Kreis Lörrach Landkreis hinkt hinterher

Die Oberbadische, 08.09.2017 17:05 Uhr

Von Wolfgang Göckel

Basel verhilft dem Radfahren zu spürbar mehr Rückenwind als es die badischen Nachbarn tun. Marketing sei dabei unverzichtbar, wie die IG Velo Landkreis Lörrach bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung erfahren hat.

Regio. Martin Dolleschel und Samuel Diethelm gehören im Basler Amt für Mobilität zu jenen, die Basel zur velo­freundlichsten Stadt der Schweiz entwickeln wollen. Heute nutzen 16 Prozent der Basler das Fahrrad, 27 Prozent den Öffentlichen Verkehr, 27 Prozent gehen zu Fuß – und nur noch 18 Prozent sitzen im Auto. Der Autoverkehr muss bis 2020 nochmals um zehn Prozent verringert werden, steht im Umweltschutzgesetz geschrieben.

Wer umsteigt aufs Fahrrad, kommt auf Basisrouten und auf schnelleren Pendlerrouten ans Ziel. An Kreuzungen und wo sonst möglich, bekommen Radfahrer Vorteile eingeräumt: Sie sollen nicht unnötig Zeit verlieren und durchaus direkter ans Ziel kommen als Autofahrer. Es gilt noch etliche Lücken im Radwegenetz zu schließen – und treffen Projekte den Autoverkehr, regt sich auch in Basel heftiger Widerstand, wie die Referenten berichteten „Da muss man dann mutig und hartnäckig sein“, merkte Dolleschel an.

Basel war leuchtendes Vorbild, als Alltagsradler vor 30 Jahren die IG Velo Landkreis Lörrach gründeten. Seither hat sich auf deutscher Seite viel getan. Doch Basel hat einen klaren Vorsprung behalten. Was zu tun ist, geben der Masterplan Velo sowie ein Teilrichtplan Velo klar vor. Weitere Investitionen in die Infrastruktur werden vorbereitet. Und klar ist dem Kanton: Er muss nicht nur bauen, er muss zugleich die Lust am Radfahren anfachen.

„Marketing & Services“ lautet das Motto des zweites Teils der Veloförderung; auf badischer Seite ist Vergleichbares höchstens ansatzweise zu finden.

Unter der Dachmarke „Basel unterwegs“ finden sich zum Beispiel E-Bike-Testwochen für Unternehmen, was Pendler zum Umsteigen auf zwei Räder bewegen soll. Der Kanton hat auch Cargo-Bikes (Kisten-Velos) angeschafft, bis heute konnten 400 Familien das praktische Gefährt ausprobieren; und 100 Familien haben vom Kanton je 1000 Franken erhalten, ein Zuschuss für den Kauf.

Mobilitäts-Projekte in Schulen, die Kampagne Fair-im-Verkehr, die Mobilitätswoche ab 11. September sind weitere Bausteine des Basler Velo-Marketings. Der innerschweizerische Wettbewerb ist hart, zur velofreundlichsten Stadt fehlt Basel noch manches, wie zu erfahren war.

Bei den großen Städten liegt Winterthur vorne, bei den kleineren glänzt ganz besonders Burgdorf.

 
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