Eimeldingen Vertrauen bei Bürgern schaffen

Weiler Zeitung, 19.05.2017 23:00 Uhr

Die Zeichen stehen gut für die Gründung eines Flüchtlingskreises in Eimeldingen. Bei einem ersten Treffen auf Einladung der Gemeinde kamen am Donnerstagabend rund zwei Dutzend Bürger in den Vereinsraum der Reblandhalle. Wichtigste Ziele sind, Wohnraum zu finden und eine Atmosphäre des Willkommen-Seins für die Flüchtlinge und Vertrauen bei den Einwohnern zu schaffen.

Von Marco Schopferer

Eimeldingen. Wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen, können Ängste entstehen. Deutlich machte dies Pfarrer Jochen Debus: „Wie können wir unsere Kultur in Westeuropa bewahren“, wenn so viel Fremde mit anderen Religionen kämen? Bei einer Reise in den Nahen Osten habe er sich der dortigen Kultur angepasst, aber was könne man hier von den Fremden erwarten?, fragte der Pfarrer.

Integration sei nicht Unterordnung, sondern, sich in der neuen Kultur zu Recht zu finden und heimisch zu fühlen, entgegnete Lucia Klein, Flüchtlingsbeauftragte des Landkreises. Wichtig sei, „dass jeder das Grundgesetz und die Kernwerte unseres Zusammenlebens akzeptiert“. „Es müssen aber nicht alle Deutsche werden, Weißwürste essen und Bier trinken“, so Klein. Es sei genauso schön, wenn Einheimische lernen, wie man alternativ Feste feiern kann.

Elke Doerries vom Freundeskreis Asyl in Lörrach sprach sich dafür aus, dass die Einwohner Lotsen sein sollten, den Neubürgern beispielsweise die Mülltrennung erklären und beim Lesen von Fahrplänen helfen. Und ihnen die Notwendigkeit des Energiesparen erklären, wie Susanne und Rolf Schwald nachschoben.

Das Eimeldingen Ehepaar hatte schon früh eine syrische Familie aufgenommen und war mit Ex-Bürgermeister Manfred Merstetter in Konflikt geraten. „Inzwischen ist übrigens alles zu aller Zufriedenheit gelöst. Wir würden wieder Flüchtlinge aufnehmen“, sagte Rolf Schwald. Das Leben mit der syrischen Familie sei gut gelaufen, „ich kann das nur jedem empfehlen“. „Beide Seiten gewinnen. Das ist einfach eine große Bereicherung“, sagte Susanne Schwald.

15 Flüchtlinge leben bereits im Dorf, bis Ende des Jahres sollen es 30 sein. Die beiden jungen Männer aus Gambia machten sich zwischenzeitlich nach ersten Mülltrennungsproblemen recht gut, so der Bürgermeister, genauso eine Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan. Erst letzte Woche bekamen sie die Anerkennung, haben sich zuvor aber schon aus eigener Tasche Geld für Deutschunterricht abgezwackt. Ein Musterbeispiel an Integrationswillen, fand Matthias Winzer, Flüchtlingsbeauftragter der Diakonie für Eimeldingen.

Container vermeiden

Nicht alles wird auch künftig so reibungslos ablaufen, deshalb brauche es ehrenamtliche Lotsen. Annette Strixner koordiniert im Rathaus Flüchtlingsfragen und erzählte von einer syrischen Familie, die seit geraumer Zeit in Eimeldingen lebt und keinerlei Kontakt ins Dorf hat. „Die sind so freundlich“, sagte Strixner und Bürgermeister Friebolin bedauerte: „Wir im Rathaus können eine Betreuung nun mal nicht leisten.“

Nun soll am 29. Juni ein Freundeskreis gegründet werden. Doris Weirich schlug vor, dass man zur Gewerbeschau am 25. Juni einen Stand aufbaut, um erste Fühler nach Lehrstellen auszustrecken und Vertrauen in der Bevölkerung aufzubauen.

Wichtigstes Anliegen war für Bürgermeister Friebolin die Unterbringung der Flüchtlinge in Privatwohnungen. „Wir mieten Wohnungen an, kaufen aber auch Häuser und Grundstücke“, sagte Friebolin. Einem im Ort kursierenden Gerücht widersprach er klar: „Wir haben kein leerstehendes Wohnhaus verkauft.“ Hätte man ein Haus, würde es selbstverständlich für Flüchtlinge hergerichtet.

 
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