Kleines Wiesental Düstere Geschichten aus dem Tal

Markgräfler Tagblatt, 03.06.2014 23:00 Uhr

Kleines Wiesental. Um das blutige Geheimnis der Grabplatte an der St. Nikolauskirche in Neuenweg ging es kürzlich beim „Krone“-Frühschoppen. „Mord oder Totschlag?“ stand mit farbiger Kreide auf der Tafel am Eingang und lud Neugierige ein zum Vortrag von Werner Störk aus Schopfheim - ein Kenner der regionalen Geschichte und der des Kleinen Wiesentals.

Das Thema war das Epitaph von Neuenweg, eine Grabplatte aus Buntsandstein mit doppeltem Stierkopf und Nasenringen als Wappen, Straußenfedern und einem umfangreichen Leichentext. Diese Gedenkplatte hängt seit 1808 am Seitenportal der neuen Nikolauskirche über dem Dorf Neuenweg. Zuvor hing sie an der erstmals 1310 urkundlich erwähnten alten Kirche im Dorf.

Anhand dieser etwa 20 Zentimeter dicken und um die 500 Kilogramm schweren Grabplatte wurden die „Krone“-Besucher in einen historischen Kriminalfall auf europäischer Ebene im Kleinen Wiesental eingebunden. Sie konnten eine intensive Spurensuche durch ganz Europa in hiesigen Kirchenbüchern, in Archiven, in einer antiquarisch erworbenen Familienchronik und vor allem im Internet hautnah miterleben. Eine Spurensuche, die über zehn Jahre dauerte.

Diese einmaligen Bemühungen Störks gaben einer bislang unbekannten Person erstmals wieder eine konkrete Gestalt und ein konkretes Gesicht. Diese Spurensuche deckte nämlich den individuellen Schicksalsweg eines Menschen auf, der vor über 300 Jahren im Alter von gerade mal 43 Jahren einer Bluttat zum Opfer fiel: Johann von Markloffsky ist 1691 erstochen worden. Er gehörte dem Adelsgeschlecht Wieniawa an, das die polnischen Könige stellte und an dem legendären Prager Fenstersturz zum 30-jährigen Krieg beteiligt war. Markloffsky war ein typischer Berufssoldat, der beim Kaiser, bei den Kurfürsten von Bayern und Sachsen und auch in Baden anheuerte.

Trotz der intensiven Recherchen von Werner Störk bleiben Fragen offen. War Markloffsky der Erbauer der Verteidigungsschanzen auf dem Hau? War er Schanzenkommandant? Kannte er den „Türkenlouis“? War sein früher Tod Totschlag oder gar Mord? Warum sind die Gerichtsakten darüber verschwunden? Warum spart das Familienarchiv seinen Namen aus? Störk hat derzeit keine andere Erklärung, als dass diese 1692 unter Zeitdruck und damit sehr fehlerhaft bearbeitete Grabplatte als letztes ehrendes Andenken der Familie in Neuenweg im hinteren Kleinen Wiesental auf evangelischem Gebiet und weit weg von Kaiser und sächsischen Kurfürsten entstanden ist.

„Heimatgeschichte par excellence und Spannung pur“, nannte Hans Viardot vom „Krone“-Team diesen „Krone“-Frühschoppen. Werner Störk, der schon mehrfach im Wirtshausmuseum referiert hatte, nannte das Kleine Wiesental eine „einmalige Schatzkammer“ für Entdeckungen dieser Art.

 
 

Lesen Sie bis Jahresende das Verlagshaus Jaumann ePaper auf all Ihren Geräten für einmalig 38,50 Euro und sichern Sie sich einen 15,00 Euro Gutschein Ihrer Wahl. Hier geht's zum Angebot!