Von Marco Fava Was macht man in Hollywood, wenn die innovative Story für einen neuen Film fehlt" Kein Problem. Man greift zur Fortsetzung (Sequel), zur Geschichte vor der Geschichte (Prequel) oder zur Neuverfilmung (Remake). Wenn all dies nicht taugt, kann es auch mal eine Neuauflage einer klassischen Geschichte sein. Und was ist schon klassischer als das gute alte Märchen" Für "Snow White and the Huntsman" bedient sich Regisseur Rupert Sanders schamlos bei den Gebrüdern Grimm und verleiht der altbekannten Mär einen ordentlichen Schuss Action mit einer Prise Plot Twists. Geht die Rechnung auf" Zuerst zur Story, die Abweichungen vom Original aufweist. In einem Königreich, das irgendwo zwischen gutem alten Märchenland und Fantasy-Reich angesiedelt ist, herrscht der gütige König Magnus, der eine schöne Tochter namens Schneewittchen " sorry, Snow White " hat. Eines Tages wird das Königreich von Glaskriegern angegriffen. Doch diese werden besiegt und der König heiratet deren Gefangene, die schöne, aber eher etwas unterkühlte Ravenna (Charlize Theron). Sehr kurz nach der Hochzeit entledigt sich die neue Königin ihres Gatten und breitet gleich ihre Schreckensherrschaft über das Märchenland aus. Um sich ewig jung zu erhalten, beraubt Ravenna junge Mädchen ihrer Jugend. Währenddessen lebt Snow White, des Königs Tochter, immer noch. Doch auch ihr soll es an den Kragen gehen, denn der Zauberspiegel verrät Ravenna, dass Snow White sie eines Tages an Schönheit übertreffen wird. So schmiedet die Königin den fiesen Plan, Snow White, durch einen wackeren und kampfeslustigen Jägersmann (Chris Hemsworth) töten zu lassen. Doch erstens sind wir im Märchen und zweitens kommt es ja anders, als die böse Königin denkt. "Snow White and the Huntsman" ist an ein dem Kindesalter entwachsenes Publikum gerichtet und hat mit Verfilmungen wie der Disney-Zeichentrick-Version nur die Grundzüge des Märchens gemein. Einerseits fügt Regisseur Sanders neue Charaktere ein, andererseits adaptiert er die Story immer wieder. Es wird sogar der Versuch gemacht, der bösen Königin Profil zu verleihen. Auch die Figur des Schneewittchens ist durchaus nicht so "rein", wie es uns das Märchen glauben machen. Zudem ist der Jäger, der quasi als "Hitman" der Märchenwelt Snow White aus dem Wege räumen soll, immer weniger vom Sinn seines Auftrags überzeugt. In erster Linie ist "Snow White and the Huntsman" ein actiongeladener Fantasy-Streifen, bei dem sich die Spezialeffekt-Spezis mal wieder richtig ausleben konnten. In diesem Bereich punktet der Film . Dekor und Kampfeinlagen stimmen, selten kommt Langeweile . Auch die Darsteller überzeugen, allen voran Charlize Theron in der Rolle der von der Lust nach ewiger Jugend und Schönheit getriebenen Ravenna. Auch Chris Hemsworth, der seit seiner Rolle als "Thor" und in "The Avengers" offenbar auf Auftritte als rustikaler Krieger abonniert ist, macht seine Sache richtig. "Snow White and the Huntsman" ist keine Evolution des Fantasy-Films. Die Idee, Märchenfilme für Erwachsene zu produzieren, kennen wir seit Jahren, beispielsweise aus John Boormans in dieser Hinsicht konsequenterem "The Company of Wolves" nach Angela Carter. Dennoch ist "Snow White and the Huntsman" ein gelungener und spannender Fantasy-Streifen, der so manche überraschende Wendung zu bieten hat.