Kreis Lörrach Familien sollen Wohnung behalten

Die Oberbadische, 07.02.2014 23:02 Uhr

Von Marco Fraune

Kreis Lörrach. Wie kann Wohnungslosigkeit von Familien im ländlichen Raum verhindert werden? Eine Antwort für ganz Deutschland soll ein Modellprojekt geben, das gestern offiziell im Erich-Reisch-Haus in Lörrach gestartet ist und für das vom Familienministerium in Berlin bis Ende 2016 jährlich 25 000 Euro in den Landkreis fließen.

Ziel ist es, Familien im Landkreis zu beraten, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind. „Wir wollen versuchen, die Familien möglichst frühzeitig zu erreichen“, erklärt Stefan Heinz, Leiter des Erich- Reisch-Hauses in Lörrach, den Ansatz. Noch vor einer möglichen Räumungsklage will Sylvia Ziegler von der Fachstelle Wohnungssicherung hier aktiv werden und auch auf die Betroffenen zugehen. Das im Landkreis bestehende Netzwerk aus verschiedenen Stellen – wie dem Jobcenter oder auch den Sozialen Diensten – soll bei ihr frühzeitig Alarm schlagen, damit die betroffenen Familien nicht aus den vier Wänden ausziehen und sich dann auf die schwierige Suche nach neuem bezahlbaren Wohnraum machen müssen.

Obwohl dieser präventive Ansatz auch vom heimischen Bundestagsabgeordneten Armin Schuster (CDU) geschätzt wird, habe er doch Schwierigkeiten gehabt, in der Bundeshauptstadt Geld für das Projekt locker zu machen. „Es war schwierig wegen der eigentlich nicht vorhandenen Förderkulisse.“ Letztlich überweist das Familienministerium die insgesamt 75 000 Euro für ein Modellprojekt mit dem Fokus ländlicher Raum und Familien, von dem man sich Ergebnisse für die gesamte Republik erwartet. Schuster: „Wir sind davon überzeugt, dass es nicht nur sozial ist, sondern es sich auch betriebswirtschaftlich rechnet.“

Der AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg, der nicht nur Projektpartner ist, sondern auch Antragsteller der Fördergelder für das vom Erich-Reisch- Haus ausgeführte Modellvorhaben, rechnet ebenfalls mit guten Ergebnissen. „Es könnte ein wegweisendes Projekt sein“, ist Diözesanreferent Thomas Rutschmann optimistisch. Speziell im Landkreis Lörrach gebe es für sozial Schwache Probleme, bezahlbare und geeignete Wohnungen zu finden.

Das Landratsamt sei hier „ideell, aber nicht finanziell beteiligt“, erklärte Kreis-Sozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella. Wenn das Modellprojekt aber Schule macht, könnte der Landkreis möglicherweise in einigen Jahren die Kosten übernehmen. Wie mehrfach berichtet, wird schon jetzt im Rahmen der Sozialstrategie darauf gesetzt, frühzeitig aktiv zu werden und Geld in die Hand zu nehmen, um spätere Transferleistungen zu verhindern. „Es ist aber noch zu früh zu sagen, ob der Landkreis die Kosten übernimmt“, weiß auch Zimmermann-Fiscella noch nicht, welche Kosten-Nutzen-Rechnung bei dem Projekt steht.

Erst einmal ist Ziegler gespannt auf ihre neue Aufgabe, sich nicht nur – wie bislang der Fall – um Problemlagen in Lörrach und Weil am Rhein zu kümmern, sondern nun im gesamten Landkreis. „Auch im ländlichen Raum ist es schwierig, neuen Wohnraum zu finden“, weiß sie schon jetzt. Und auch hier seien dann natürlich speziell die Kinder betroffen. Diese würden im schlimmsten Fall aus ihrem sozialen Umfeld gerissen, kennt Heinz die fatalen Auswirkungen.

Noch nicht verbrieft ist, ob die Einführung einer Fachstelle Wohnungssicherung mit dem Schwerpunkt Familien tatsächlich positive Effekte hat – und wenn ja, welche. Eine wissenschaftliche Begleitung durch die Duale Hochschule in Villingen-Schwenningen soll hier Antworten liefern.

Das Modellprojekt wird von der Dualen Hochschule Villingen-Schwenningen wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Dabei sollen ganz unterschiedliche Aspekte untersucht werden. Neben den Ursachen von Wohnungsverlusten soll die Wirksamkeit der Fachstelle ein Thema sein. Ebenso wird ein Fokus auf „Lücken“ im bisherigen sozialen Netz gelegt, die Wohnungsverluste begünstigen (wie mangelnde Mobilität, Information, Ansprechpartner).