Kreis Lörrach Voll blühender Lebensweisheit

Die Oberbadische, 11.08.2017 22:08 Uhr

Regio. Welcher Gartenliebhaber oder Freizeitgärtner kennt das nicht: Der Urlaub steht an, und vorher muss unbedingt die heimische Freizeitoase in Ordnung gebracht werden. Da wird das Unkraut gezupft, der Boden gelockert, der Rasen gemäht, und alles sieht wieder wunderbar und vorzeigbar aus. Die Ferien können beginnen!

Dann kommt man, sagen wir drei Wochen später, hoffentlich entspannt und ausgeruht in heimatliche Gefilde zurück. Für gewöhnlich führt der erste Weg in den heiß geliebten Garten – und was leuchtet uns voller Wachstumsdynamik entgegen: eine grüne Hölle.

In Maarten ´t Harts Buch „Die grüne Hölle: mein wunderbarer Garten und ich“, schildert der niederländische Autor in kurzen Geschichten lebensnah seinen stetigen Kampf mit wucherndem Unkraut – Unkraut vergeht Niemals – widerspenstigen Gemüsesorten, die so gar nicht auf dem Klei (Marschboden) gedeihen wollen, oder raffgierigen und saatgutpickenden Vögeln.

Nicht nur seine Geschichten über den natürlichen Feind eines jeden Gärtners, die Nacktschnecke, sind voller verzweifelter Komik, komischer Verzweiflung und blühender Lebensweisheit. Dieses amüsante und kurzweilige Taschenbuch ist zu Recht als frische und leichte Sommerlektüre geeignet und macht auch einen dunklen und grauen Regentag wieder erträglich und heiter.

Der Autor, 1944 in Maassluis bei Rotterdam geboren, studierte Verhaltensbiologie, bevor er sich als freier Schriftsteller niederließ. Sein bislang größter Erfolg war sein Roman „Das Wüten der ganzen Welt“, der 1997 erschien. Maarten ´t Hart war lange Jahre Gartenkolumnist einer renommierten niederländischen Tageszeitung. Er kennt sich also bestens aus und beschreibt mit freundlicher Ironie die große Brennnessel, Urtica diocia, die in seinem Garten so vortrefflich wächst und gedeiht, und wie man am leichtesten zu einem Gentlemen’s Agreement mit der haarigen Pflanze gelangen kann. „... Das Beste ist es, sie einfach weiter wachsen zu lassen. Bis nach Johannis kann man sie immer wieder mit der Sense abmähen, und so hat man den ganzen Sommer über einen niedrigen wunderhübschen Teppich aus jungen hellgrünen Brennnesseln, vorzüglich geeignet zum Verzehr für Rohkostesser oder als Aufguß für einen blutreinigenden Tee.“

Auch die gemeine Nacktschnecke -– im wahrsten Sinne des Wortes – wird ausgiebig von Maarten ´t Hart behandelt. „...Jeden Hobbygärtner, der seine jungen Pflänzchen liebevoll auf der Fensterbank im Wohnzimmer selber zieht, und bei den ersten wärmeren Temperaturen im Garten auspflanzt, erfassen Mordgedanken beim Anblick seiner kahl gefressenen Salat- oder Brokkolipflanzen.“ Ganz zu schweigen von den Gedanken, die sich auftdrängen beim Anblick an- und abgefressener Schwertlilienblüten, Tagetes oder pastellfarbener Zinnien. Auch hier gibt der Autor wertvolle, aber nicht immer ernst gemeinte Ratschläge. Besonders aufmerksam habe ich – weil selbst betroffen – die Hinweise über den „nützlichen“ kleinen Helfer, den Maulwurf, gelesen. „...Es ist ein Irrglauben, wenn man meint, diese Tiere seien schädlich. Der Maulwurf ist ein großer Helfer, wenn es darum geht, schädliche Insekten zu bekämpfen. Schwere Böden erhalten durch die Maulwurfsgänge sogar eine zusätzliche Drainage.“

Und weiter: „... Die meisten Menschen bekämpfen den Maulwurf, weil der Maulwurfshügel auf dem glatten Rasen so unangenehm ins Auge fällt. Dabei ist nichts, findet der Autor, so abgeschmackt und spießig wie ein kurz geschorener und ebener Rasen.“

Nützliche Hinweise findet der Gartenphilosoph übrigens auch zur mühseligen Schwerstarbeit des Umgrabens zum Ende des Gartenjahres. Er lässt lieber die Regenwürmer für sich arbeiten und findet es unlogisch, die Erde mit einem scharfen Eisenblatt brutal zu bearbeiten. Denn die Lebewesen der unteren Humusschicht, so schreibt er, befinden sich plötzlich an der frischen Luft, und die Heerscharen von Bodenarbeitern brauchen viel Zeit, ehe sie ihre angestammten Ort wieder gefunden haben. Wenn man bedenkt, dass ein einziger Regenwurm in einem Jahr das Siebzigfache des eigenen Körpergewichts in Humus umsetzt, klingt das doch irgendwie ganz plausibel.

Kurz gesagt: Das rund 200 Seiten starke Taschenbuch, mit fast fünfzig Geschichten von Dornen und Disteln bis hin zur passenden Umgrabmusik, legt man nicht so schnell beiseite. Es ist nicht nur für Gartenfreunde eine entspannende, heitere aber nicht immer ernst gemeinte Urlaubslektüre. n  Taschenbuchausgabe März 2017 / 9,30 € im Piperverlag ISBN 978-3-492-31059-8 www.piper.de

 
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