Kreis Lörrach Länderübergreifend retten und helfen

Die Oberbadische, 14.08.2014 23:01 Uhr

Von Marco Fraune

Kreis Lörrach. Die Rettungseinsätze im Dreiländereck machen nicht an der Grenze zur Schweiz halt, an der französischen bilden unterschiedliche Strukturen, die Sprachbarriere und weniger persönliche Netzwerke hingegen schon eher Probleme für einen reibungslosen Ablauf. Das konnte der THW-Präsident Albrecht Broemme bei einem Besuch der Integrierten Leitstelle (siehe nebenstehender Bericht) und der Feuerwache in Lörrach erfahren, der vom Bundestagsabgeordneten Armin Schuster in den Landkreis Lörrach eingeladen wurde.

Eine Rettung im Wiesetunnel, auf der Zollfreien, im Bereich des Güterbahnhofs Weil am Rhein/Basel oder auf dem Rhein liegt nicht nur in den Händen der Schweizer oder der Deutschen allein, sondern hier greifen in den vergangenen Jahren ausgearbeitete gemeinsame Rettungsstrukturen, schilderte Jürgen Schernhammer, Leiter der Feuerwehr Lörrach. Teilweise sind diese sogar in einem Staatsvertrag festgelegt. Für die Erstrettung im neuen Wiesetunnel ist die Feuerwehr Weil am Rhein zuständig, wenn etwas auf der Zollfreien passiert, hingegen die Feuerwehr Lörrach. Wenn jenseits der Straßen noch eine Fläche von den Rettern aus dem Landkreis benötigt wird, können diese wie deutsches Gebiet behandelt werden.

Wie sich nationale Grenzen bei einer Rettung dennoch auswirken können, hat jüngst ein Fall am Autobahn-Zoll Weil am Rhein/Basel gezeigt, wo ein holländischer Container havariert war. Zolltechnisch war er bereits abgefertigt und stand auf Schweizer Hohheitsgebiet, doch befand er sich auf deutschem Grund und Boden. Die Berufsfeuerwehr Basel wurde hinzugezogen, auch die Landratsamtsspitze war beteiligt. Glücklicherweise konnte in dem Konglomerat an Verantwortlichkeiten die Empfängerfirma in Basel überzeugt werden, die entzündliche Fracht entgegenzunehmen. „Durch den gemeinsamen Einsatz konnte es unproblematisch gelöst werden“, schilderte Werner Schmid von der Feuerwehr Lörrach ein Positivbeispiel der Zusammenarbeit.

Während am Güterbahnhof regelmäßige binationale Einsätze anstehen, gab es erst vor wenigen Tagen bei der Havarie eines Schiffs auf dem Rhein am Dreiländereck einen nicht alltäglichen Großeinsatz (wir berichteten). „Das Zusammenspiel beim Schiffsunglück funktionierte“, zog Schmid auch hier ein positives Fazit. Beteiligt war auch das THW.

Für die Rheinrettung gibt es eine Unterteilung in drei Abschnitte von der Rheinfelder Brücke bis zum Stauwehr Märkt. Mit einem georeferenzierten System und einem Ordner, mit dem der Einsatzleiter eine Handreichung zu Strömungen und sonstigen Besonderheiten erhält, kann hier über die Grenzen hinweg gearbeitet werden. „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend“, unterstrich auch Oberst Dominik Walliser, Leiter der Rettung Basel-Stadt. Zur Win-Win-Situation zähle auch, dass nicht jede Rettungseinheit ihre eigenen teuren Geräte vorhalten müsse.

Der THW-Präsident lobte die Zusammenarbeit in der Regio. Als bemerkenswert bezeichnete er, an wie vielen Stellen es eine Zusammenarbeit mit der Schweiz gebe.

Kreis Lörrach (mcf). Bei seinem Besuch in Lörrach hat sich der THW-Präsident Albrecht Broemme auch einen Eindruck von der Arbeit der integrierten Leitstelle verschafft, die vom Landkreis und dem DRK betrieben wird. Svend Appler, Geschäftsführer beim DRK-Rettungsdienst Lörrach, schilderte dabei auch die Vernetzung der Helfer über die Grenzen hinaus, wobei das THW neben den 32 Feuerwehren im Landkreis hier eingebunden ist.

„Die Zusammenarbeit mit der Schweiz ist einfacher“, verwies Appler vor allem auf eine Sprachbarriere zu Frankreich. Notfalls unterstütze die Sanität Basel den Lörracher Rettungsdienst und auch umgekehrt. Alarmiert werden könne der in Basel stationierte Hubschrauber. Auch bei der Rheinrettung gebe es festgelegte Rettungsstrukturen. „Mit Frankreich gibt es etwas weniger Berührungspunkte“, was auch an der Ausrichtung nach Paris liege. „Da haben wir noch Möglichkeiten.“

Dass auch das THW bei der Leitstelle eingebunden ist, schilderte der Lörracher Ortsbeauftragte Udo Rebell. Teilweise erhalte er auch direkt die Anrufe von den Behörde oder häufig direkt über den „Piepser“. Patrick Winterhalter vom Müllheimer THW ergänzte zudem, dass auch landkreisübergreifend gearbeitet werde.

 
 

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