Kleines Wiesental „Keine gute Zeit für Südbaden“

Markgräfler Tagblatt, 12.09.2017 00:00 Uhr

Zum „Tag des offenen Denkmals“ hielt der renommierte Geologe und Historiker Werner Störk einen viel beachteten Vortrag über die spannende Geschichte des Dorfes Neuenweg.

Kleines Wiesental-Neuenweg (hf). Die Vorträge des Historikers mit ihren detaillierten Forschungen, den erhellenden Querverweisen auf die europäische und internationale Politik sind aufgrund der vielen neuen Erkenntnisse und aufgrund des lebendigen Vortrags des Schopfheimer Historikers beliebt. So hatten sich auch am Sonntag rund 50 Interessierte aus der ganzen Region im Rathaus Neuenweg eingefunden. Bei der Exkursion auf dem Hau stießen dann noch einmal knapp 20 Bürger dazu.

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In seinem Vortrag ging Werner Störk besonders auf die Geschichte der Reformation und ihre Konsequenzen für die Menschen in Südbaden ein. Nach dem Augsburger Religionsfrieden (1555) galt im Reich, dass der Territorialherr über die Religionszugehörigkeit seiner Untertanen entschied.

Das Haus Baden wurde in einen katholischen Norden und einen lutherisch-reformierten Süden geteilt. Neuenweg war ein strategisch wichtiger Ort, denn das Dorf grenzte direkt an das habsburgische Kaiserreich. Im Dreißigjährigen Krieg standen sich hier feindliche Truppen gegenüber. Die Verteidigungslinie des Türken-Louis verlief anfangs östlich von Schönau. Erst als während des Krieges französische Truppen Schönau mehrfach überfielen und brandschatzten, wurde eine zusätzliche Schanzlinie durch Neuenweg eingezogen, die strategisch wichtigen Passübergänge Richtung Osten sichern sollten.

Erste Schwierigkeiten hatten sich ergeben, als in der Folge des Reichstags von 1529 die evangelischen Territorien die konfiszierten katholischen Kirchengüter wieder zurückgeben sollten. Fünf evangelische Landesfürsten und 14 Reichsstädte hatten gegen diesen Entscheid Protest eingelegt (daher „Protestanten“ für evangelische Gläubige). Der Markgraf von Baden-Durlach schloss sich dieser „Protestation“ an und stellte sich im Dreißigjährigen Krieg gegen den deutschen Kaiser. Als er dann im Jahr 1622 mit 15 000 Mann gegen den Kaiser zu Felde zog, war das in den Augen des Kaisers Hochverrat. Schlimmer noch: Als der Markgraf im Jahr 1628 wegen verwandtschaftlicher Beziehungen dänische Soldaten und im Jahr 1630 schwedische Soldaten nach Baden-Durlach, also fremde Mächte auf deutsches Territorium zu Hilfe rief, musste das aus kaiserlicher Sicht als Landesverrat gewertet werden. Das hatte der Kaiser nicht vergessen, und in der Folge hatten die Menschen in Südbaden unter den Konsequenzen zu leiden. Das Markgräflerland lag schutzlos zwischen der Schwarzwaldlinie und dem gegenüberliegenden Habsburgischen Elsass.

Aber auch den Menschen im evangelischen Kleinen Wiesental ging es nicht besser. In Neuenweg waren zeitweise bis zu 2000 schwedische Soldaten zur Pass-Sicherung einquartiert, die sich bei der Bevölkerung ihren Proviant mit Gewalt holten. Marodierende Soldaten zogen durch das Tal und holten sich, was sie zu Leben brauchten. Dazu kamen erzwungene Schanzarbeiten von beiden Seiten. Und weitere große Erschwernisse durch insgesamt drei Pestepidemien, die viele Menschen das Leben kosteten. Es war keine gute Zeit für die Menschen in Südbaden. Und es ist das große Verdienst von Werner Störk, die Erinnerung an dieses Jahrhundert der großen Katastrophen wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Bei der anschließenden Exkursion führte der Historiker die Besucher zu den Schanzanlagen auf dem Hau und aufs Eck, um die Anlagen, ihre Bauweise und ihre strategische Bedeutung vor Ort zu erklären.

 
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