Von Marco Fraune

Kreis Lörrach. Der ehemalige Ski-Springer Martin Schmitt soll zeitnah Botschafter werden, das Hans-Thoma-Gymnasium mittelfristig als Kooperationsschule agieren und das Vermögen langfristig die Millionenmarke knacken: Die vor gut eineinhalb Jahren gegründete „Sportstiftung Südbaden“ hat jetzt weitere Pläne ihres Wirkens vorgestellt. Leitgedanke und Ziel ist die Unterstützung von Nachwuchssportlern aus der heimischen Region, die dieser ansonsten verloren gingen.

Im Gegensatz zur Rhein-Neckar-Region, wo sich große Automobilkonzerne oder Firmen wie SAP beim Sportsponsoring nicht lumpen lassen, ist im äußersten Südwesten der Republik die Aufstockung des Stiftungs-Kapitals echte Kärrnerarbeit. Als neuer Förderer konnten Stiftungs-Vizepräsidentin Heidi Thron und Stiftungsrat Armin Schuster nun die Lörracher Brauerei Lasser gewinnen, welche die zweite Möglichkeit der Unterstützung wählte.

Geschäftsführer Andreas Walter setzt also nicht auf die Aufstockung des Startkapitals 55000 Euro, sondern will jetzt etwas bewirken. „Wir sind seit vielen Jahren Unterstützter von fertigen Mannschaften. Doch davor stehen Einzelsportler, die sich noch entwickeln müssen. Dort wollen wir nun ansetzen.“ Mit der Sportstiftung gebe es endlich eine Institution, die mithelfe Weichen zu stellen.

Die „Zustiftung“, wie diese Form der finanziellen Unterstützung des Stiftungsanliegens ist, nehme gerade in der Niedrigzinsphase, wenn das Stiftungsvermögen sich nicht so schnell vermehrt, einen hohen Stellenwert ein, unterstreicht Thron. Wie die Brauerei wollten viele Firmen zusehen, dass ihr Engagement Früchte trägt und die Sportler an Boden gewinnen. Daher sei diese Möglichkeit in der Satzung der Sportstiftung definiert, von der es in Baden-Württemberg nur noch eine weitere gibt.

Dort ist man zwar finanziell auf Rosen gebettet, weiß Schuster, doch solch eine Vielzahl von Aktiven fehle bei dem Pendant. Zugleich hofft der heimische Bundestagsabgeordnete, dass in 20 Jahren auch das Startkapital auf eine Millionensumme angewachsen ist. Lörrach soll dann nur noch die Keimzelle der Stiftung sein, der Hauptsitz hingegen in Freiburg wirken. Noch heiße es aber, „im Ameisenverfahren eine Vielzahl von Stiftern zu akquirieren“. In Form des „Türklinkenputzens“ seien schon etwa 35 Stifter überzeugt worden.

Der ehemalige Skispringer Martin Schmitt zählt dazu. Der Vorzeige-Sportler soll als Botschafter gewonnen werden. Schuster sieht dieses Ansinnen als „erfolgsversprechend“ an, da schon erste positive Signale nach der Kontaktaufnahme erfolgten. „So einen wollen wir haben. Am liebsten in einer herausgehobenen Position der Sportstiftung.“

Im sportlichen Bereich ist das Stiftungs-Ziel schon aufgleist: Begleitet wird die Suche nach förderwürdigen Nachwuchssportlern vom Badischen Sportbund und dem Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald (OSP). Als erste Biathletin hat Helena Gnädinger über diesem Weg eine monatliche finanzielle Absicherung erhalten. Dass diese nun sportlich auf dem absteigenden Ast ist, sehen die Stifter nicht als Problem an. „Es gibt genügend Talente, die förderwürdig sind“, weiß Vorstandsmitglied Uli Nodler.

Um gerade den jungen Sportlern die Vereinbarkeit von Sport und Schule zu ermöglichen, ist ein besonderes Projekt ins Auge gefasst. Das Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach könnte eine Kooperationsschule des OSP werden. So würden die schulische mit der sportlichen Karriere verbunden. Schuster: „Wir wollen mit dem HTG den ersten Einstieg schaffen.“ Auch hier ist der sportbegeisterte Politiker zuversichtlich. Das Gymnasium zeige sich nach den ersten beiden Gesprächen begeistert. Die Stiftung fasst dabei eine sportgeneigte Klasse ins Auge, in der die Jungen und Mädchen besonders gefördert werden. Eine Entzerrung des ansonsten dichten Stundenplans müsste damit einhergehen, erklärt Schuster. Einen Partner für die Finanzierung des Kooperationsschul-Vorhabens gebe es bereits. „Das wäre wie das Phaenovum, nur in Sachen Sport.“

Eine weitere Projektidee ist das Leasen von Autos, um den Weg beispielsweise für junge Ringer von Adelhausen nach Freiburg zum dortigen Leistungszentrum zu ermöglichen. Schließlich hapert es häufig an der Infrastruktur für die Nachwuchshoffnung. Die Stiftung hat für diese Unterstützung schon Sportler im Fokus – unter anderem einer mit Behinderung. Denn: „Auch Sportler aus dem Behindertensport sollen gefördert werden“, sieht Thron die Stiftung breit aufgestellt.

Vielfach würden schon rund 150 Euro monatlich ausreichen, um die sportliche Karriere zu ermöglichen, wissen die Stiftungs-Verantwortlichen. Mit der Bündelung von Firmen, die der gemeinnützigen Stiftung Geld geben, könne einiges erreicht werden. Sport Müller-Inhaber Peter Vogl stellt schon einmal einen WM-Ball mit den Unterschriften der Nationalspieler meistbietend zur Verfügung. Stiftungs-Mitglied Dr. Günther Effinger hofft zudem, dass auch viele Bürger aus der Region sich mit kleineren Beträgen beteiligen. Denn neben der finanziellen soll die moralische Unterstützung der Sportler damit unterstrichen werden. „Wir können aber nur fördern, wenn wir Geld haben.“