Lörrach (don). Die 21. Begegnung der beiden katholischen Pfarreien St. Peter und St. Marien in der Lörracher Partnerstadt Meerane stand ganz im Zeichen des Glaubens und der Freude, aber auch des Erinnerns an die menschlich schweren Zeiten in der einstigen DDR. Bei dem mehrtägigen Treffen überraschten die sächsischen Gastgeber ihre Besucher mit einem abwechslungsreichen Programm. Pfarrer Clemens Baumert äußerte sich erfreut darüber, dass die 1991 aufgenommenen partnerschaftlichen Kontakte der Pfarreien nahtlos fortgesetzt werden konnten. Der Besuch im thüringischen Jena vermittelte einen Einblick in die wechselvolle Geschichte und die imposante wirtschaftliche Entwicklung der Universitätsstadt, die nach der friedlichen Revolution 1989 durch den ehemaligen Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Lothar Späth, als Sanierer der optischen Werke mächtigen Auftrieb erhielt. Heute zählt diese Stadt zu den wenigen Zentren im Osten mit beachtlichem Zuzug und steigendem Bevölkerungszuwachs. Eine ganz andere Sicht auf die Geschichte der ehemaligen DDR erhielten die Lörracher beim Besuch des berüchtigten Frauengefängnisses Hoheneck. Die dort aus "politischen Gründen" inhaftierten Frauen sahen sich staatlicher Willkür und brutalen Repressalien ausgesetzt. "Beim Rundgang zwischen den Gefängnismauern und den Schilderungen der menschenunwürdigen Vorfälle lief uns ein kaltes Schaudern über den Rücken", drückte die Senioren-Betreuerin von St. Peter, Alexandra Siebert, ihre Betroffenheit aus. Ganz anders die Stimmung beim Gottesdienst in der evangelisch-lutherischen Friedenskirche zu Ponitz mit Pfarrer Clemens Baumert, als die von Gottfried Silbermann erbaute Orgel erklang und Organist Bernhard Kratzmann zum Abschluss alle Register zog. Bei Rundgängen in Meerane staunten die Lörracher über die städtebaulichen Veränderungen in ihrer Partnerstadt. Sowohl die nach dem Abbruch des alten Bahnhofs großzügig gestaltete Bahnhofsanlage als auch die neuen Grünanlagen und die Sanierung von alten Industriebrachen setzen positive Akzente im Stadtbild. Veränderungen markieren aber auch das Pfarreileben in beiden Gemeinden, wie der Meeraner Pfarrgemeinderatsvorsitzende Bernhard Kratzmann und der Lörracher Pfarrgemeinderat Helmut Langer zum Abschluss des Freundschaftstreffens schilderten. "Wir haben in Meerane mit unseren 300 Katholiken immerhin noch einen Pfarrer, während ihr in St. Peter mit mehr als 2600 Katholiken nach dem Weggang von Franz Kreutler ohne eigenen Pfarrer auskommen müsst", sagte Kratzmann. Das sei ihm bei den Vorbereitungen des Treffens bewusst geworden. "Uns fehlte diesmal ein direkter Ansprechpartner in Lörrach." Helmut Langer informierte über die anstehenden Umorganisationen in der Seelsorgeeinheit, sprach die anstehende Außenrenovierung der Peterskirche an und ging auf die Verantwortung der Laien in der Kirche ein. "Wir sind guten Mutes, dass der "neue Aufbruch in der Kirche ", wie er beim Katholikentag in Mannheim vor wenigen Tagen skizziert wurde, kommen wird und St. Peter das alles übersteht." Langer dankte abschließend den Gastgebern für die herzliche Aufnahme.