Hausen im Wiesental Spannung vor dem Urnengang

Markgräfler Tagblatt, 19.05.2017 23:00 Uhr

Gegner und Befürworter einer Ansiedlung des Markus-Pflüger-Heims (MPH) in Hausen haben in den letzten Wochen und Monaten ihre Argumente ausgetauscht. Gespräche wurden geführt, Versammlungen abgehalten und Leserbriefe geschrieben. Die Entscheidung fällen die Bürger am morgigen Sonntag.

Von Ingmar Lorenz

Fotostrecke 2 Fotos

Hausen . Was als eine Debatte um die Gestaltung der sogenannten „neuen Ortsmitte“ in Hausen begann, hat sich durch die Fragestellung des Bürgerentscheids am morgigen Sonntag zu einem Streit über die Ansiedlung des MPH in Hausen entwickelt.

Helmut Lang, Vertrauensperson der Bürgerinitiative (BI), die den Bürgerentscheid erwirkt hatte, sieht der morgigen Abstimmung mit Optimismus entgegen. „Wir sind alle zuversichtlich“, sagt Lang auch im Namen seiner Mitstreiter. An der Debatte habe ihn jedoch gestört, dass aus seiner Sicht viel beschönigt worden sei. Den vom MPH zugesagten Verzicht auf das Verwaltungsgebäude und die Beschränkung der Planung auf das Autokabel-Areal sieht Lang mit Skepsis. Auch vom Gemeinderat sei vieles unter den Teppich gekehrt worden. Der Umgangston in der Debatte sei zuletzt immer rauer geworden. So sei die BI von einigen in den letzten Tagen „in die Pegida-Ecke“ gedrängt worden. Aus Sicht von Lang sind die Fronten im Hebeldorf verhärtet, was auch nach dem Bürgerentscheid zu spüren sein werde. Egal wie die Abstimmung ausgehe, es sei wichtig, die Bürger wieder „an einen Tisch zu bekommen“. Das werde aber eine schwierige Aufgabe, so Lang.

Als ähnlich gespalten nimmt Gemeinderat und Befürworter der Ansiedlung des MPH in Hausen, Hermann Lederer, die Stimmung im Hebeldorf wahr. Zum Ausgang des Bürgerentscheids will er keine Prognose abgeben. Lederer bedauert, dass von den Gegnern immer wieder die alten Argumente vorgebracht würden, obwohl diese längst wiederlegt worden seien. Dabei hätten die Gegner teils „unter der Gürtellinie“ argumentiert. Den Gemeinderat stelle der Bürgerentscheid vor grundsätzliche Fragen. „Wir müssen uns fragen, nach welcher Devise wir eigentlich zukünftig handeln können“, so Lederer. Schließlich sei die Planung, die jetzt zur Debatte stehe, bereits in Kooperation mit den Arbeitsgruppen und den Bürgern erstelltt worden. Sollte diese nun abgelehnt werden, gebe es keinen „Plan-B“. Worüber nun entschieden werde, sei Teil eines größeren Konzepts. „Wenn der wegfällt, müssen wir wieder bei null anfangen“, so der Gemeinderat.

Bürgermeister Martin Bühler hofft, dass die Gemeinde langfristig gestärkt aus der laufenden Debatte hervorgehen kann. Das große politische Engagement, das sowohl von Gegnern als auch von Befürwortern an den Tag gelegt worden sei, könne man in einer demokratischen Gesellschaft nur begrüßen, so der Bürgermeister. So seien auf beiden Seiten viele Personen zum ersten Mal in einem politischen Prozess in Erscheinung getreten. Zudem hofft Bühler morgen auf ein klares Abstimmungsergebnis. Dieses würde es der unterlegenen Seite erleichtern, das Ergebnis zu akzeptieren.

Michael Schreiner, Heimleiter des MPH in Wiechs, schaut gespannt auf die morgige Abstimmung. Er zeigt sich positiv überrascht davon, wie groß das Interesse der Hausener am MPH ist. „Wir konnten in den vergangenen Tagen noch sehr viele offene Fragen beantworten“, sagt Schreiner mit Blick auf die vom MPH und Landkreis eingerichtete Internetseite, auf der die Hausener Bürger ihre Fragen zu der Planung des MPH stellen konnten. Sollten sich die Hausener gegen die Pflegeeinrichtung in ihrem Dorf entscheiden, würde er das „unglaublich bedauern“. Egal wie die Entscheidung ausfalle, wichtig sei, so Schreiner, dass sich Gewinner und Verlierer im Nachhinein anständig verhalten. Zudem sei er froh, dass es nun eine Entscheidung in der Frage gebe, da es zuletzt auf beiden Seiten keine Bewegung mehr in der Debatte gegeben habe.

Einigkeit herrscht bei allen über die Hoffnung, dass möglichst viele Hausener von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen werden.

Insgesamt 1868 Wahlberechtigte sind morgen dazu aufgerufen, über folgende Frage zu entscheiden: „Sind Sie gegen den vom Gemeinderat beschlossenen Verkauf der gemeindeeigenen Grundstücke Autokabel-Areal und Sutter-Areal an die MPZ/Eigenbetrieb Heime LK Lörrach (Markus-Pflüger-Heim?“ Wer diese Frage mit „Ja“ beantwortet, spricht sich damit gegen den Verkauf der Grundstücke an das MPH aus. Wer die Frage mit „Nein“ beantwortet, spricht sich für den Verkauf aus.

Das Wahllokal befindet sich in der Turn- und Festhalle und ist von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Zur Wahl müssen die Wahlbenachrichtigung und der Personalausweis mitgebracht werden. Das Ergebnis wird voraussichtlich gegen 18.30 Uhr bekannt gegeben.

 
          2