Von Ulf Körbs Rheinfelden. Eine Epoche neigt sich ihrem Ende zu: 24 Jahre lang war Eberhard Niethammer Rheinfeldens Oberbürgermeister. Am Samstag kommender Woche wird er während des Brückenfests offiziell verabschiedet. Im Gespräch mit unserer Zeitung ließ er dieses knappe Vierteljahrhundert Revue passieren. "Der Höhepunkt war sicherlich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, insbesondere die mit Stadtammann Franco Mazzi aus Schweizer Rheinfelden und dem Kanton Aargau", ist sich Niethammer sicher. Auch wenn man nicht immer einer Meinung war, was auch den unterschiedlichen Kulturen und Interessenlagen geschuldet sei. Aber bei ihren "Kaffee-Gesprächen" hätten sie schon ein gerüttelt Maß an Weichen stellen können. Diese eher informelle Runde würde er auch seinem Nachfolger Klaus Eberhardt wärmstens ans Herz legen, der eher nach Basel und Frankreich ausgerichtet sei. Auch die Entwicklung des kulturellen Lebens sieht der Scheidende, der in Rheinfelden wohnhaft bleiben wird, positiv dank des Salmegg-Vereins, der Musikschule, der Volkshochschule und der Stadtbibliothek. Auch die Arbeit des Kulturamtsleiters Claudius Beck, der oftmals in der Kritik stand, erwähnt Niethammer, der zum Abschied die Ehrenbürger-Würde erhalten wird, lobend. Doch wo Licht, da ist auch Schatten: Schwierigkeiten wie die Dioxin-Problematik. Das "war riesig belastend", trotz der "glänzenden Partner". Die Krise der heimischen Industrie " Stichwort Alu " konnte gemeistert werden. "Wobei wir damals ja das Gewerbegebiet Grendelmatt, zum Teil auch Schildgasse geschaffen haben, um Ersatzarbeitsplätze ansiedeln zu können", erinnert sich Niethammer. An den Versuch, dem Image Rheinfeldens als "Dioxin-Stadt" mit einer Landesgartenschau im Jahr 1995 entgegenzutreten, wird Niethammer nicht so gerne erinnert. Schließlich hat er damals im Gemeinderat eine Niederlage einstecken müssen. Was sich dann wenige Jahre später mit der kleinen Gartenschau "Grün 07" beinahe wiederholt hätte. Auch diese Entscheidung hing an einem seidenen Faden. Ebenfalls eine schmerzliche Niederlage war das knappe Nein des Gemeinderates zum neuen Rheinsteg. Auf die Zukunft der Stadt angesprochen, ist der zum Ende des Monats aus dem Amt Scheidende aber hoffnungsfroh: "Rheinfelden wird wieder wachsen". Diese Überzeugung gründet sich auf die Einführung der S-Bahn auf der Hochrheinstrecke und auf die Anstrengungen in dem Gebiet der Kleinkinderbetreuung: "Hier werden wir die vorgeschriebenen 34 Prozent sicherlich schaffen", ist Niethammer überzeugt. Auch Dank einer für die Stadt ungewöhnlichen Situation: "Finanziell stehen wir so gut da wie nie". Am Ende des Gesprächs stellt sich der Eindruck ein, dass Niethammer das knappe Vierteljahrhundert als Oberbürgermeister alles in allem nicht bereut hat, auch weil er feststellt: "In der Kommunalpolitik kann man noch Akzente setzen, das ist der große Vorteil". Was er zweifelsohne getan hat.