Von Marco Fraune

Bei der heimischen IG Metall übernehmen die bisherigen Stellvertreter die Verantwortung. Zugleich sollen mehr Mitglieder gewonnen werden und mehr Betriebe einen Tarifvertrag unterschreiben. Am Lörracher Standort werden hohe Potenziale gesehen.

Kreis Lörrach. Die personellen Weichenstellungen für die Delegiertenversammlung am 15. März in Freiburg sind erfolgt. Demnach soll Marco Sprengler den Posten des scheidenden Geschäftsführers Hermann Spieß übernehmen. Bisher ist er in Freiburg sein Stellvertreter. Der Stellvertreter aus Lörrach, Thomas Wamsler, übernimmt den Plänen zufolge zusätzlich die Stellvertreter-Aufgaben in Freiburg. Für die drei Büros in Freiburg, Lörrach und Waldshut mit den sieben Mitarbeitern ist der 52-Jährige dann verantwortlich, während der 39-jährige Sprengler sich um den politischen Bereich und das Auftreten nach Außen kümmern soll. Die Geschäftsführer wollen eine enge Kooperation pflegen und effizientere Abläufe schaffen, „aber ohne Einschnitte bei den ehrenamtlichen Struktur“, erklärt Wamsler im Gespräch mit unserer Zeitung. Durch die um eine Person reduzierte Führungsriege entfielen Koordinierungsaufgaben, setzt er auf eine schlankere Struktur.

Wamsler, der schon seit fast 25 Jahren in Lörrach bei der IG Metall tätig ist und seit 2008 in Verantwortung steht, bleibt das Gesicht der Gewerkschaft im Dreiländereck. Für die Mitglieder werde sich wenig ändern. Er steht zudem dafür, dass der Lörracher Standort nicht an Bedeutung verliert. „Ich bin sicher, dass es nicht zu Lasten Lörrachs geht.“ Vielmehr erkennt er noch hohe Potenziale bei der Mitgliederwerbung, da viele Beschäftigte nicht in der Gewerkschaft sind. Seit 2008 zeige die Entwicklung aber nach oben, wobei zuletzt etwas schwächer ausgeprägt. Insgesamt gibt es im Freiburger Bereich 10 800 IG Metall-Mitglieder und im Bereich Lörrach 6700. Eine Zielmarke gibt es für die nächsten Jahre nicht.

Neben der Mitgliederwerbung ist die Gründung von neuen Betriebsräten ein Ziel. „Wir wollen mitmischen, was die lokale Wirtschaftspolitik betrifft“, unterstreicht das Lörracher Gewerkschaftsurgestein. Obwohl er keinen großen Arbeitsplatzabbau in der Region befürchtet, gehe die Arbeit nicht aus. So sei der Erhalt der Produktionsarbeitsplätze angesichts der größer werdenden internationalen Konkurrenz ein Punkt. Auch das Thema Werkverträge und Leiharbeit beschäftigt die IG Metall.

Als wichtigstes Ziel sieht Wamsler die Tarifbindung von Betrieben an. Durch die Struktur der Unternehmen und der Nachbarschaft zur Nordwestschweiz gebe es Nachholbedarf. Der Widerstand gegenüber neuen Betriebsräten sei weniger ausgeprägt als gegen einen Tarifvertrag. „Es liegt an uns, die Arbeitgeber zu überzeugen“, verweist Wamsler auf die damit verbundene Rechtssicherheit und die Mitbestimmung der Arbeitnehmer als zusätzliches gestaltendes Element. Zuletzt habe man unter anderem mit der „Gusstechnik Schopfheim“ einen Tarifvertrag abschließen können.

Obwohl der stellvertretende Geschäftsführer mit Tatendrang weiter einiges bewirken will, weiß er zugleich: „Hermann Spieß wird nicht so einfach zu ersetzen sein.“