Kleines Wiesental Originale und Ortsnamen

Markgräfler Tagblatt, 20.07.2014 23:02 Uhr

Kleines Wiesental-Tegernau (ib). Um einzigartige Funde wie das „Krone-Fläschchen“, um wohl einmalige Relikte wie die Sternschanze Neuenweg oder auch um menschliche Originale geht es im jüngsten Band des Geschichtsvereins „Das Markgräflerland“. Vorgestellt wurde er von Erhard Richter und Renate Reimann in Niedertegernau - dem Kleinen Wiesental widmet sich die neueste Ausgabe.

Bereits 1998 wurde die „gute Stube“ des Landkreises beleuchtet. Allen Unkenrufen zum Trotz erzeugte das Buch so hohes Interesse, dass es zu einer Zweitauflage kam, die ebenfalls vergriffen ist. „Diese Resonanz war ihrerseits einmalig“, sagte Hans Viardot bei der Vernissage in der „Rothenburg“. Überzeugt gab er sich, dass das neue Exemplar ebensolchen Anklang finden wird.

Eingefunden hatten sich zur Präsentation Mitglieder aus dem gesamten Kreisgebiet. Teils gehören sie zu den Autoren, ihrer Tal-Wurzeln wegen, aber auch nicht ortsansässige wie natürlich Bewohner hielten Erzählenswertes fest. Sie schildern in elf Aufsätzen geschichtsträchtige Ereignisse, die in den Dörfern bewegten oder Aktivitäten herbei führten.

Deutlich wird die Verbundenheit des Menschenschlags. Bürgermeister Gerd Schönbett, der wegen Unschlüssigkeit auch ein Jahr Geschichte studiert hatte, wie er sagte, hob im Grußwort ein Merkmal hervor. Seine Gemeinde sei im Landesvergleich äußerst dünn besiedelt, jedoch eine der ausgedehntesten. Klaus Schubring blickte mittels Zeitmaßes von 900 Jahren weit zurück, „das Kleine Wiesental gilt erstaunlicherweise als Mutter des Großen Wiesentals“.

Michael Fautz nahm sich der Tegernauer „Krone“ an, wo etwa im August 1857 zum „Kegelschieben“ geladen wurde. Hans Viardot äußerte sich zum Erbe der Wirtin („Luis, aufmachen, Polizei!“ „Jo, das cha Jede sage“), dem „Krone“-Verein und zum Neubeginn als Wirtshausmuseum. Werner Störk befasste sich mit dem „Krone“-Fläschchen, einem uralten Parfüm- oder Medizinfläschchen, dessen Seltenheitswert weit über den hiesigen Raum hinaus gehe.

Rätselhaftes umgibt laut Werner Störk weiter eine Grabtafel der Nikolauskirche Neuenweg samt spannender Recherche. „Absolute Sonderstellung“ gar bescheinigt er der Sternschanze. Seine Abhandlung würzt der Experte mit fesselnden Fakten.

Für muntere Abwechslung sorgt der Lesestoff von Peter Müller, der sich der Tegernauer „Fasnecht“ annahm. „Kraftvoll wiederbelebt“ wurde der Brauch, der beim Verfasser zu Verblüffung führte. Nachlesen lässt sich der Lebenslauf von Persönlichkeiten, die man nicht vergisst. Etwa der vom „Vollmer Karli“, Wälderkind, Kulturarbeiter und Musikkoriphäe. Neben vielem schrieb er Marschmusikbücher. Sohn Hanspeter Vollmer hat ebenfalls alles aufgeschrieben, teils heiter, teils informativ.

An dieser wie an weiterer Stelle finden sich Bilder heimischer Maler. Als Bauer und Dichter galt Jakob Friedrich Vollmer („Vollmer Friedel“), dessen Lebenslauf von Kurt Vollmer notiert wurde. Sein Rückblick führt mitten hinein in Beschwerlich- und Annehmlichkeiten des Landlebens. Zur Auffrischung des Gedächtnisses dienen auch die Kapitel „35 Jahre DRK“ und „20 Jahre Hospiz“.

Teils  in anrührender Form erörtert Hans Viardot „Schatten“-Themen. Schwere Jahre griff zudem Christine Kaltenbach auf, sie führt in die Nachkriegsära Sallnecks ein. Angekommen ist man etwa in der Mitte der 224 Seiten, und den weiteren Teil füllen die Autoren Hubert Bernnat (Stetten – vorderöstereichischer Sperrriegel), Erhard Richter (Ortsname Grenzach / Römerstraße), Fred Wehrle (Häuserchronik Malsburg-Marzell) und mit Aufschlussreichem mehr.

Den Abend bereicherten die Sage zur „Rotenburg“ (Hans Viardot) und ein Porträt des Geschichtsvereins (Ehrenvorsitzender Erhard Richter) sowie Berthold Hünenberger (Duo Spootschicht). Danksagungen richteten sich an alle, die ein Dreivierteljahr immensen Einsatz leisteten.

u Erhältlich ist der Band für 19 Euro im Buchhandel. ISBN: 978-3-932738-52-4.

 
 

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