Grenzach-Wyhlen Um das Gemeinwohl verdient gemacht

Die Oberbadische, 25.07.2017 23:05 Uhr

Dr. Erhard Richter feiert am heutigen Mittwoch seinen 90. Geburtstag. Weit über die Grenzen der Gemeinde Grenzach-Wyhlen hinaus kennt man den Jubilar als Mann, der sich um das Gemeinwohl verdient gemacht hat, als profunden Kenner der regionalen Geschichte, als Pädagogen sowie als Mitbegründer der Burgfestspiele Rötteln. Vor 20 Jahren verlieh ihm seine Heimatgemeinde die Ehrenbürgerschaft.

Von Manfred Herbertz

Grenzach-Wyhlen. An seinem Ehrentag blickt Erhard Richter auf ein erfülltes Leben zurück. Noch immer ist er aktiv und beschäftigt sich mit der Geschichte, schreibt Beiträge (auch für unsere Zeitung), ist verantwortlicher Schriftleiter im Geschichtsverein Markgräflerland und widmet sich heimatgeschichtlichen Forschungen. Doch räumt er ein, nicht mehr ganz so umtriebig wie früher zu sein. Unterstützung erhält er von seiner Frau Erika, mit der er seit 53 Jahren verheiratet ist.

Der 1927 geborene ist ein echtes Grenzacher „Gewächs“. Seine Schulzeit wurde jäh unterbrochen, als er 1944 zur Marine eingezogen wurde. Die Gefangenschaft blieb ihm nicht erspart. Zwei Tage vor Weihnachten 1945 wurde er nach Grenzach entlassen, wo er wegen eines fehlenden Stempels beinahe noch in französischem Gewahrsam gelandet wäre.

Am Hans-Thoma-Gymnasium legte Richter 22-jährig sein Abitur ab und studierte anschließend in Basel, Tübingen und Freiburg. Dass er den Beruf des Pädagogen ergriffen hat, habe er einer Lehrerin zu verdanken, erinnert sich der Jubilar: „In einer Unterrichtsstunde der Unterprima wurde Frau Danner zum Direktor gerufen. Sie hatte mich gefragt: Wollen Sie nicht meinen Unterricht übernehmen? Das habe ich zuerst aus Blödsinn gemacht und merkte dann doch, dass mir das sehr gefällt.“

1957 promovierte Richter mit einer Dissertation über die Flurnamen von Wyhlen und Grenzach, diese erschien 1962 als Buch. Nach dem Staatsexamen war Richter von 1962 bis 1969 Lehrer am Scheffelgymnasium in Bad Säckingen, 1969 wurde er Leiter des neugegründeten Progymnasiums Grenzach, das 1972 zum Vollgymnasium aufgestockt wurde.

Ruhestand ist für Richter ein Fremdwort

Nach 21 Jahren Schulleitertätigkeit trat Richter 1990 in den Ruhestand. Zumindest beruflich. „Denn bis dahin hatte ich noch nicht viel geforscht“, sagt er rückblickend. Doch er hatte sich mit der Arbeit zu Flurnamen in der Regio einen Ruf erworben. Im Geschichtsverein Markgräflerland war er länger schon Mitglied, seit 1987 Schriftleiter und von 1990 bis 2015 Vorsitzender. Richter gründete zudem als ehrenamtlicher Beauftragter für Denkmalpflege im Verein für Heimatgeschichte Grenzach-Wyhlen anno 1972 die Arbeitsgruppe Archäologie, zu deren spektakulärsten Ausgrabungen die Grenzacher Römervilla gehörte. „Dört bi’n i immer wieder umme g‘schliche“, sagt er. Denn er habe geahnt, dass dort – mitten im Grenzacher Ortskern – etwas Bedeutendes im Boden lagert. Er sollte Recht behalten.

Leiter der Burgfestspiele

Zum Jubiläum des Grenzacher Männerchors schließlich hatte Richter ein Stück geschrieben, aufgrund dessen man in Haagen auf ihn aufmerksam wurde. Dort war geplant, Freilichtspiele auf der Burg Rötteln zu inszenieren. „Die haben mich wochenlang geplagt“, erinnert sich Richter, weil sie „jemanden zum Repräsentieren“ gesucht hätten. Daraus wurden 36 Jahre, die der Jubilar als Vorsitzender die Burgfestspiele Rötteln leitete. Zudem führte er dort 17 Jahre lang die Regie. Premiere war das von Richter selbstgeschriebene Stück „Markgraf Ernst und der Bauernaufstand von 1524/25“.

Seither veröffentlichte Richter zahlreiche Bücher und unzählige Beiträge in verschiedenen Publikationen, eine Tätigkeit, der er auch heute noch nachgeht.

Seinen heutigen Ehrentag feiert der Jubilar im Kreise seiner Familie sowie mit Freunden und Weggefährten in einem Lokal im Markgräflerland. Auch unsere Zeitung gratuliert herzlich zum runden Geburtstag.

Dr. Erhard Richter, der 1997 zum Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde ernannte wurde, erhielt für sein vielfältiges Engagement zahlreichen Auszeichnungen:

Bundesverdienstkreuz (1979), Hebeldank des Hebelbundes (1982), Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette (1992), Ehrenmedaille in Gold des Landkreises Lörrach (1996), Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg (2000), Landespreis für Heimatforschung für sein Werk „Beiträge zur Geschichte von Grenzach-Wyhlen und Umgebung“ (2000), Goldene Ehrennadel des Bundes Deutscher Amateurtheater (2001), Ehrennadel des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg (2006) und die Heimatmedaille Baden-Württemberg (2008). Im Jahr 2011 wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Geschichtsvereins Markgräflerland ernannt.

 
          0