Basel Hymnen altern nicht

Die Oberbadische, 10.09.2017 22:22 Uhr

Von Gerd Lustig

Augst. Wenn Rocklegenden auftreten, hat der Wettergott ein Einsehen. Kaum, dass die Formation „Wishbone Ash“ beim Openair in Augusta Raurica die ersten Töne angeschlagen hatte, hörte der Regen auf, und die Sonne zauberte einen wunderbaren Regenbogen an den Horizont. Und so wurde der Abend im malerischen Ambiente vor der einzigartigen Kulisse des Römertheaters in Augst noch ein bisschen schöner. Und als zu vorgerückter Stunde mit „Barclay James Harvest“ eine weitere Top-Band aus der Ära der Ende 60er/Anfang 70er Jahre ihren sphärischen Pathos verbreitete und traumhafte Melodien präsentierte, war der Abend der Sommerkonzerte, organisiert durch das Team der Konzertfabrik „Z 7“ in Pratteln, perfekt.

Zunächst war es an diesem dritten der vier Sommerkonzerte „Wishbone Ash“ vorbehalten, die alten Gemäuer zu rocken. „The Ash“ befinden sich zwar im mittlerweile 48. Bandjahr – und von der Ur-Formation ist lediglich Gitarrist und Frontmann Andy Powell übrig geblieben. Doch die britische Band ist noch so kraftvoll, melodisch und dynamisch wie eh und je. Wundervoll jaulen die Gitarren, der handgemachte Hardrock ist mitreißend, in den Balladen und Hymnen besticht der mehrstimmige Gesang. Denn ein besonderes Markenzeichen ist nach wie vor der legendäre „dual- oder twin-guitar-sound“. Zwar liefern sich der Finne Muddy Manninen und Powell nicht mehr ganz so wilde Soli wie in vergangenen Tagen. Doch der Sound strebt nach wie vor klar, schnörkellos und kraftvoll nach vorne, etwa in den Songs „Warrior“ und „Blowin free“, „Phoenix“, „Throw down the sword“, „Take it back“ und „The King will come“. Das Best-of-Programm strotzte nur so vor Kraft, Frische, Energie und Spielfreude – ein Vergnügen.

Ein solches bereiteten anschließend auch John Lees, Gründungsmitglied der 1967 aus der Taufe gehobenen Formation „Barclay James Harvest“, und seine versierten Mitstreiter dem Publikum. Geprägt durch ihren orchestralen Stil, gingen die traumhaften Melodien von „BJH“ in den 70er und 80er Jahren um die Welt – und verfehlten auch ihre Wirkung in Augusta Raurica nicht. Ihre Tournee stand ohnehin unter dem Motto „Best of“. Und so wurde großzügig in die Hit-Kiste gegriffen. Titel wie „Mocking Bird“, „Child of the universe“, „Poor man’s moody blues“ oder „Victims of circumstances“ sowie das legendäre „Hymn“ sind unvergessen und sorgten für Begeisterung.

Die Klangfarbe von Sänger und Ohrwurmschreiber John Lees ist zwar im Alter von 70 nicht mehr ganz so charismatisch wie einst. Sie erzeugt im Zusammenspiel mit den Balladen zwischen Melodik-Progressive-Rock und Mainstream gleichwohl noch immer Gänsehautfeeling. Da darf die Ankündigung Lees, dass demnächst an einem neuen Album gearbeitet wird, als gute Botschaft für die BJH-Freunde gelten.

 
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