Kreis Lörrach Mindestens eine Klinik stirbt

Die Oberbadische, 22.07.2015 23:01 Uhr

Von Marco Fraune

Kreis Lörrach. Künftig wird es mindestens eine Kreisklinik weniger im Dreiländereck geben. Der Kreistag hat gestern in einem ersten „Zwischenschritt“ die Abkehr vom Drei-Standorte-Modell beschlossen. Damit wird auf jeden Fall das Krankenhaus in Rheinfelden oder in Schopfheim geschlossen. Sollte sich die Kreispolitik später für ein Zentralklinikum entscheiden, würden sogar alle bisherigen drei Standorte dicht gemacht.

Ob bei den Zentralklinikum-Plänen auch das St. Elisabethen-Krankenhaus in Lörrach mit Berücksichtigung finden muss, werden noch Gespräche mit dessen Träger, dem „Orden der barmherzigen Schwestern“, ergeben. Ein Gespräch ist schon angesetzt, informierte Landrätin Marion Dammann gestern. Zuvor habe es schon Gespräche mit dem „Eli“ gegeben.

Noch will sich die Kreispolitik aber nicht auf ein Szenario festlegen, sondern drei Alternativen prüfen lassen: ein Zentralklinikum „auf der grünen Wiese“, ein Hauptstandort an der Spitalstraße in Lörrach mit einer Außenstelle ohne OP-Vorhaltung in Schopfheim beziehungsweise einer Außenstelle in Rheinfelden ohne Operationssaal. Gleichzeitig wurde schon eine konzeptionell-inhaltliche Überlegung für die mögliche nachfolgende Nutzung von wegfallenden Standorten durch die Kreispolitik auf den Weg gebracht.

Während CDU, SPD und Grüne den Zwischenschritt machen wollten, drei Alternativen zu prüfen, drängten die Freien Wähler und die FDP schon aufs Tempo. „Wir wollen die große Lösung“, erklärte Freie-Wähler-Chef Ulrich May, der sich für einen „Neubau aus einem Guss“ aussprach. Voraussetzung dafür sei die finanzielle Machbarkeit. „Und die ist nachgewiesen“, verwies er auf die Arbeiten des eingebundenen Klinik-Beratungsunternehmens Andree Consult. Als Nachnutzung für den bisherigen Klinikstandort Rheinfelden schlug May eine geriatrische Rehabilitationseinrichtung sowie ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) sowie für Schopfheim ein größeres MVZ vor.

Als „wenig sinnvoll“ erachtete FDP-Chef Wolfgang Roth-Greiner die anderen beiden Alternativen. Auch seine Fraktion setzt klar auf das Zentralklinikum. „Maximal medizinische Qualität und Leistungsfähigkeit hat Vorrang vor den Finanzen.“ Den neuen Standort sieht er ebenso wie May aber weiterhin in Lörrach, wo es einen Anschluss zur A 98 und zur Bahn gebe.

Landrätin Marion Dammann machte klar, dass alle Fraktionen wohl eine Präferenz haben, ein Zentralklinikum in zentraler Lage zu errichten. Doch müsse ein passendes Grundstück erst einmal gefunden werden. „Wir sollten nicht den politischen Fehler begehen, keine Rückfallmöglichkeit zu haben, wenn wir keinen Standort finden.“ Jeder wisse natürlich um die Nachteile der anderen Varianten.

CDU-Fraktionschef Paul Renz warb ebenfalls für den Zwischenschritt im Entscheidungsprozess. Die Finanzierungsfrage habe dabei eine „große Bedeutung“. Gabriele Weber (SPD) sah es als „völlig richtig“ an, dass auch weitere Punkte wie die Nachnutzung oder auch die Einbindung des „Eli“ im Beschlussvorschlag mit aufgeführt waren. Den Finanzierungsplan will auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Heike Hauk vor einer weitreichenden Entscheidung vorliegen haben.

Verbunden mit dem einstimmigen Beschluss des Kreistages war auch, dass entweder Rheinfeldens Oberbürgermeister Klaus Eberhardt (SPD) oder Schopfheims Bürgermeister Christof Nitz (CDU) gestern das Aus ihres Krankenhauses beschlossen haben. Beide warben in ihren Stellungnahmen dafür, sich nicht schon auf das Zentralklinikum festzulegen. Von der Finanzierung bis zur Verfügbarkeit müssten noch Fragen geklärt werden, erklärte Nitz. Die Vorteile des Zentralklinikums wollte Eberhardt nicht abstreiten. „Es braucht aber eine Rückfallebene“, falls dieser Plan nicht umsetzbar sei. Zugleich dürfe nicht vergessen werden, dass an den bisherigen drei Standorten gute Arbeit geleistet wurde. „Es ist nicht gut, das eine schlecht, das andere perfekt zu reden.“ Auch Lörrachs OB, Jörg Lutz (SPD), hält das Vierteljahr zur Prüfung noch für vertretbar.

Mit Berücksichtigung finden soll laut dem Beschluss, dass die rettungsdienstliche und notärztliche Versorgung im gesamten Kreis sichergestellt bleiben soll. Ein Antrag zur psychiatrischen Vollversorgung wurde hingegen in den Fachausschuss verwiesen.

 
 

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