Kandern Als Pensionärin noch sehr gefragt

Weiler Zeitung, 14.09.2017 00:42 Uhr

Von Ines Bode

70 Jahre jung ist Christel Lange und folglich hält sie wenig vom Ruhestand. Statt für Muße entschied sie sich lieber für soziale Betätigung.

Kandern. An der August Macke-Schule unterrichtete sie Realschüler in den Fächern Deutsch und Biologie, in weiteren Fächern sprang sie ein, wenn Not am Mann war.

Als schönen Zufall wertet sie es nun, dass dies in der ersten Klasse der Egringer Grundschule der Fall war, just als sie frisch pensioniert wurde. Sechs Wochen sollte die Aushilfszeit eigentlich dauern, doch es wurden sage und schreibe vier Jahre.

Doch damit nicht genug, denn parallel war Christel Lange weiter für die Macke-Schule tätig. Gern arbeitete sie ehrenamtlich bei Schulprojekten mit oder stellte sich als Begleiterin für Klassenfahrten zur Verfügung. „Ich gehe mehrfach in der Woche in die Schule“, schmunzelt die sympathische Pensionärin.

Als sich im Februar 2016 die Flüchtlingsbetreuung anbahnte, gehörte Lange zur Gruppe der Ehrenamtlichen. Der Platzhof diente anfänglich als Quartier und so begab man sich regelmäßig zu der abgelegenen Wirkungsstätte außerhalb Kanderns. „Unsere Hauptaufgabe war, den 30 Ankömmlingen die deutsche Sprache beizubringen.“

Bevor es mit dem Unterricht los ging, war eine sensible Einstimmung nötig. Sich mit unbekannter Materie auseinanderzusetzen, sich Wissen anzueignen, den Prozess des Lernens anzunehmen – das alles war für ein Teil der Menschen völlig ungewohnt. Sie traf auf Analphabeten. Vorrangig Frauen und Kinder habe sie mit ihren Mitstreitern betreut.

Dabei blieb es auch, als die Flüchtlinge ins Containerquartier beim Schwimmbad zogen, und der Unterricht in die Grundschule verlegt wurde. Zusammen mit Gerlinde Kern nahm sie sich der „Vorbereitungsklasse“ an. Es sei durchaus anstrengend gewesen, jedoch gab es auch spaßige Momente. Einige Flüchtlinge hätten eben nie eine Schule besucht.

Als sechs der Kinder und Jugendlichen zur August-Macke-Schule kamen, übernahm die rüstige Lehrerin den Kurs. Täglich werde gelernt, entschied sie, denn das permanente Dranbleiben sei der wichtigste Aspekt. Den Lohn der Mühe sieht Lange in zweierlei Hinsicht: Erstens ließ sich irgendwann feststellen, dass sich ein Wille auftat, ihre Zöglinge wollten lernen. Zweitens zeigen sich die ersten Früchte des Engagements: „Wir nähern uns Ergebnissen, erreichen gesetzte Ziele.“

Der Leitung der Macke-Schule waren die Aktivitäten Langes sehr willkommen. Deshalb sprach Rektorin Ursula Ganzke im Rahmen der Entlassfeier kürzlich der umtriebigen Pädagogin ein ganz besonderes Dankeschön aus.

 
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