Auggen Wetterextreme und sinkende Preise

Weiler Zeitung, 07.02.2017 23:31 Uhr

Von Dorothee Philipp

Die gereimten „Bauernregeln“ von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks schmecken den Bauern gar nicht: Auch bei der gestrigen Bezirksversammlung des BLHV Müllheim in Auggen war die aktuelle Kampagne des Bundesumweltministeriums mit launigen Drei- und Vierzeilern zu Themen wie Gülle, Monokulturen, Artenschutz oder Pestizide das erste Thema, das Kreisverbandsvorsitzender Michael Fröhlin ansprach.

Markgräflerland. Obwohl die Verbraucher laut Umfragen noch gutes Vertrauen in die heimische Landwirtschaft hätten, diffamiere die Umweltministerin die Bauern mit Feststellungen „ohne landwirtschaftlichen Sachverstand“. Hier werde Wahlkampf auf dem Rücken der Landwirte gemacht, kritisierte Fröhlin und forderte die Einstellung der Kampagne.

Rückenwind bekam er von zwei Vertretern der Politik: CDU-Bundestagsabgeordneter Armin Schuster versprach, sich vehement für eine andere Linie einzusetzen. Was Hendricks hier mache, zeige eine tiefe Grundeinstellung, „mit der wir seit Jahren kämpfen“. Ihm fehlt bei der SPD die Nähe zum „bäuerlichen Naturschutz“. Auch FDP-Bundestagskandidat Christoph Hoffmann, Bürgermeister von Bad Bellingen, vermisst den „gesunden Menschenverstand“ bei der Vielzahl von Regeln und bürokratischen Bestimmungen, die den Bauern die Luft zum Atmen nähmen. Er konstatierte, dass derzeit die Landwirte zwischen Naturschutzauflagen und dem Flächenbedarf der Kommunen für Siedlungszwecke zerrieben würden.

In seinem Rückblick auf 2016 sprach Fröhlin eine Fülle von Themen an, die die Landwirte in ihrem Berufsalltag beschäftigen. Das Jahr 2016 brachte durch seine Wetterextreme mit einem regenreichen Frühjahr und einem sehr trockenen Sommer den Landwirten viele Probleme. Zudem seien die Preise für Produkte aus Tierhaltung und Ackerbau bis zum Jahresende kontinuierlich gefallen. Erst nach dem Jahreswechsel sei eine leichte Besserung zu beobachten, die hoffentlich anhalten werde, berichtete Fröhlin.

Dreh- und Angelpunkt für die Akzeptanz umwelt- und tierschonender Produktionsmethoden sind die Verbraucher. Sie will der BLHV im Sommer mit einem „Tag des Grillens“ in der Freiburger Innenstadt auf die Preisgestaltung landwirtschaftlicher Produkte hinweisen. Kaum jemand wisse, dass beim Preis für einen Viertelliter Milch gerade sieben Cent beim Landwirt ankommen. Und bei einem Kilogramm Mischbrot seien es 18 Cent.

Ein Thema des Deutschen Bauerntags in Hannover seien auch die anhaltenden Sanktionen gegen Russland gewesen, die den deutschen Landwirten das marktpolitische Wasser abgraben, berichtete Fröhlin weiter. Sie betreffen vor allem den Markt für Obst, Schweinefleisch und Milch.

Eine interessante Marktnische eröffnet laut Fröhlin der Handel mit China. Dort sind Produkte gefragt, die hier kaum Absatz finden wie Schweinefüße, Schweinerüssel oder Milchpulver. Auch das Landesjagdgesetz muss nach Ansicht des BLHV nachgebessert werden. „Wir wollen keine Willkommenskultur für Luchs und Wolf“, stellte Fröhlin klar.

Erfreulich sei, dass der Verbrauch von Antibiotika in der Tierhaltung zurückgefahren wird. Allein 2016 habe der Rückgang etwa 20 Prozent betragen. Aber auch Nutztiere hätten ein Recht auf ärztliche Behandlung, wenn sie erkranken, betonte Fröhlin. Dass die Landwirte mit ihren Tieren verantwortungsvoll umgehen, zeige die neue Kampagne des Deutschen Bauernverbands „Tierschutz, meine Haltung“. Die Landwirte sollen mit dem roten Sechseck, das zu der Kampagne dazugehört, an ihren Stalltüren ruhig Flagge zeigen, ermunterte Fröhlin seine Kollegen. Der BLHV unterstütze sowohl die konventionelle als auch die ökologische Tierhaltung.

Ein wichtiges Anliegen der Landwirte ist nach Fröhlin die regionale Vermarktung, auch hier ganz klar ein Thema, bei dem die Verbraucher eine wichtige Rolle spielen. Es könne nicht sein, dass alle mehr Tierschutz fordern, aber niemand für die Produkte mehr bezahlen will. Noch vor der Bundestagswahl will er mit den Kandidaten aller Parteien diesbezüglich ins Gespräch kommen.

Die Landwirte wollen auch selbst mehr mit der Öffentlichkeit kommunizieren: Dass sie ihre Arbeit nicht völlig unbemerkt tun können, sondern auf Maschinen angewiesen sind, die auch mal Lärm machen und auf Traktoren, die ab und zu die öffentlichen Straßen verschmutzen, soll in nächster Zeit in den örtlichen Mitteilungsblättern angesprochen und um Verständnis geworben werden.

 
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