Basel Bewegte Welt, die alle bewegt

Die Oberbadische, 19.05.2017 23:05 Uhr

Basel. Migration ist weit mehr als ein momentaner Ausnahmezustand. Das zeigt die neue Ausstellung im Basler Museum der Kulturen. Sie beleuchtet verschiedene Migrationsgeschichten bis zurück ins 15. Jahrhundert.

Zwölf Figuren empfangen die Besucher. Sie verkörpern Ahnen, die Schutz und Hilfe bieten, insbesondere für Menschen, die unterwegs sind. Nach diesem mythischen Auftakt führen bläuliche Glasfiguren durch die graue Flucht hin zum hellen Fenster. Die Installation „Migration“ von Glasmacher Matteo Gonet evoziert Bilder von Migrationsströmen. Sie führt schlicht, aber eindrucksvoll ins Thema ein.

Strahlenförmig erstrecken sich von hier aus die einzelnen Stationen in den Raum. Sie umspannen quasi die Welt und verdeutlichen, dass die Migration ein globales Phänomen ist – und zwar schon immer. Die Ausstellung deckt eine Zeitspanne ab, die im 15. Jahrhundert mit migrierenden Bündner Zuckerbäckern beginnt und bis zum heutigen Tag andauert, wo über das Asylrecht von Klima-Migranten zum Beispiel aus Tuvalu, einem im Pazifik versinkenden Inselstaat, verhandelt wird.

Die Gründe, weshalb die Welt in Bewegung ist, sind vielfältig: Sie reichen von Glaubensflucht über politische Verfolgung bis zur Arbeitsmigration. Menschen migrieren, um zu überleben oder in der Hoffnung auf ein materiell besseres Leben. Beispiele sind die Hugenotten, die in Frankreich aufgrund ihrer Religion verfolgt wurden. Oder Kontraktarbeiter aus Indien, die auf Plantagen in Mauritius, Fidschi, Birma oder Ceylon verfrachtet wurden. Auslandschweizer wandern heute auch aus Neugierde und schierer Abenteuerlust aus.

Manchmal ist Migration Bereicherung. Die Schweiz hieß Tibeter genauso wie Ungaren, Tschechoslowaken und „Boatpeople“ aus Vietnam mit offenen Armen willkommen. Aber oft wird Migration als Bedrohung empfunden: Aktuellstes Beispiel dafür ist die Mauer zwischen den USA und Mexiko. Sie wird in der Ausstellung mit einer Fotostrecke dokumentiert.

Migration prägt Lebensgewohnheiten, Wertvorstellungen, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen jedes Landes. Basel verdankt den Hugenotten die Pharmaindustrie. China möchte die Kasachen nicht gehen lassen, weil sie für die Tourismusindustrie wichtig sind und errichtete für sie eine Retortenstadt.

Rund 120 Objekte aus den Museumssammlungen zeigen in den thematischen Stationen, was und wie Migration bewegt hat. Die Basler Seidenbänder oder der Berner Zuckerstock sind uns nahe Zeugen. Muschelketten aus Tuvalu zieren alte und neue Heime und werden Reisenden mit auf den Weg gegeben. Reich geschmückte Reliquienbehältnisse dienten den Tibetern unterwegs als Altar.Der afghanische Kriegsteppich repräsentiert eine neue Generation an Motiven einer alten Tradition, und Auslandschweizer schmücken ihr Zuhause mit traditionellen Holzkühen.

Die Ausstellung, kuratiert von Direktorin Anna Schmid und Kathrin Schwarz, regt zu Diskussionen an über Kriegsökonomie, Bedeutung des Nationalstaates, Menschen als Ware, Grenzen oder Willkommenskultur. Über hundert Figuren – die selbst auch Migranten sind – agieren als erzählende Beobachter und Begleiter.  bis 21. Januar 2018

 
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