Kleines Wiesental Rätselhafte Wüstung „Steinihöff“

Markgräfler Tagblatt, 07.09.2017 00:00 Uhr

Am „Tag des offenen Denkmals“ (10. September) lädt der Lokalhistoriker Werner Störk dazu ein, Archäologie und Regionalgeschichte aus erster Hand zu erfahren.

Kleines Wiesental-Neuenweg. Archäologische Bodenspuren haben deshalb oft keine Lobby, weil man sie mehrheitlich nicht als beeindruckende Herrschaftsarchitektur in Form von Schlössern und Burgen oder in Form gemauerter Machtdemonstrationen als Festungen vorfindet – sondern eben unscheinbar als Erdwerke, Wälle und Gräben. Diese Einschätzung zu ändern und das Bewusstsein für gerade solche letzten Zeugen zu schärfen, ist Ziel einer besonderen Veranstaltung, die mit einem ganz speziellen Informationsangebot aufwarten kann.

Die Forschungs- und Erkundungsarbeiten rund um Neuenweg begannen im Februar 2016 und dauerten bis März 2017. Bei insgesamt 36 Vorortbegehungen konnte der Lokalhistoriker Werner Störk (Schopfheim) an 142 Geländepunkten 19 archäologische Objekte dokumentieren. Davon allein an zehn bislang nicht bekannten beziehungsweise fachwissenschaftlich noch nicht beschriebenen oder dokumentierten Standorten.

Da die untersuchten Schanzanlagen bei Neuenweg mehrheitlich in der Epoche des Barocks entstanden sind, ist nicht nur das diesjährige Motto für den „Tag des offenen Denkmals“ mit dem Titel „Macht und Pracht“ sehr passend, sondern auch die zusätzliche Intention, im Rahmen des aktuell laufenden Reformationsjahres inhaltliche Themenbezüge zu schaffen. Dazu bietet sich Neuenweg schon aufgrund der territorialen und gleichzeitig konfessionellen Grenzlage und seiner besonderen Rolle während des Dreißigjährigen Krieges an – wobei die Auswirkungen noch bis in den heutigen Alltag hinein spürbar sind.

In Kooperation mit der Gemeinde Neuenweg eröffnet im dortigen Bürgersaal des Rathauses Werner Störk mit einem bilder- und informationsreichen Kurzvortrag diese Sonderveranstaltung und wird erstmals in der Öffentlichkeit von den Forschungs-ergebnissen der zwei neuen Schanzen auf dem „Hau“-Pass (der zu unterschiedlichen Epochen mit insgesamt sechs Wehranlagen befestigt war) berichten. Auch die rätselhafte Wüstung (abgegangene Siedlung) „Steinihöff“ – wohl eine historische Bergbau-Hofsiedlung im Zusammenhang mit der Silber- und Bleierzgrube am „Spitzkopf“ – stellt er vor. Sowie die erstaunliche Geschichte eines in Neuenweg wiedergefundenen Fragments von einem Buntsandstein-Türsturz aus dem Jahre 1767 – auch ein beredtes Zeugnis der Neuenweger Wirtshaus-Geschichte und ihrer intensiven Verbindung zum hiesigen Bergbau, das aber auch ein Streiflicht auf die verheerende Brandkatastrophe vom 8. Oktober 1903 wirft.

Der 45-minütiger Vortrag bildet den Auftakt zu den beiden sich unmittelbar anschließenden Sonderführungen mit dem Referenten, der auch Träger der höchsten bundesdeutschen Ehrung im Denkmalschutz, dem Deutschen Denkmalschutzpreis, ist. Zunächst geht es vom Rathaus aus in Fahrgemeinschaften auf den östlichen „Hau“-Pass mit einer zirka 45-minütigen Erklärung vor Ort und danach weiter auf den westlichen „Eck“-Pass. Voraussichtlich um 14 Uhr wird die Veranstaltung dort auf dem „Schlossboden“ abgeschlossen.

Diese Kombination von Powerpoint-Vortrag und direkt anschließenden Exkursionen wird es in dieser Form nur an diesem Tag geben. Nicht umsonst wurde der Termin deshalb auch auf den „Tag des offenen Denkmals“ gelegt. Die Veranstaltung, die bewusst keine großen Wegstrecken zu Fuß abfordert, beginnt am Sonntag, 10. September, um 11 Uhr im Rathaus von Neuenweg und endet voraussichtlich um 14 Uhr (Rucksackverpflegung und wetterfeste Kleidung).

 
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