Grenzach-Wyhlen Wohnungsbau contra Kleingärten

Die Oberbadische, 22.04.2017 00:00 Uhr

Von Manfred Herbertz

„Städte suchen Bauland – Schrebergärten in Gefahr“ unter diesem Titel berichtet das SWR Fernsehen unter anderem über eine Gartenanlage in Grenzach-Wyhlen am Donnerstag in der Sendung „Zur Sache Baden-Württemberg“.

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Grenzach-Wyhlen. Die Fernsehmacher ließen in ihrem Beitrag auch zwei Grenzach-Wyhlener Schrebergartenbesitzer, Markus Sproll und Micheal Thoma, zu Wort kommen. Ein weiterer Schauplatz war Freiburg, wo Schrebergartenbesitzer einer Wohnbebauung weichen mussten. Sie bekommen zwar neues Gelände zugewiesen, was wiederum zu Lasten von Landwirten geht, denen zugunsten der Kleingärtner Äcker weggenommen werden.

Auch in Grenzach-Wyhlen sollen die Kleingartenbesitzer und -pächter zugunsten eines Baugebietes weichen. Seit rund 30 Jahren bewirtschaften die Pächter zwischen B 34-Engeltal und Bahnlinie sowie Sernussweg und Siedlung ihre Kleingärten. Doch damit ist nun bald Schluss. Die Gärten liegen im Bereich des vorgesehenen Baugebiets „Kapellenbach-Ost“. Rund zehn Hektar Land umfasst das Gebiet. Es sind rund 30 Kleingärten, die von der Bebauung betroffen sind. Dass das den Pächtern und Eigentümern nicht gefällt, ist klar. Doch die gesetzlichen Rahmenbedingungen ermöglichen ein solches Vorgehen, das im schlimmsten Fall sogar eine Enteignung zulässt.

In drei Bauabschnitten soll die Bebauung mit Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Mehrfamilienhäuser auch für sozialen Wohnungsbau erfolgen.

Die Gemeinde hat Verständnis für die Sorgen der Kleingartenbesitzer, jedoch wurde der Kampf gegen die Wohnraumnot vom Gemeinderat politisch als höhergeordnetes Ziel eingestuft. Denn der Bereich „Kapellenbach-Ost“ ist die einzige Entwicklungsfläche, die in Grenzach-Wyhlen noch vorhanden ist.

Das Areal ist bereits vor Jahren im Flächennutzungsplan als Bereich für Wohnbebauung aufgenommen worden.

Bürgermeister Tobias Benz, der den Beitrag auch gesehen hatte, bemängelte, dass die Stellungnahme seiner Stellvertreterin Ulrike Ebi-Kuhn in dem Fünf-Minuten-Beitrag nur verkürzt wiedergegeben worden sei. Er betonte, dass es sich im Falle von Grenzach-Wyhlen schon gar nicht um eine Schrebergartenanlage im rechtlichen Sinn handele, wie es im Beitrag den Anschein hatte, „das Areal ist Ackerland, das von den Eigentümern weiterverpachtet wurde“. Außerdem sei in dem Fernsehbeitrag kein Wort darüber verloren worden, dass die Gemeinde bestrebt ist, Kleingärtner Ersatzflächen zu Verfügung zu stellen, „wir sind auf der Suche nach Fläche, und haben schon mehrfach im nichtöffentlicher Sitzung darüber verhandelt, mittelfristig deuten sich Lösungen an“, sagte Benz, der sich gewünscht hätte, dass der Zielkonflikt besser herausgearbeitet worden wäre. Gegen Höchstpreisen auf dem Immobilen- und Mietsektor gebe es nun einmal nur die einzige Chance, das Angebot zu erhöhen.