Kandern Von Norddeutschland nach Wollbach gezogen

Weiler Zeitung, 19.06.2017 23:05 Uhr

Kandern-Wollbach (cre). Auf 100 Jahre erlebter Weltgeschichte kann die Wollbacherin Emma Gräßlin heute zurückblicken. Als sie am 20. Juni 1917 im schleswig-holsteinischen Norder-Dittmarschen geboren wurde, tobte der Erste Weltkrieg und Kaiser Wilhelm II. bestimmte die Geschicke des Landes.

Es folgten die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, die Teilung Deutschlands in BRD und DDR und deren Wiedervereinigung. Der Mensch flog auf den Mond. PC und Handy sind inzwischen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Ohne den unsäglichen Zweiten Weltkrieg aber hätte die 1940 gerade 23-jährige Emma, damals lautete ihr Familienname noch Jasper, niemals ihren Otto Gräßlin aus Wollbach kennengelernt. Dieser war zu jener Zeit als Soldat auf dem Durchmarsch nach Skandinavien. Im selben Jahr noch nahm er sie mit auf Urlaub in sein südbadisches Heimatdorf. Kurz darauf zog die norddeutsche Deern auf den Hof des allein lebenden Schwiegervaters in spe, um diesem in der Landwirtschaft zu helfen.

Diese kannte sie aus dem Effeff, schließlich hatten sie und ihre zwölf Geschwister schon früh auf dem elterlichen Hof mithelfen müssen. Nach achtjähriger Schulzeit war sie bei verschiedenen Arbeitgebern unter anderem auf Fehmarn und in Hamburg in Stellung gewesen. Wollbach aber sollte bis heute ihre neue Heimat werden. Geheiratet wurde, als der Bräutigam 1942 auf Heimaturlaub war. Im Laufe der Jahre kamen vier Kinder zur Welt. Es folgten sechs Enkel und elf Urenkel, von denen einige in den USA leben. Gemeinsam mit ihrem 1993 verstorbenen Ehemann betrieb sie die Landwirtschaft weiter, jedoch bald nur noch im Nebenerwerb.

Außerdem arbeitete Emma Gräßlin auch in der Küche der „Alten Krone“ in Wollbach. Mitglied wurde sie im Frauenverein und passiv im Gesangverein. Dennoch blieb Zeit für die eine oder andere Reise. Dazu gehörten bis vor kurzem wiederholte Fahrten in die alte „meerumschlungene“ Heimat. Italien, die Schweiz und Kanada wurden ebenso bereist wie die USA, wo seit 1960 eine ihrer Töchter wohnt. Ihre erste Reise nach Virginia machte sie zur Geburt ihrer dort vor 50 Jahren geborenen Enkelin.

Vor einem Jahr kam die Tochter aus den USA zur Mutter zurück und kümmert sich seitdem um die alte Dame. Der Kopf der Jubilarin ist immer noch topfit – mehrmals korrigierte sie im Gespräch ihre Tochter, wenn es um Jahreszahlen ging –, doch der Körper musste dem Alter entsprechend diesem Tribut zollen. Ihren Humor hat die Jubilarin, wie Tochter und Enkelin bestätigten, jedoch nicht verloren. Obwohl Emma Gräßlin gerne ihre große Familie zum Ehrentag um sich hat, ist ihr dennoch, wie sie gestand, der ganze Trubel nicht so recht geheuer.

 
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