Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen hat sich der Gemeinderat im zweiten Anlauf zur Erstellung eines Fremdwasserbeseitigungskonzepts entschlossen. Zuvor hatte Andreas Schneider vom Landratsamt Lörrach, Fachbereich Abwasserbeseitigung, die Vorteile dieses Vorgehens als Bestandteil der Kanalsanierung erläutert.

Kandern. Rund acht Millionen Euro will die Stadt in den kommenden fünf Jahren in die Kanalsanierung investieren. Dabei hofft die Verwaltung auch auf Fördergelder in Höhe von bis zu 57,3 Prozent nach einer Härtefallregelung für Gemeinden mit hohen Wasser- und Abwassergebühren. Die aber werden nach einer Neugestaltung der Richtlinien bevorzugt für solche Kanäle gewährt, in die Fremdwasser eindringt.

Und hier kommt das Fremdwasserbeseitigungskonzept ins Spiel, das noch dieses Jahr in Auftrag gegeben werden soll, um herauszufinden, wo überall Fremdwasser eintritt. Das Konzept ist auch wichtig für die Verlängerung der wasserrechtlichen Genehmigung für die Kläranlage Hammerstein, die in zwei Jahren ausläuft.

Die Untersuchung kostet 100 000 Euro und wird zu 50 Prozent bezuschusst. Da im Kanderner Haushalt dafür lediglich 25 000 Euro angesetzt waren, man war vorerst von einem Teilkonzept ausgegangen, musste der Gemeinderat nun eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 75 000 Euro bewilligen. Der Kostenanteil der Stadt beträgt am Ende 50 000 Euro. Die Untersuchung wird fast ein Jahr in Anspruch nehmen.

In Kandern gilt, es ein Kanalnetz mit einer Länge von 90 Kilometern, vier Regenüberlaufbecken sowie eine Kläranlage zu unterhalten. Dahinter steht ein Anlagevermögen in Höhe von 54 Millionen Euro. Die Sanierungsarbeiten dienen also auch dem Werterhalt.

Schneider führte aus, dass der Anteil von Fremdwasser in der Kanderner Kanalisation zwischen 50 und 60 Prozent liege, je nachdem, ob es sich um ein eher trockenes oder regnerisches Jahr handelt. Ziel sei es, auf einen Wert um die 30 Prozent zu kommen. Das wirkt sich dann auch positiv aus, etwa auf die Förderleistung der Pumpwerke. Bei richtiger Planung könne langfristig gespart werden, erklärte Schneider.

Wie schon in der vergangenen Gemeinderatssitzung, als das Thema vertagt wurde, gab es auch diesmal Bedenken, ob die Erstellung des Konzepts wirklich notwendig ist. Gemeinderat Fritz Höferlin etwa wies darauf hin, dass im Jahr 2005 schon einmal eine Kanalbefahrung gemacht worden sei, ohne dass danach in großem Stil saniert worden wäre. Er befürchtete, dass nun wieder Geld für eine Ingenieurleistung ausgegeben wird, ohne dass man zur eigentlichen Aufgabe komme.

Doch das soll diesmal nicht passieren. „Sie müssen so oder so anfangen“, bemerkte dazu Schneider. Bauamtsleiter Hanspeter Amann sah den Vorteil des Fremdwasserbeseitungskonzepts darin, „zu wissen, wo die großen Probleme sind“. Nach den Ausführungen überzeugt von der Notwendigkeit der Maßnahme zeigte sich Gemeinderat Günter Lenke.