Von Marco Fraune

Alejandro Josè Häßler will aufrütteln, informieren und endlich wieder ein normales Leben führen. Der 24-jährige Rheinfelder hat die Diagnose ADHS/ADS. Nur der Konsum von Cannabis hilft ihm, seinen Alltag zu meistern. Die Hürden, an seine Medizin zu kommen, sind aber sehr hoch.

Kreis Lörrach. Die Erlaubnis nach Paragraf 3 Absatz 2 des Betäubungsmittelgesetzes hat der Familienvater vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erteilt bekommen. Er darf Cannabisblüten aus der Apotheke zur ärztlich begleiteten Selbsttherapie beziehen. Der Knackpunkt: Pro Monat muss der Rheinfelder für das als Einstiegsdroge und auch als Medizin geltende Cannabis zwischen 1700 bis 1800 Euro berappen. Denn: „Die Krankenkasse weigert sich, wie bei allen nicht tödlich Kranken, diese notwendige Therapie zu bezahlen.“ Der Schwarzmarkt bleibt daher als einzige Alternative, die er aber nicht nutzen will. „Ich habe mir das Recht auf das Medikament erkämpft, doch nun werde ich in die Illegalität getrieben. Ich habe doch eine Frau und ein Kind zuhause.“

Die schulmedizinische Behandlung mit den bekannten Präparaten Ritalin, Medikinet, Strattera zeigt bei Häßler keine Wirkung oder starke Nebenwirkungen. Ohne die Linderung seiner Krankheit sinkt jedoch die Impulskontrolle. Das Aggressionspotenzial steigt, die Zurückhaltung sinkt. „Ich bin sehr leicht reizbar, werde schnell laut und rege mich auf.“

Seine Krankheit hat den 24-Jährigen bereits einige Nerven gekostet. Wegen Cannabis-Konsums musste er zudem seinen Führerschein abgeben, seinen Arbeitsplatz hat er im September vergangenen Jahres verloren und auch seine Ausbildung beim Zoll musste er krankheitsbedingt abbrechen.

Aufgeben will Häßler aber nicht. Vielmehr hofft er aktuell darauf, dass das Lörracher Jobcenter mit Beteiligung des medizinischen Dienstes ihm einen neuen Weg aufzeigen kann. „Dann habe ich viele Möglichkeiten.“ Doch dazu müsse er Cannabis als Medizin nutzen können.

Euphorie bezüglich der Zukunftsperspektive bricht aber nicht aus. „Viele Arbeitgeber tabuisieren noch das Thema Cannabis als Medizin, wodurch ich auch bei meiner Jobsuche auf viele verschlossene Türen stoße.“

Ähnliche Schwierigkeiten habe er bei Medizinern gehabt. Weder sein Hausarzt noch dessen Kollegen, heimische Psychologen oder auch Heilpraktiker wollten den Weg zum legalen Cannabis-Konsum ebnen. „Es herrschte ein grundlegende Desinteresse, sich damit auseinander zu setzen.“ Außerdem will Häßler erkannt haben, dass die Ärzte um ihren Ruf fürchten und sie die Praxis lieber frei von solchen Drogen halten. „So musste ich über 600 Kilometer fahren.“ Den Arzt-Tipp erhielt er über ein Soziales Netzwerk. Drei Monate später lag dann die Erlebnis zum Bezug von Cannabis aus der Apotheke vor.

Dort ist aber auch nicht immer die passende Blüte erhältlich, erzählt Häßler. Seine Erlaubnis beinhalte zwar den Konsum von fünf verschiedenen Sorten, doch nur drei seien tatsächlich für ihn möglich, zwei davon jedoch nicht lieferbar. „Und die eine Blüte ist nicht die Optimalste.“

Die Kostenübernahme will er aber bei der Krankenkasse oder alternativ durch das Jobcenter einklagen beziehungsweise einfordern. Einen Plan B hat der Familienvater zudem als Alternative im Blick: der Eigenanbau seiner Medizin. Dabei bezieht er sich auf ein Urteil aus dem vergangenen Jahr, das eine Einzelfallprüfung des Cannabis-Anbaus zur Eigennutzung vorsieht. Konkret heißt das für Häßler, dass er die Cannabis-Pflanzen bis zur Reife züchtet und zugleich eine Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft vornimmt, bis der Staat eine gesetzliche Regelung für solche medizinischen Fälle getroffen hat. Denn: „Die politischen Entscheidungsprozesse gestalten sich extrem schleppend.“ Natürlich bestehe beim Selbstanbau das Risiko, dass die Polizei kommt. „Man muss es abwägen.“ Doch zurück auf den Schwarzmarkt will er auch nicht.