Basel Hochbetrieb ist normal

Die Oberbadische, 20.04.2017 18:30 Uhr

Von Adrian Steineck

Sie gehören untrennbar zum Basler Stadtbild: die „Drämmli“, wie die Basler ihre Trams liebevoll nennen. Auf die Schienen gebracht werden sie seit Ende des 19. Jahrhunderts von den Basler Verkehrsbetrieben (BVB).

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Basel. Viel hat sich getan seit der 1895 eröffneten ersten Tramlinie, die Fahrgäste vom damaligen Centralbahnhof über die Mittlere Brücke zum alten Badischen Bahnhof am heutigen Messegelände brachte. Der aktuelle Fuhrpark der BVB umfasst 110 Tramfahrzeuge und 115 Busse, davon sind täglich jeweils mehr als 80 Exemplare im Einsatz. Gewartet und repariert werden sie am Wiesenplatz bei Kleinhüningen, wo sich das Größte von drei Service-Centern oder Tramdepots befindet. „Das Mittlere ist am Morgartenring in Allschwil, und am Basler Dreispitz unterhalten wir eine Abstellhalle“, erzählt Service-Center-Leiter Thomas Tanner bei einem Rundgang.

1907 errichtet, wurde das Service-Center im Jahr 2011 nochmals erweitert. Die Halle bietet auf 140 Metern Länge Platz für Trams, die sich im Inneren auf 23 Gleise verteilen. Ein Novum ist, dass die Trams am Wiesenplatz auch wieder herausfahren können, wie Thomas Tanner sagt: „Wir sind das einzige Durchgangsdepot in Basel, bei den beiden anderen handelt es sich um Sackdepots.“ Geführt wird das Service-Center im Dreischicht-Betrieb von vier Uhr morgens bis zwei Uhr morgens. Tagsüber steht meist der „geplante Unterhalt“ im Mittelpunkt, den Tanner mit Arbeiten an einem Auto vergleicht. „Da steht etwa der Ölwechsel an.“ Reparaturen finden ganz nach Bedarf statt, was abends beschädigt in die Halle fährt, wird nachts repariert. „Wir müssen dafür sorgen, dass ständig genügend Fahrzeuge unterwegs sind, um den Lininenverkehr aufrechtzuerhalten“, sagt Tanner.

An gewöhnlichen Werktagen sind jeweils gut 80 Tramfahrzeuge und nocheinmal so viele Busse im Einsatz. Die Spitzenzeit ist dabei zwischen 15 und 17 Uhr, wenn die meisten Menschen unterwegs sind. Zu besonderen Anlässen, sei es ein Fußballspiel, die Basler Fasnacht oder eine der zahlreichen Messen, herrscht im Tramdepot der Ausnahmezustand. Tanner zeigt sich gleichwohl gelassen: „Wir sind solche Anlässe, gerade die regelmäßig wiederkehrenden, gewohnt und können uns darauf einstellen.“

Für den reibungslosen Betriebsablauf sind in den drei Depots 45 Mitarbeiter vom Diagnostiker über den Automatiker bis zum Elektriker zuständig. Wenn ein Tram entgleist, sorgen sie auch dafür, dass es möglichst ohne große Verzögerungen im Betrieb wieder in die Spur kommt. „In manchen Jahren kommt das zwei- bis dreimal, in anderen Jahren gar nicht vor“, sagt Tanner. Häufiger treten „Klassiker“ wie die Reparatur einer Türautomatik oder ein anderes elektronisches Problem auf. Auch mit Schäden durch Vandalismus hat das BVB-Personal immer wieder zu tun. „Seit sechs Jahren sind unsere Fahrzeuge videoüberwacht, seitdem sind die Schäden durch Schmierereien oder aufgeschlitzte Sitzpolster deutlich zurückgegangen“, sagt der Leiter des Service-Centers.

Lang blieb das 68 Kilometer lange Schienennetz unverändert. Die letzte Erweiterung gab es im Jahr 2014 mit der Verlängerung der Tramlinie 8 nach Weil am Rhein, derzeit wird die Tramlinie 3 nach St. Louis verlängert. Zudem gibt es im Rahmen der Studie Tramnetz 2020 verschiedene Ausbauprojekte, die unter anderem die Innenstadt entlasten sollen, etwa eine Tramverbindung durch den Claragraben oder in der Grenzacher- und Schwarzwaldstraße.

Auch die Umstellung auf sogenannte Flexity-Trams treibt die BVB derzeit um. „Bis Mitte Juni werden die 44 langen Flexity-Fahrzeuge geliefert worden sein, die 17 kürzeren Fahrzeuge werden bis Februar kommenden Jahres alle auf der Schiene stehen“, ist Tanner überzeugt. Vorteile dieser Flexity-Trams seien etwa ein geringerer Stromverbrauch und die durchgehende Niederflurigkeit, die den Fahrgästen das Einsteigen erleichtern soll.

Gewartet werden Trams etwa alle drei Monate oder nach 18 000 Kilometern. Im vergangenen Jahr nutzten 132 Millionen Fahrgäste das Angebot der BVB. „Die Basler sind mit ihren BVB-Trams stark verbunden“, freut sich Tanner. Eine Anregung der Fahrgäste wird seit dem Jahr 2012 umgesetzt. Damals sprachen sich 58 Prozent aller Befragten dafür aus, in den neuen Flexity-Trams statt der Polster wieder wie früher Holzbänke zu benutzen.

 
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