Von Marco Fraune

Die Windkraftnutzung im Landkreis Lörrach soll ausgebaut werden. Ein Langzeitvergleich von Erträgen regionaler Windräder zeigt aber, dass es neben Chancen auch Risiken gibt. Energie aus Bürgerhand ist zugleich differenziert zu betrachten.

Kreis Lörrach. Seit einem Jahrzehnt steht in Fröhnd das einzige Windrad im Landkreis Lörrach. In Schopfheim-Gersbach auf dem Rohrenkopf sollen bis Ende dieses Jahres fünf weitere in Betrieb gehen, doch die Gegner haben per Eilverfahren die begonnenen Vorbereitungsarbeiten erst einmal gestoppt. Für den Glaserkopf in Hasel wurde im vergangenen Monat der Genehmigungsantrag für fünf Windräder beim Landratsamt gestellt. Die Inbetriebnahme ist bis März 2017 vorgesehen. Sollten die Projektverantwortlichen trotz des Widerstandes aus der Bürgerschaft durchsetzen, könnten laut Plan der EWS Schönau auf dem Rohrenkopf rund 40 Millionen Kilowattstunden (kWh) Windstrom pro Jahr erzeugt werden, auf dem Glaserkopf laut Energiedienst und EnBW rund 35 Millionen kWh pro Jahr. Zum Vergleich: In Fröhnd werden bislang nur rund zwei Millionen kWh pro Jahr erzeugt.

Erträge und Verbrauch: Die Ertragsdaten von 26 Windrädern zwischen Offenburg und Lörrach hat jetzt Peter Schalajda, Gründungsmitglied Bürgerwindrad Blauen und Vorstand der Genossenschaft „Bürgerwindrad Blauen Erneuerbare Energien“, verglichen. Er setzt damit auf die Erfahrungen anderer Bürgerenergie-Projekte, um die Energiewende in Bürgerhand voranzubringen. Die Erträge der ausgewerteten Anlagen beliefen sich 2015 zusammen auf 69,75 Millionen kWh, womit sie gemeinsam unterhalb des Ertrages liegen, welcher für die zehn neuen Windräder im Wiesental prognostiziert wird.

Der jährliche Stromverbrauch im Landkreis Lörrach beläuft sich auf 1600 Millionen kWh, die Stadt Schopfheim wird mit 90 Millionen kWh gelistet und Hasel mit 2,2 Millionen kWh. Angesichts dieser Zahlen steht für Schalajda fest: „Die Orte Gersbach und Hasel versorgen heute die Region mit Fleisch von Gersbacher Weiderindern, mit Milch, Quark und Käse, mit Holz und Hackschnitzeln und in Zukunft auch mit 75 Millionen Kilowattstunden regenerativem und regionalem Windstrom.“ Der Windstrom-Anteil im Landkreis würde von 0,1 Prozent auf 4,8 Prozent innerhalb der nächsten 15 Monate wachsen, unterstreicht der Experte.

Moderne Anlagen und Negativbeispiel Fröhnd: Am Beispiel des Windrades auf dem Weißmoos bei Schweighausen im Schuttertal zeigt der Windkraft-Befürworter, dass der Ersatz von alten durch moderne Windräder den Windernteertrag deutlich in die Höhe steigen lässt. Die Ernte steht laut den im Internet abrufbaren Werten von 0,77 Millionen Kilowattstunden pro Jahr auf 4,3 Millionen in 2014 und 5,8 Millionen im vergangenen Jahr.

Bei der Anlage handelt es sich um ein Projekt der SWE Bürgerwind. Insgesamt fällt laut Schalajda auf, dass in der heimischen Region Windräder mit Bürgerbeteiligung die große Mehrheit darstellen, was er mit „Energiewende als Bürgerbewegung“ bewertet. Doch das Beispiel Fröhnd verdeutlicht auch, wie hochfliegende Träume zerplatzen können. So trage sich das Windrad gerade so, doch auch nach zehn Betriebsjahren seien immer noch keine Ausschüttungen an die beteiligten Bürger gegeben. Ein Knackpunkt: Vor dem Bau habe es keine Windmessung am Standort gegeben, weiß Schalajda. Eine der vormals zwei Standorte war deutlich schlechter als der andere, womit ein Windrad dann wieder abgebaut wurde.

Das verbliebene Windrad in Fröhnd hat einen Rotordurchmesser von 71 Metern und eine Rotorfläche von knapp 4000 Quadratmetern. Zum Vergleich: Für den Rohrenkopf sind es knapp 116 Meter und rund 10 500 Quadratmeter beziehungsweis für den Glaserkopf 126 Meter und knapp 12 470 Quadratmeter. Auch die Auswertung der 26 existierenden Anlagen zeigt: die Erträge sind sehr unterschiedlich, da die Windräder unterschiedlich groß sind. „Eine Vergrößerung des Rotordurchmessers von 71 auf ,nur’ 101 Meter führt zu einer Verdoppelung des Stromertrags. Eine Vergrößerung auf 126 Meter um das 3,1-fache.“ Die Nabenhöhe spiele zudem eine wichtige Rolle, da die mittlere Windgeschwindigkeit in der Höhe zunehme. Der Bürgerwindrad-Fürsprecher betont, dass ein guter Standort entscheidend sei, doch: „Mit modernen Windrädern und großen Nabenhöhen können auch an einem mittelmäßigen Standorte attraktive Quadratmeter-Erträge erzielt werden.“

Potenziale: Der Grünen-Kreisrat sieht für den Landkreis Lörrach weitere Potenziale für die Windstromerzeugung. Insbesondere der Blauen bei Malsburg-Marzell sei einer der besten Standorte für einen Windpark. Dass sich dort aber nichts tue, sei ein Trauerspiel. Andere Standorte wie der Zeller Blauen, der Wasen (Schlöttleberg, Hohe Stückbäume) oder der Munzenberg bei Kandern haben laut Schalajda bei den aktuellen Stromvergütungen hingegen eine grenzwertige Wirtschaftlichkeit. Gewinne erzielt werden könnten hingegen mit den neuen Windrändern in Gersbach und Hasel.

Auf bis zu 20 Windkraftanlagen hatte Ulrich Hoehler, Erster Landesbeamter im Landratsamt, vor eineinhalb Jahren bei einer Fachtagung die Potenziale taxiert. Verteilt würden diese wohl auf drei bis fünf Windanlagenparks.

Wirtschaftlichkeit: „Ein guter Standort allein ist noch keine Garantie für einen wirtschaftlichen Betrieb“, weiß der Bürgerwindrad-Experte um mögliche hohe Infrastrukturkosten. Daher sei auch bei Bürgerwindrädern zu beachten, dass es unternehmerische Beteiligungen sind, die immer Chancen, aber auch Risiken enthalten. Die neue Förderpraxis durch die Bundesregierung kritisiert der Grüne deutlich. Kapitalkräftige Firmen könnten sich die erheblichen Mittel für die Projektvorbereitungen eher leisten als die Bürger. „Für Bürgergenossenschaften wird es unter diesen Bedingungen immer schwieriger, am Ausbau der Windenergie teilzuhaben.“

Gegenwind: Es gibt aber auch kräftig Gegenwind durch die Bürger, welche sich um die Landschaft und ihre Gesundheit sorgen. „Die Diskussion werden härter in der Bevölkerung“, weiß Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Der Baustopp für die Anlage auf dem Rohrenkopf zeigt, dass Bürger ihren Widerstand aufrecht erhalten.