Kreis Lörrach „Mangelndes Balance-Gefühl“

Die Oberbadische, 13.04.2014 23:00 Uhr

Lörrach (lu). Dass es eine Anpassung beim Landesjagdgesetz geben muss, darüber sind sich alle einig. Was allerdings die grün-rote Landesregierung jetzt als Entwurf zum Jagd- und Wildtiermanagement präsentiert hat, kommt bei den Jägern nicht gut an.

„Der Referentenentwurf ist schlicht und einfach inakzeptabel“, kritisierten unisono Dietrich Brombach, Vorsitzender der Badischen Jäger im Kreisverband Lörrach, sowie der Vize im Kreis und im Bezirk Ralf Herzog. Beim 3. Jägerstammtisch an der Regio-Messe war am Samstag für reichlich Zündstoff gesorgt.

Zustimmung erhielten die Jäger von den weiteren Diskussionsteilnehmern, MdB Armin Schuster (CDU), Erich Hildebrand (Kreisrat FW), Paul Renz (CDU Rheinfelden), Heinz Intveen (Kreisrat SPD), Emil Franz (FW Rheinfelden) und Christoph Hoffmann (Bürgermeister Bad Bellingen). Lediglich Alfred Winkler (SPD) hatte einen schweren Stand. Immerhin hatte er ja, der sein Landtagsmandat erst Anfang des Jahres zurückgegeben hatte, am Entwurf mitgearbeitet – und dabei, wie er gestand, „in einigen Punkten Bauchweh gehabt“.

„Das wird ein regulatorischer Mehraufwand, alles wird komplizierter“, zeigte sich Christoph Hoffmann, Bürgermeister von Bad Bellingen und Diplom-Forstwirt, nicht begeistert von dem Referentenentwurf. Er bescheinigte einen guten Willen, doch kritisierte er die Praxisferne.

Zudem sieht er, ebenso wie Heinz Intveen, die Kreiskasse durch den geplanten Wildbeauftragten belastet. „Wir haben jetzt schon Probleme bei der Jagdpacht, wenn das so kommt, wird’s noch schlimmer“, warnte Paul Renz.

Für Gängelei hält Erich Hildebrand die Vorlage, in der er auch ein zu starkes Entgegenkommen an die Naturschutzverbände vermutet. Armin Schuster attestierte ein mangelndes Gefühl für Balance und sah es daher als folgerichtig an, dass nicht nur Jagdverbände, sondern auch Gremien wie Städte- und Gemeindetag auf die Barrikaden gegangen sind.

Was von den Jägern angeregt wurde und jetzt aber vermisst wird, ist die Wildschadenausgleichskasse, in die Jagdpächter und Landwirte gleichermaßen einzahlen. Aufs Korn genommen wird von den Jägern zudem die zweimonatige Jagdruhe auch für Schwarzwild. Ebenso stößt das Fütterungsverbot auf, das, vor allem in höheren Schwarzwaldregionen, nicht im Sinne von mehr Tierschutz sei.

Bis zum 15. Mai haben Jäger und Verbände die Möglichkeit, ihre Meinung zum Referentenentwurf kundzutun. „Es gilt, gesunde Kompromisse zu finden“, sprach Ralf Herzog am Jägerstammtisch ein salomonisches Schlusswort, wohl wissend, dass noch nie ein Referentenentwurf unverändert Gesetz wurde.

 
 

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