Von Saskia Scherer

Hausen. Rund ein halbes Jahr ist es her, dass Deborah Jennrich und Silke Heyenga das Carsharing in Hausen ins Rollen gebracht haben. Im Gespräch mit dem Markgräfer Tagblatt zeigten sich Jennrich und Nutzer Martin Kuhnert sehr zufrieden mit der Entwicklung.

„Die Zeit war reif“, beschreibt Jennrich die Anfänge des Carsharing. „In Hausen gibt es eine Szene für neue Ideen.“ Manche wollten einfach kein Zweitauto mehr und als sich rund zehn Interssierte gemeldet hatten, sei man mit Matthias-Martin Lübke von Stadtmobil in Verbindung getreten und so kam das Carsharing in Hausen in Gang. Seit kurzem gehört zur „Flotte“ ein zweites Fahrzeug, ein Elektroauto. „Das erste Auto reichte nicht“, erklärt Kuhnert.

„Es ist eine engagierte, konsequente Truppe“, beschreibt Jennrich die „vielen starken Nutzer“. „Für uns als fünfköpfige Familie war es die Chance, das alte Auto abzustoßen“, berichtet Kuhnert, der nun ausschließlich die Carsharing-Autos nutzt. Man überlege nun zweimal, ob man mit dem Auto fährt, weil es nicht vor der Haustür steht. Außerdem gebe es ja noch Bahn und Fahrrad.

Mit dem Elektroauto könne man „schon flott fahren“, so Kuhnert. Die Reichweite sei dann zwar nicht so hoch, allerdings werde beim Bergabfahren Energie gespeichert. Und wenn man dann in einer Stadt zum Einkaufen sei, könne das Auto in der Zeit an einer Elektrotankstelle (wie zum Beispiel am Lörracher Bahnhof) aufladen.

Deborah Jennrich ist beruflich viel unterwegs und nutzt nun das „Netz“, bestehend aus Auto, Fahrrad und Bahn. „In der Kombination komme ich sehr weit“, so ihre Worte. „Ein Stück Planung und eingeschränkte Freiheit muss man schon in Kauf nehmen“, findet sie. Aber es klappt. „Das Fahren mit Pkws sollte reduziert werden“, meint Kuhnert. Es sei erstrebenswert, nur die Strecken zu fahren, die wirklich nötig sind. „Noch dazu ist das Elektroauto leise, es entsteht kein Geruch und schont die Umwelt“, lobt Jennrich die „ungeheure Qualität“.

Die Startschwierigkeiten, weil es keine E-Tankstelle gab, seien mittlerweile auch überwunden. „Der Energiedienst hat gut reagiert“, berichtet Jennrich. Kuhnert ergänzt: „Innerhalb von einem Monat war alles komplett, das ging sehr schnell.“

Mit einem Carsharing-Auto war Deborah Jennrich sogar schon in Ligurien (Italien). „Zu zweit lohnt sich das und man ist vor Ort flexibel“, berichtet sie. Ein allgemeiner Vorteil sei es, dass man sich um nichts kümmern muss wie zum Beispiel um die Wartung des Fahrzeugs. Kuhnert hat ein Auto für die Pfingstferien gebucht und fährt damit bis nach Spanien.

Außer in Hausen gibt es beispielsweise noch Carsharing-Stationen in Schopfheim, Brombach, Lörrach, Rheinfelden und Weil. „Das wird sich ausbreiten“, prophezeit Jennrich. Wer Mitglied von Stadtmobil ist, kann sich über das Internet einloggen und ein Fahrzeug buchen. Dort hat man auch den Überblick, wann welche Autos frei sind. Die Abrechnung erfolgt nach Kilometern und Stunden am Ende des Monats. „Es gibt verschiedene Tarife für Viel- und Wenignutzer“, beschreibt Kuhnert. Jennrich ergänzt: „Man kann unkompliziert einsteigen und jederzeit aussteigen oder den Tarif wechseln.“

Auf die Frage, ob sich so etwas auch für eine noch ländlichere Gegend wie das Kleine Wiesental lohnen würde, waren Deborah Jennrich und Martin Kuhnert unschlüssig. „Die Siedlungen sind schon sehr zerstreut“, gab Kuhnert zu Bedenken. Er halte es für schwierig, weil man ja erst zum Auto kommen müsse, um es benutzen zu können und auch das Internet spiele ein Rolle, um die Autos buchen zu können. Man müsse es wohl einfach ausprobieren, denn im Moment sei alles im Wandel.

Die erste deutsche Carsharing-Organisation wurde 1988 in Berlin gegründet, in den Jahren 1990/91 folgten weitere in Aachen, Bremen und Freiburg. Die Zahl der Benutzer lag 2013 laut Angaben des Bundesverbandes CarSharing bei 757 000, die Zahl der Carsharing-Organisationen lag Anfang 2014 bei 150.