Basel Auch Strom prägt den Stadtteil

Die Oberbadische, 10.09.2017 23:00 Uhr

Strom. Es ist wohl eines der wichtigsten Güter in unserem Alltag. Ohne den Fluss der Elektronen geht fast nichts mehr. Und um dessen Versorgung zu gewährleisten unternehmen Städte und Länder daher einiges. Kein Wunder also, dass sich dieser Prozess in der Stadtentwicklung abbildet, wie etwa im Basler Stadtteil St. Johann.

Von Katharina Ohm

Basel. Anlässlich des europäischen Tag des Denkmals hielt Dirk Schmid von der Denkmalpflege Baselstadt daher eine Führung mit dem Titel: „Unter Strom: Industrialisierung und Stromerzeugung im St. Johann“. Vor knapp 15 Personen erklärte er, wie sich die Gegend rund um die Dreirosenbrücke und um die Voltastrasse entwickelt hatte, und ging dabei auch auf die Schwierigkeit ein, eine wachsende, energiehungrige Stadt während der Industrialisierung zu versorgen.

St. Johanns Geschichte beginnt Ende des 18. Jahrhunderts

Die Geschichte von St. Johann beginnt Ende des 18. Jahrhunderts, als die ersten Bauernhäuser vor den Stadtmauern gebaut werden. Aufschwung erfährt das Viertel, nachdem der Kanton 1860 auf dem Gelände des heutigen Novartiscampus eine Gasfabrik errichtet, die von dem Ingenieur Gaspard Dollfus als Pächter betrieben wird. Dieser hatte zuvor die 1852 errichtete Gasfabrik in der Binningerstrasse betrieben, die jedoch bald überlastete und wegen starker Emission außerhalb der Stadtmauern verlegt werden sollte. Die neue Fabrik versorgt einerseits private Haushalte und Industrie, aber vor allem die vielen Gaslaternen in den Straßen mit Brennstoff.

Um dieselbe Zeit etwa errichtet Dollfuss auf dem Gelände eine Chemiefabrik, um die Restbestände zu verwerten. Diese wird später von Durand & Huguenin übernommen, woraus schlussendlich Novartis hervorgehen soll.

Quantensprünge der Industrialisierung

Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts der Siegeszug der elektrischen Stromversorgung begann, verlor die Gasproduktion stark an Bedeutung. Rechts und links der Voltastraße werden ein Fernwärmewerk und ein Unterwerk gebaut, die heute beide noch in Betrieb sind. „Entlang der Voltastraße gab es Quantensprünge der Industrialisierung“ erklärt Schmid begeistert. Während der Führung zeigt er immer wieder an kleinen Details, wo der ursprüngliche Straßenbau noch zu erkennen ist. Da gab es einige Unterschiede: Die Dreirosenbrücke wurde erst 1943 gebaut und der damalige Voltaplatz lag versetzt an der heutigen Tramhaltestelle am Rheinufer.

Wer sich als Anwohner daher gefragt hat warum manche Straßenzüge, wie etwa die Wasserstraße stadtplanerisch scheinbar in unerwartete Richtungen zeigen, ist hier auf seine Kosten gekommen. Für Außenstehende war es jedoch schwieriger den Ausführungen zu folgen.

 
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