Von Jutta Schütz

Dieser Schlagerstar, der eigentlich ausgebildeter Opernsänger ist, singt live und ist mit 78 Jahren immer noch bestens bei Stimme. Tony Marshall ist immer noch ein Garant für gute Laune und überdies ein charmanter Plauderer. 430 Schlager- und Volksmusikfans im ausverkauften Kurhaus waren in kürzester Zeit in Party-Stimmung.

Bad Bellingen. Untrennbar verbunden ist der gebürtige Baden-Badener mit dem Hit „Schöne Maid“, der sich drei Millionen Mal verkaufte und der natürlich auch beim Konzert in Bad Bellingen zu Gehör kam. Dazu traten „Die Ladiner“ auf, die großen Volksmusikstars aus Südtirol.

Tony Marshall liebt seine Fans, nichts verdirbt ihm die gute Laune, selbst gebrochene Rippen halten ihn nicht von einem Auftritt ab. Marshall ist auf Abschiedstournee. Wobei das relativ ist, denn er hat gerade erst damit angefangen: „Bis 80 will ich singen und komme gleich im Februar 2017 noch mal nach Bad Bellingen. Dann mit Lena Valaitis und Chris Roberts, die Tickets könnt ihr ab sofort kaufen“, ruft er und erntet Beifallsstürme.

„Die Hände zum Himmel“, „Bora, Bora“ und „Ich wünsch mir eine Autobahn“ gibt es zum Einstieg . Es wird geschunkelt und mitgesungen was das Zeug hält. „Muuchener Wi“ steht auf einem Tisch parat und der Star stößt symbolisch mit den Menschen im Saal an. Daneben erzählt er, dass er vor drei Wochen ausgerutscht ist und sich dabei die Rippen gebrochen hat. „Aber ich habe in meiner ganzen Karriere kein einziges Konzert abgesagt“, sagt Marshall. Riesenapplaus.

Den gibt es nochmal, als Marshall aus seinem Familienleben erzählt: von seiner Frau, die er schon im Kindergarten kennenlernte und mit der er seit 1962 verheiratet ist – auch das eine Seltenheit im Showgeschäft. Von seinen beiden ebenfalls musikalischen Söhnen Pascal und Alexander, von seiner Tochter Stella, mit der er die Tony- Marshall-Stiftung für Menschen mit Behinderung leitet, die ihm sehr am Herzen liegt. Von seinen Enkelkindern und dem ersten Urenkelkind. Keine Frage, Marshalll versteht es, die Gemeinsamkeiten der Lebensläufe mit seinem Publikum herauszuheben.

Glückliche Gesichter rundum. Alle fühlen sich zurückversetzt in die 60er und 70er Jahre – die große Zeit des deutschen Schlagers. Aber der ausgebildete Opernsänger, der schon den „Tevje“ in „Anatevka“, den „Papageno“ in Mozarts Zauberflöte oder „Alfred Doolittle“ in „My Fair Lady“ sang, kann stimmlich noch viel mehr, wie sich im zweiten Konzertteil erweist.

Vorab übergibt Marshall den Stab an große Stars aus der Volksmusikszene, „Die Ladiner“ mit Joakin Stuffer und Otto Demetz aus Gröden/Südtirol, die 2014 den Grand Prix der Volksmusik für sich entschieden. Zu Klängen von „Sternwind“, dem „Luis-Trenker-Lied“ , „Es war am Lago di Garda“, bei einem Vico-Torriani-Medley mit Evergreens wie „Die Caprifischer“ oder „La Pastorella“ entführen die beiden Musiker das Publikum mit einer tollen Bilderpräsentation in ihre Heimat.

In der Pause begrüßen viele Fans Tony Marshall persönlich und lassen sich Autogramme geben. Marshall begrüßt seinerseits ganz viele mit Namen. „Der Tony ist super, überhaupt nicht abgehoben, der kam und kommt auch zu einem Geburtstag zum Singen“, erzählt eine Frau. „Jeden Tag wie seinen letzten leben, Freude haben und Freude machen“, ist sein Motto. Warum will er dann „nur“ bis 80 singen, Johannes Heesters hat es doch auch länger gemacht? „Um Gottes willen, ich will doch nicht mit über 100 noch am Bechstein-Flügel festgezurrt werden“, sagt er schmunzelnd gegenüber der Oberbadischen. Dann wird er ernst: „Der direkte Kontakt mit den Menschen war und ist mir ganz wichtig – ich habe da Kollegen in der Schlagerszene, die hoben in den siebziger Jahren komplett ab.“

Und dann gibt es nochmal Stimmung pur: Ein Rheinlied jagt das nächste. Im Saal ist Fasnacht, Karneval, Winzerfeststimmung – alles gleichzeitig. Sohn Pascal Marshall tritt auf und interpretiert den Tango „Ich tanze mit dir in den Morgen“ und den 50er Jahre-Hit „Ich hab mich so an dich gewöhnt“. Zum Schluss stehen zwei Marshalls, Vater und Sohn, auf der Bühne mit dem Titel „Zwei gute Freunde“.