Von Marco Fraune

Das regionale Automotive-Netzwerk soll in diesem Jahr endlich Fahrt aufnehmen. Rund 100 Automobilzulieferer könnten davon profitieren. Bislang stotterte der Motor nur vor sich hin.

Regio. Um die Unternehmen stärker miteinander zu vernetzen und so Synergieeffekte zu erzeugen, wird das Cluster „automotive-bw“ im Südwesten unter Federführung der Wirtschaftsregion Südwest (WSW) nun insgesamt drei Veranstaltungen organisieren, wie die Wirtschaftsfördergesellschaft für die Landkreise Lörrach und Waldshut jetzt angekündigt hat. Bereits seit Mitte 2010 ist sie Gründungspartner des Automotive-Landesnetzwerkes (siehe Info-Kasten), doch die Zwischenbilanz fällt „ernüchternd“ aus, wie WSW-Geschäftsführer Alexander Maas im Gespräch mit unserer Zeitung offen eingesteht.

Schon in seiner ersten 100-Tage-Bilanz hatte er Anfang vergangenen Jahres eingeräumt, dass mit Automotive ein Netzwerk bestünde, bei dem sich die Partner noch nicht so recht gefunden haben. „Hier gibt es die Rückmeldung, dass man zu große Unterschiede aufweist. Die Frage, ob man es schafft, in diesem Netzwerk eine Kategorisierung vorzunehmen, muss noch beantwortet werden“, erklärte Maas.

Dies ist auch der Status quo: Mehrfach habe man Kontakt zu den Automobilzulieferern in den beiden Landkreisen gesucht, doch untereinander sahen die etwa 100 Unternehmen wenig Notwendigkeiten, sich miteinander auszutauschen, da es zu wenig Schnittmengen gebe. Daher erschöpfte sich die Netzwerkarbeit zuletzt in der Weiterleitung von Informationen aus Stuttgart zu den Automobilzulieferfirmen.

Das ist Maas aber zu wenig, der nun mehr Gas geben will. Er setzt dabei auf Mehrwerte. „Wir wollen den Unternehmen etwas bieten.“ Im April wird in der ersten von erst einmal drei geplanten Veranstaltung das Scheinwerferlicht auf das Thema „Leichtbau“ gerichtet. Ein hochkarätiger Redner soll die Verantwortlichen aus den Zulieferfirmen zur Aluminium Rheinfelden locken, wo der Informationsaustausch stattfindet. Denn: Ein Material, das sich für den automobilen Leichtbau eignet, ist Aluminium. Das von der WSW moderierte Aluminiumforum wäre als Nebeneffekt damit zugleich mit im Boot.

Voraussichtlich im November steht die zweite Veranstaltung an, bei der alternative Antriebe für Schwung im Netzwerk sorgen könnten. Der Termin ist zugleich eingebunden in die Innovationstagung der Randen-Kommission, ein Zusammenschluss der Landkreise Waldshut und Konstanz, des Schwarzwald-Baar-Kreises und des Kantons Schaffhausen.

Um eine aktuelle Datengrundlage zu haben, will die WSW erst einmal möglichst bis April den Branchenreport Automotive aktualisieren, der Mitte 2013 noch unter der damaligen Geschäftsführerin Anja Obermann fertiggestellt wurde. Die von ihr formulierten sieben zu bearbeitenden Themengebiete haben laut Maas weitgehend noch Gültigkeit für das Netzwerk. Mit den drei geplanten Veranstaltungen werden die Technologiefelder E-Mobilität, Leichtbau und Vernetzung weiter bearbeitet. Die Vernetzung der Unternehmen fördern, will der WSW-Geschäftsführer unter dem Aspekt „voneinander lernen“ ebenfalls vorantreiben. Die Potenziale der Region sollten in das Standortmarketing einfließen, heißt es als dritter Punkt. Regionale Projekte zur Förderung der Elektromobilität wären denkbar, hieß es zudem vor zweieinhalb Jahren. Nun erklärt Maas: „Wir sind in Gesprächen mit Energiedienst.“

Punkt 5 besitzt ebenso weiter Gültigkeit: Branchen- und themenübergreifend ist die Region als attraktiver Arbeits- und Lebensstandort aufzuwerten. Die Kontakte, die über das landesweite Netzwerk automotive-bw aufgebaut wurden, sollen zudem gepflegt, ausgebaut und weiterentwickelt werden sowie mit Automotive-Clustern in Frankreich und in der Schweiz stärker verknüpft werden.

Welche teilweise wenig bekannten Potenziale schon jetzt in den beiden Landkreisen im äußersten Südwesten der Republik stecken, zeigt der Überblick über die rund 100 Zulieferfirmen. Alle benötigten Teile für ein komplettes Auto gibt es laut dem Branchenreport – „lediglich die Reifen müssten von außerhalb der Region hinzugekauft werden“. Die Firma Beratex aus Todtnau kann hier zumindest Trenn- und Transportgewebe anbieten, das von der Reifenindustrie eingesetzt wird. „Es gibt viele, die für Automotive produzieren, ohne dass wir es bislang wissen“, setzt Maas daher ebenfalls auf die Netzwerk-Ausweitung.