Kreis Lörrach Prävention noch weiter intensivieren

Die Oberbadische, 23.09.2016 19:43 Uhr

Die Wohnungsnot im Landkreis Lörrach spitzt sich zu. Das geht aus dem Bericht der Fachstelle Wohnungssicherung vor, der am Mittwoch Thema im Sozialausschuss war. Alleine in Lörrach sind derzeit 280 Menschen von Obdachlosigkeit betroffen, wie Oberbürgermeister Jörg Lutz am Mittwoch im Sozialausschuss sagte. Von Michael Werndorff Kreis Lörrach. Die Fachstelle Wohnungssicherung bietet seit 2009 für die Stadt Lörrach und seit 2014 auch für Weil am Rhein Beratung zur Wohnungssicherung an, im selben Jahr wurde zudem ein vom Bundesfamilienministerium finanziertes Modellprojekt etabliert, das eine Fachstelle Wohnungssicherung für den ländlichen Raum einrichtete. Die Bundesbeteiligung wird zum Jahresende auslaufen, weshalb der Kreis die Finanzierung in Höhe von 25 000 Euro bis 2019 übernehmen soll, wie der Ausschuss dem Kreistag jetzt einstimmig empfahl. Dass sich die Investition lohne, verdeutlichte Stefan Heinz, Leiter der AGJ-Wohnungslosenhilfe, bei der Vorstellung des Berichts zum Modellprojekt: „Das Thema wird aufgrund der großen Mietwohnungslücke auch in den kommenden Jahren eine hohe Aktualität haben.“ Im Rahmen des Modellprojekts für den ländlichen Raum hat die Fachstelle im Anfangsjahr 115 Haushalte erreicht, 2015 waren es bereits 135, und für dieses Jahr prognostizierte Heinz schon 160 Haushalte. Beim Blick auf die Kommunen zeige sich, dass gerade in größeren Orten wie Schopfheim, Grenzach-Wyhlen oder Rheinfelden das Risiko des Wohnungsverlusts größer ist, als in kleineren Gemeinden. In den drei genannten Orten befinden sich 55 Prozent aller Haushalte, die Mietschulden haben oder die mit dem Verlust der Wohnung konfrontiert sind, hieß es weiter. Rund 30 Prozent der Betroffenen hätten ein Einkommen, das nicht ausreiche, um die Miete zahlen zu können, erklärte Heinz. Preislich attraktive Wohnungen verschwinden Ihm zufolge belegen die Zahlen, dass die Wohnungsproblematik längst auch bei den mittelgroßen Städten und Gemeinden sowie auch im ländlichen Raum auftritt. „Immer mehr Familien weichen offensichtlich hohen Mieten in den Ballungsräumen aus, sodass der ländliche Raum von der Thematik zwischenzeitlich eingeholt wurde“, sagte er weiter. Zudem seien unter den gezählten Haushalten sehr häufig Familien mit Kindern und Bezieher von ALG II. Laut Gabriele Weber (SPD) sei es gut zu erfahren, dass die Thematik nicht nur im urbanen Raum für Probleme sorge, kommentierte sie den Bericht. Nun gelte es, die Präventionsarbeit zu intensivieren und die Hilfestellung anzusetzen, noch bevor das Amtsgericht Maßnahmen ergreifen müsse. Hier gelte es, den Datenschutz zu wahren, erwiderte Heinz. Eine intensive Kooperation habe die Fachstelle aber bereits mit den kommunalen Wohnungsgebern angestoßen, die bei einer Fortführung des Projekts intensiviert werden soll. „Es ist wichtig, frühzeitig Kenntnis zu erhalten, wenn Mietschulden gemacht werden“, so Heinz. Für das dreijährige Modellprojekt der Fachstelle zogen die Verantwortlichen eine gute Bilanz: Bei mehr als 68 Prozent der Haushalte konnte die Wohnung entweder gesichert oder Alternativwohnformen gefunden werden, womit eine ordnungs- oder sozialhilferechtliche Unterbringung samt weiterer Folgekosten verhindert wurden. Positiv äußerte sich Ulrich May von den Freien Wählern: „Die 68 Prozent muss man anerkennen.“ Auf seine Frage nach der finanziellen Förderung, erklärte Sozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella: „Das geförderte Projekt war für den Kreis ein Glücksfall.“ Zu verdanken sei dies dem Einsatz des heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster, der gemeinsam mit der Fachstelle ein förderfähiges Modell auf die Beine stellte. Gewünscht seitens des Bundes war, dass die Kommune bei einem erfolgreichen Projekt die Finanzierung nach Ende des Förderzeitraums übernehmen sollte, sagte sie weiter. Der Wohnungsverlust hat nicht nur direkte Auswirkung auf die Betroffenen, sondern er schlägt sich auch unmittelbar auf den Immobilienmarkt nieder: Preislich attraktive Wohnungen gehen verloren, weil sie entweder teurer wiedervermietet würden oder Eigentümer aufgrund negativer Erfahrungen Wohnraum leerstehen ließen, sagte Heinz. Haushalte würden dann über Jahre in ordnungsrechtlicher Unterbringung leben, ohne eine Perspektive auf eine eigene Wohnung. Rheinfeldens Bürgermeisterin Diana Stöcker (CDU) erklärte, dass die Prävention wichtig sei, um die Wohnungen für den Markt dauerhaft zu halten; außerdem werde in Rheinfelden erwogen, die Fachstelle zu engagieren. Die Zahl Betroffener werde angesichts des angespannten Wohnungsmarktes weiter steigen, prognostizierte Heinz. Das bestätigte auch Lutz (SPD): „Wer einmal eine Wohnung verliert, der wird keine neue finden“, verwies er auf mittlerweile 280 Personen, die in Lörrach von Obdachlosigkeit betroffen sind. „Die Tendenz geht nach oben, es herrschen absolut verschärfte Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt“, betonte der Oberbürgermeister. Schon längst sei die Gefahr der Obdachlosigkeit nicht mehr nur auf Problemgruppen begrenzt. „Der Landkreis verzeichnet viele Zuzüge“, äußerte sich Landrätin Dammann. Das bedinge aber auch, dass Wohnraum dementsprechend nachgefragt werde, beschrieb sie die Kehrseite der Medaille.

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