Kreis Lörrach Tendenz stark steigend

Die Oberbadische, 08.07.2015 23:01 Uhr

Von Silvia Waßmer

Kreis Lörrach. Auf ein „sehr arbeitsintensives und erfolgreiches Jahr“ blickt die AGJ-Wohnungslosenhilfe im Kreis Lörrach zurück. Am Dienstagabend wurde der Jahresbericht vorgestellt. Zudem berichteten die Verantwortlichen über das Modellprojekt „Fachstelle Wohnungssicherung“.

Fast alle Dienste des Erich-Reisch-Hauses hätten im vergangenen Jahr eine Zunahme der Klientenzahlen zu verzeichnen gehabt, berichtete Stefan Heinz, Leiter der AGJ-Wohnungslosenhilfe Lörrach. So sind die Zahlen der vom Landkreis finanzierten Fachberatungsstellen Lörrach und Weil am Rhein um 22,9 Prozent gestiegen. 686 Personen haben dabei die Einrichtungen in akuten Notsituationen aufgesucht. Die Übernachtungszahlen der Notschlafstelle liegen mit 1298 Übernachtungen von 162 Personen ebenfalls um 27 Prozent höher als im Vorjahr.

In längerfristigen Wohn- und Betreuungsangeboten sind 128 Personen begleitet worden. Rund 80 Prozent der Bewohner dieser Einrichtungen hätten dabei sozial stabilisiert werden können und nur drei Personen seien im Anschluss an die Betreuung wieder auf die Straße zurück gekehrt, hieß es. 15 Personen konnten direkt in eine Wohnung ziehen, vier seien zu ihrer Familie zurück gekehrt und 40 Personen wurden ins Gesundheitssystem oder weiterführende Betreuungsangebote vermittelt. Dabei sei allerdings auch die Betreuungsdauer um zehn Tage im Aufnahmehaus und um 40 Tage im stationären Bereich gestiegen, erklärte Heinz.

In den „Teilhabemöglichkeiten“ der Einrichtungen, in denen Betroffene ehrenamtlich tätig sind, wurde rund 13 000 Stunden mitgeholfen. Die medizinische Ambulanz führte 379 Behandlungen durch und im Rahmen eines Pilotprojektes sind 16 psychisch erkrankte Wohnungslose durch eine Caritas-Mitarbeiterin beraten worden. Zudem konnten weitere Personen an die Fachberatung der Suchthilfe, die Entgiftungsbehandlung und in eine Langzeittherapie vermittelt werden.

Auch werde die Suche nach angemessen, bezahlbarem Wohnraum für Betroffene immer schwieriger und bringe die Wohnungslosenhilfe immer öfter an ihre Kapazitätsgrenzen, berichtete der Leiter der Wohnungslosenhilfe.

Sylvia Ziegler von der Fachstelle Wohnungssicherung verwies darauf, dass selbst Normalverdiener inzwischen keine Wohnung mehr fänden oder diese nicht mehr finanzieren könnten. „Die Tendenz ist stark steigend“, bekräftigte Heinz. Daher sei auch das 2009 gestartete Projekt „Fachstelle Wohnungssicherung mit dem Schwerpunkt von Hilfen für Familien im ländlichen Raum“, das vom Bundesfamilienministerium unterstützt wird, auf die Stadt Weil am Rhein und den restlichen Landkreis ausgeweitet worden. Die positive Entwicklung dieses Modellprojekts mit 115 erreichten Haushalten im ersten Jahr stellte Sylvia Ziegler im Anschluss dem Bundestagsabgeordneten Armin Schuster sowie Sozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella vor.