Hausen im Wiesental Ganz schön in die Pedale getreten

Markgräfler Tagblatt, 09.03.2017 00:57 Uhr

Von Jürgen Scharf

Er radelt pro Jahr in den Sommermonaten deutschlandweit rund 15 000 Kilometer, ist bei Wind und Wetter auf Tournee, um Orgelkonzerte zu geben: Die Rede ist von Martin Schulze, dem aus Funk und Fernsehen bekannten „Fahrradkantor“.

Hausen. Der 49-Jährige hat familiäre Beziehungen nach Hausen. 2004 hat er hier im Hebelhaus geheiratet und anschließend in der evangelischen Kirche ein Hochzeitskonzert gegeben. Und jetzt saß er am Wochenende wieder an der kleinen, zweimanualigen Walcker-Orgel, um im letzten Stück, der e-Moll-Fuge von J.S. Bach, die viel Pedalarbeit abverlangt, ganz schön in die (Orgel-)Pedale zu treten und einige Kilometer musikalisch zu „strampeln“.

Der in Frankfurt/Oder lebende freischaffende Organist, Kirchenmusiker und Orgelsachverständige hat an der neobarocken Orgel von Eberhard Friedrich Walcker aus den 50er Jahren demonstriert, dass man auch auf einer kleinen Orgel ein großes Konzert machen kann.

Im Gegensatz zu manchen historischen Orgeln, deren Tasten schwer zu traktieren sind, ist das Hausener Instrument durch die kurze Traktur sehr leichtgängig und hat einen direkteren Tastengang. An ihr lassen sich gut die Werke Bachs und seiner Zeit darstellen.

Der fingerfertige Organist konnte also leicht über die Tasten „fliegen“, beginnend mit einem klassischen Jugendwerk von Bach, dem fast noch norddeutsch geprägten Präludium und Fuge a-Moll BWV 543 und endend mit Bachs bedeutendem Präludium und Fuge e-Moll BWV 548, einem der größten Bach-Werke überhaupt.

Gerade diese Fuge braucht große Konzentration, um den Bogen über das Ganze zu spannen. Technisch ist das Werk sehr schwierig, etwa im Übergreifen der Hände, und es braucht beim Spieler den Überblick. Den hatte Martin Schulze, ebenso wie gute Pedalpräsenz.

Der in Sneakers und passendem T-Shirt mit lustigem Fahrrad- und Orgelaufdruck spielende mobile Kantor griff bei Bach mächtig in die Tasten. Tempo, Spielweise und Registrierung bildeten eine überzeugende musikalische Einheit.

„Volles Rohr“ gab Schulze in zwei Choralbearbeitungen von Nicolaus Hasse, wo es das kräftige Plenumspiel der Orgel braucht, denn es ist „organo pleno“ vorgeschrieben. Wohlüberlegt lässt er in der ersten Version von „Jesus Christus, unser Heiland“ alle Stimmen sprechen und artikuliert die extremen Verzierungen sehr plastisch.

Auch in zwei Präludien von Franz Tunder, einem Wegbereiter von Buxtehude, die zwei Choralvorspiele aus der „Lüneburger Tabulatur“, einer alten Notenschrift, einrahmten, sprühte er nur so vor Musikalität. Natürlich waren es zwei Luther-Choräle, darunter „Eine feste Burg“, der Luther-Schlager schlechthin, und im Luther-Jahr sehr passend. Der weitere Luther-Choral „Vater unser im Himmelreich“ spielte sich vor allem im einem sehr speziellen hohen Flötenregister (Nachthorn) ab, um eine andere Farbe von der Registerwahl her zu erreichen.

An zentraler Stelle im pyramidenförmig aufgebauten Programm (mit Bach als den beiden Grundfesten) stand eines von Buxtehudes bekanntesten Werken: Präludium und Fuge in g-Moll, ein virtuoses Laufwerk in der Art eines Ostinato, bei dem Martin Schulze die Orgel regelrecht „durchgepustet“ hat.

Der Organist, der als ein Reger-Spezialist gilt, zeigte an diesem Abend einmal sein Gespür für die norddeutsche Orgelmusik der Barockzeit und verwies nicht nur auf das Reformationsjubiläum, sondern auch auf die Komponisten-Gedenktage von Hasse (400. Geburtstag) und Tunder (350. Todestag) hin.

Assistiert wurde ihm an der Orgel von seiner Schwiegermutter Jutta Meier, und eingeladen hatte ihn Pfarrerin Martina Weber-Ernst, die über seine Energie und Übung staunte und ihn dafür bewunderte, was man aus der Orgel alles herausholen kann. Als Präsent bekam der Freund der Hausmannskost ein kleines „Überlebenspaket“.

Danach sang die überschaubare Zuhörerschar mit Orgelbegleitung ein geistliches Abendlied und bekam den Abendsegen gespendet.

 
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