Kreis Lörrach Unterstützung auch für junge Erwachsene

Die Oberbadische, 10.02.2017 23:56 Uhr

Kreis Lörrach (sat). Mit der Vorstellung des neuen Angebots, der „Kisel Twens“-Gruppe, startet die Fachstelle „Kisel“ der Drogen- und Jugendberatungsstelle Lörrach des AKRM (Arbeitskreis Rauschmittel) in die bundesweite Aktionswoche von Nacoa (Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien): Vom 12. bis 18. Februar präsentiert „Kisel“ eine Ausstellung im Foyer des Elisabethen-Krankenhauses, um auf die mehr als 2,6 Millionen Kinder und Jugendlichen aufmerksam zu machen, die in Deutschland unter dem Suchtproblem ihrer Eltern leiden.

Schon mehrfach hat „Kisel“ an der bundesweiten Aktion teilgenommen, berichtete Beratungsstellenleiter Frank Meißner beim Pressegespräch gestern im AKRM-Gruppenraum. In diesem Raum finden auch die wöchentlichen Gruppenangebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien statt. Es werden zwei gemischte Gruppen für Kinder bis zwölf Jahre – jeweils eine in Lörrach und Rheinfelden – angeboten sowie zwei für Jungs und Mädchen im Jugendalter in Lörrach. „Unter Gleichgesinnten können die Kinder hier offen und frei über das Thema sprechen“, sagte Sozialpädagoge Oliver Baumgartner, der seit Oktober die Gruppe für Jungs leitet. Meißner ergänzte, dass die Sucht der Eltern zu Hause oft ein Tabu-Thema sei. Bei den Gruppenangeboten soll vor allem das Selbstwertgefühl der Kinder durch positive Erfahrungen gestärkt werden.

Wenn die Familien sich einmal auf das Angebot eingelassen haben, blieben die Kinder meist über einen langen Zeitraum in den Gruppen, erklärte Meißner. Bei drei Gruppenteilnehmern um die 18 Jahre habe sich nun jedoch gezeigt, dass gemeinsame Gruppen mit zum Teil Zwölfjährigen nicht mehr sinnvoll seien. „Deren Lebenssituation ist eine ganz andere“, sagte Meißner. Mit Unterstützung aus der „Fair way“-Spendenaktion des SC Freiburg sowie weiteren Spenden konnte nun eine zusätzliche Gruppe angeboten werden, die „Kisel Twens“, die sich das erste Mal am Mittwoch, 22. Februar, um 17 Uhr in Lörrach treffen wird.

„Nur weil die Teilnehmer plötzlich erwachsen sind, werden die Probleme nicht weniger“, sagte Baumgartner. Die neue Gruppe wird sich fortan alle zwei Wochen treffen, wobei man sich hierbei fast ausschließlich auf die Teilnehmer konzentriert – bei den Jüngeren werden hingegen noch alle vier bis sechs Wochen Elterngespräche geführt. Der präventive Charakter rückt mehr in den Vordergrund, beispielsweise die Reflexion des eigenen Suchtverhaltens, da Kinder Suchtkranker zur Risikogruppe zählen, erklärte Baumgartner.

Derzeit sind 26 Kinder aus dem gesamten Landkreis in den Gruppen, die in der Regel jeweils für bis zu acht Kinder konzipiert sind, erklärte Sozialpädagogin Michaela Popp, welche die Kindergruppe in Lörrach leitet.

„Wir sind froh, dass es ’Kisel’ gibt“, sagte Michael Hellmann, kommunaler Suchtbeauftragter im Landkreis. Traumatische Erfahrungen in der Kindheit begleiten Menschen ein Leben lang, weshalb Unterstützungsangebote von großer Bedeutung seien. Hellmann betonte dabei die Verzahnung mit den Diensten des Landratsamts.

n Die „Kisel“-Ausstellung im Foyer des Elisabethen-Krankenhauses Lörrach ist ab Sonntag, 12., bis Samstag, 18. Februar, zu sehen. Am Donnerstag, 16. Februar, werden von 9.30 bis 11.30 Uhr „Kisel“-Mitarbeiter vor Ort sein.