch mein Eindruck. Aber letztlich entscheiden die Vermieter, welchen Interessenten sie nehmen. Offenbar hat die Stadt dieses Potenzial für Textilgeschäfte, obgleich die Konkurrenz sehr groß ist. Wie wird sich die Situation erst entwickeln, wenn das Postareal gebaut ist" Das wird die Vielfalt des Textil-Sortiments nochmals vergrößern - und damit die Konkurrenz. Es wird nicht einfacher. Wir müssen noch mehr Kunden von außerhalb akquirieren. Sie selbst scheinen hin- und hergerissen zwischen Ihrer Offenheit für das freie Spiel der Kräfte auf dem Markt und der Sorge, dass das alles allmählich doch zu viel für Lörrach wird. Auch deshalb, weil der Schweizer Franken nicht ewig so stark bleiben wird. Ein schwächelnder Franken mindert die Attraktivität des Lörracher Handels für Schweizer Kunden. So ist es. Ich bin tatsächlich hin- und hergerissen. Wir müssen in unsere Überlegungen Entwicklungen wie die Schwäche des Franken mit einbeziehen. Ich sage immer wieder, dass wir zwar im Moment sicherlich von dem Kursgefälle enorm profitieren. Andererseits kann sich gerade dies sehr schnell in die andere Richtung bewegen: Dann hätten wir eine Vielzahl von Geschäften und womöglich weniger Kunden. Unsere deutschen Stammkunden haben auch dazu beigetragen, dass sich die Einkaufsstadt Lörrach so gut entwickelt hat. Wir müssen auch die Lörracher, die Markgräfler und die Kunden vom Hochrhein pflegen. Welche Serviceleistungen könnte der Handel noch entwickeln" Es war schon von Kinderbetreuung an Samstagen die Rede. Bei der Weihnachtsbeleuchtung sagt der Handel ja: Das muss es uns wert sein. Auch eine Kinderbetreuung an Samstagen wäre etlichen Händlern etwas wert, aber das muss man organisieren: Es fehlen uns Räumlichkeiten und Sponsoren, wir bräuchten für diese Angebote noch mehr Mitglieder bei Pro Lörrach. Bei einer solchen Betreuung entstünden Personalkosten.Es investieren immer die Gleichen. Einige der "Großen" bleiben außen vor. New Yorker beispielsweise, ist nicht bereit, auch nur einen Euro für unsere Feste beizusteuern, bei denen wir Gäste in unsere Stadt holen, von denen alle profitieren. Das ist doch unbegreiflich! Wie sehen Sie das Thema Sauberkeit in der Innenstadt" Der Werkhof macht viel, aber es geht mir auf den Geist, dass die Mülltonnen nach der Leerung mitunter bis zu 36 Stunden auf der Straße stehen. Auch hier sind vor allem einzelne größere Unternehmen und Gastronomen angesprochen. Das ist eine Verschandelung der Stadt. Man merkt Ihnen an, dass Sie sich immer noch mit Herzblut für die Belange des Handels engagieren. Dennoch wollen Sie den Job nur noch ein Jahr lang machen. Seit geraumer Zeit suchen Sie einen Nachfolger. Wie sieht's aus" Ich suche permanent, bekomme aber nur Absagen. Denjenigen, die aus meiner Sicht in Frage kommen, fehlt offenbar die Zeit. Sie sind mitunter schon in ihren Branchenverbänden tätig. Die Arbeitsintensität des Pro Lörrach-Vorsitzes hat natürlich zugenommen, andererseits nimmt Susanne Spingler dem Vorstand viel Arbeit ab. Seit einigen Jahren werden Sie bei der Organisation des Frühlingsfestes auch von Werner Büche unterstützt. Er hat dem verkaufsoffenen Sonntag in Lörrach mit dem Engagement exzellenter Jazz-Bands ein ganz eigenes Profil gegeben. Werner Büche hat sicher dazu beigetragen, dass der Tag fast schon zum Selbstläufer geworden ist. Das Frühlingsfest ist ein Markenzeichen geworden. (lacht) Wir haben das Frühlingsfest übrigens so terminiert, dass wir mit Sonnenschein feiern können. Wir würden uns jedenfalls freuen.