Kreis Lörrach Wege aus der Sucht aufzeigen

Die Oberbadische, 19.04.2017 17:49 Uhr

Von Adrian Steineck

Erste Anlaufstelle bei der Hilfe für alkoholkranke Menschen ist das Blaue Kreuz. Bei der 1895 gegründeten Einrichtung gibt es Veränderungen. So leitet Hanns Gerhard Koelbing die Beratungsstelle für den Landkreis Lörrach.

Kreis Lörrach. Der Psychologe und Psychotherapeut hat bereits zum 1. März die Nachfolge von Elke Müller übernommen, welche die Beratungsstelle seit 2005 geleitet und „zu dem gemacht hat, was sie heute ist“, wie Bruno Kleeb, der Vorsitzende des Trägervereins, bei der gestrigen Vorstellung Koelbings sagte. Der neue Leiter der Beratungsstelle selbst nannte als Hauptmerkmal seiner Tätigkeit das Eingehen auf das Individuum. „Wir müssen den Menschen vermitteln, dass wir ihnen durch die Bekämpfung ihrer Alkoholsucht nicht etwas wegnehmen, sondern dass wir sie beim Schritt in einen neuen Lebensabschnitt mit mehr Lebensqualität begleiten“, legte er dar.

Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 211 Patienten, die das Team der Beratungsstelle Lörrach begleitet hat. Das bedeutet einen Rückgang im Vergleich zu 2015, als insgesamt 291 Patienten das Beratungsangebot in Anspruch nahmen. Diese Zahlen kämen aber auch dadurch zustande, dass die Beratungsstelle laut Bruno Kleeb aufgrund personeller Umstrukturierungen und zeitweiser Unterbesetzung nicht ganz so aktiv war wie in den Jahren zuvor. Derzeit wird die Beratungsstelle in der Pestalozzistraße neben dem Leiter Koelbing, der eine 65-Prozent-Stelle hat, von der Sozialpädagogin Sarah Metz mit einem 50-Prozent-Deputat und von dem Sozialtherapeuten Thomas Kettner zu 20 Prozent geführt.

Daneben wird derzeit ein Minijobber angelernt, der neben sechs ehrenamtlichen Helfern mit dazu beiträgt, das Angebot der Beratungsstelle aufrecht zu erhalten.

Zu diesem Angebot gehören neben Beratungsgesprächen auch sechsmonatige Gruppenkurse für alkoholauffällige Fahrer, die diese auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) zur Wiedererlangung des Führerscheins vorbereiten. Daneben treffen sich in Lörrach sechs Selbsthilfegruppen für unterschiedliches Zielpublikum von Senioren bis zu Frauen, weitere sechs solcher Gruppen treffen sich im gesamten Landkreis, etwa in Weil am Rhein oder Efringen-Kirchen.

Generell zeige sich der Trend, dass Alkoholkranke sich weniger schnell als früher zum Entzug in eine stationäre Einrichtung wie eine Suchtklinik einweisen lassen. So wurden im vergangenen Jahr 23 Sozialberichte erstellt, die für die Weitervermittlung in eine stationäre Einrichtung notwendig sind.

Im Jahr 2012, als die Beratungsstelle von der Spitalstraße in der Lörracher Innenstadt in die Pestalozzistraße in Stetten umzog, waren es mit 44 noch nahezu doppelt so viele. „Da spielt sicherlich die Angst um den Arbeitsplatz eine Rolle“, sagte Kleeb.Von den 173 neuen Patienten im vergangenen Jahr war die Zahl der Männer mit 113 nahezu doppelt so hoch wie die der Frauen.

Ein Thema, das die Mitarbeiter des Blauen Kreuzes in der Zukunft beschäftigen wird, ist die Sucht im Alter. Hierzu soll stärker als bisher der Austausch mit Pflegeheimen gesucht werden. Finanziell unterstützt wird die Arbeit des Blauen Kreuzes vom Landkreis, dem Trägerverein und durch Spenden.