Kreis Lörrach Auf den Spuren der Geschichte

Die Oberbadische, 28.09.2015 23:02 Uhr

Von Silvia Waßmer

Kreis Lörrach. Ein umfangreiches Programm hatte sich der Geschichtsverein Markgräflerland bei seiner Tagung am Sonntag in Hausen und Zell im Wiesental vorgenommen: Los ging es mit einem Vortrag von Professor Klaus Schubring über Hausen zur Zeit Johann Peter Hebels sowie einem anschließenden Besuch des gleichnamigen Museums und einer Besichtigung des Dorfkerns. Zudem wurde nach der Wahl Hubert Bernnats zum neuen Vorsitzenden am Nachmittag das Wiesentäler Textilmuseum in Zell besucht.

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Zur Zeit Johann Peter Hebels (1760 – 1826) wuchs bedingt durch einen Geburtenüberschuss die Hausener Bevölkerung, klärte Klaus Schubring in seinem Vortrag die interessierten Zuhörer im Feuerwehrsaal auf. Dabei sei es sehr schnell aufwärts gegangen, wie der Historiker anhand von Einwohnerzahlen belegte. Lebten im Jahr 1700 noch 226 Bürger im Dorf, waren es 100 Jahre später schon 478 Menschen. Schubring: „Die Einwohner waren fast alle Leibeigene.“ In Hebels jungen Jahren besaß die badische Leibeigenschaft aber keine praktische Bedeutung – zumal der Markgraf diese im Jahr 1783 aufhob. Die höchste Stelle in der Dorfhierarchie nahm der Pfarrer ein, der zugleich Diakon der Pfarrei Schopfheim war. Auch der Lehrer genoss hohes Ansehen, obwohl sich dies im Geldbeutel nicht bemerkbar machte. Die übrige Bevölkerung war ebenso bis auf wenige Ausnahmen auf einen Zuverdienst angewiesen, wie Quellen und das Beispiel des 1784 zum Vogt ernannten Johann Michael Clais belegen, der neben seiner Tätigkeit als Dorfoberhaupt zudem als Bäcker und Wirt arbeitete. Die Arbeiter des Eisenwerks hingegen verdienten gut, da die dortigen Arbeitsplätze alle Besoldungsstellen gewesen sind.

Rund 40 Jahre wurde die evangelische Kirche im Dorf neu erbaut, um die sich das Dorfzentrum befand. Noch heute sind viele der damaligen Strukturen vorhanden, erklärte Schubring und zeigte diese anschließend bei einem kleinen Spaziergang durchs Dorf. Zudem erläuterte Bürgermeister Martin Bühler kurz die heutige Situation der Gemeinde und erklärte, dass er froh sei, dass Hausen „den Verein immer unterstützt“.

Von den Gemeinden Hausen und Zell handelt auch der diesjährige 222 Seiten umfassende Band „Das Markgräflerland“, der am 28. August vorgestellt wurde, wie der scheidende Vorsitzende Erhard Richter in seinem Jahresbericht kurz erläuterte. In vier Vorstandssitzungen sei der Stand der Familienbücher besprochen sowie die Tagung des kommenden Jahres vorbereitet worden. Diese wird am 25. September im Lörracher Dreiländermuseum stattfinden. Weitere Themen waren die Digitalisierung sowie Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium über einen Zuschuss, der erfreulicherweise doppelt gewährt worden war. „Der Hauptgewinn ist aber Herr Bernnat“, betonte Richter – und freute sich, mit dem studierten Historiker und langjährigen Schulleiter des Hans-Thoma-Gymnasiums, Hubert Bernnat, einen qualifizierten Nachfolger gefunden zu haben.