Von Rolf Reißmann

Da es in Grenzach-Wyhlen im Vorfeld der Landtagswahl keine Podiumsdiskussion mit Vertretern einiger Parteien gibt, haben Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums (LMG) selbst das Heft in die Hand genommen und eine organisiert.

Grenzach-Wyhlen. „Weil uns Politik einfach interessiert und weil sie uns alle betrifft“, nannten die zehn Schüler des Politik-Neigungskurses als Grund für ihre Motivation, eine solche Veranstaltung zu organisieren und sogar selbst zu leiten. So etwas komme nur selten vor, bestätigten die beiden Kandidaten Ulrich Lusche (CDU) und Matteo di Prima (Die Linke).

Die Schüler hatten sich sehr gut vorbereitet. Daran waren nicht nur die Moderatoren, Benedict Osterrath und Florian Wiest, beteiligt, sondern die gesamte Gruppe hatte im Vorfeld die beiden Themen Verkehrs- und Bildungspolitik beraten und Fragen dazu formuliert. So verblüfften die beiden mehrfach mit detailliertem Hintergrundwissen und brachten einige der Gesprächsteilnehmer mit sehr präzisen Fragen doch beinahe in Bedrängnis.

Die Kandidaten Lusche und di Prima standen bestens „im Stoff“, auch Tilo Levante (FDP) zeigte sich gut informiert. Günter Holl, Gemeinderat der Grünen, sieht für den Weiterbau der A 98 die Variante als Bundesstraße als bessere Lösung, doch di Prima konterte mit den Erschwernissen bei Reisen in östlicher Richtung: „Entweder fährt man über Zürich durch den Stau oder über den Feldberg durch den Schnee – beides ist unzureichend.“

Themen Verkehr und Bildungspolitik

Philipp Schließer, Zweitkandidat der SPD im Wahlkreis, empfahl, dass sich die Bundestagsabgeordneten der Wahlkreise beim Verkehrsministerium in Berlin für den Weiterbau stark machen. Grundsätzlich einig waren sich die Vertreter aller Parteien über den Ausbau des Nahverkehrs, di Prima brachte dabei ein Sozialticket ins Gespräch. Lusche mahnte Flexibilität an, bei nur geringem Bedarf sollten Angebote wie Ruftaxis ausgebaut werden.

Als die Rede auf die Umgehungsstraße kam, löste Holl bei einigen Zuhörern Unmut aus, als er sagte: „Wenn es nach mir ginge, könnten wir nochmals eine Stufe zurückgehen und neu planen, auch wenn es länger dauert.“ Das ließen Anwohner der B 34 in Wyhlen aber nicht gelten. Sie forderten einen baldigen Baubeginn zur Entlastung.

Für die Bildungspolitik kam Annette Grether (Grüne) aufs Podium. Erst in der Gemeinschaftsschule stünden alle Kinder gleichermaßen im Mittelpunkt, meinte sie. Außerdem sei dies die einzige Möglichkeit, bei geringer werdender Kinderzahl die Schulen in kleinen Orten zu erhalten. Lusche hielt dagegen, dass die Gemeinschaftsschule nicht der beste Weg sei, zumal, wenn sie übereilt eingeführt und unzureichend ausgestattet werde, so wie aus seiner Sicht unter Grün-Rot geschehen. Auch di Prima meinte, die Landesregierung zerstöre die eigene Idee durch Unterfinanzierung.

Die beiden Moderatoren waren zwar gelegentlich etwas zögerlich, aber ihre Gesprächsführung trug dazu bei, dass dies ein spannender Abend war. Professionell blockten sie auch Fragen ab, die nicht zu den ausgewählten Themen gehörten, und verwiesen auf den individuellen Dialog nach der Diskussion.